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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Die Welt verbessern – aber richtig

| 11 Lesermeinungen

Fabienne und Fritz wollen nicht einfach Gutes tun, sondern auch möglichst viel dabei bewirken. Für ihre Entscheidungen befragen sie die Wissenschaft, ihre Philosophie heißt „Effektiver Altruismus“. Ein Besuch.

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20160808_174400© Henrike WiemkerGutes tun: Fabienne und Fritz

Wenn jemand sagt, er wolle die Welt verbessern, klingt das in der Regel utopisch. Ähnlich wie der pauschale Wunsch nach Weltfrieden hat das Vorhaben einen Beigeschmack: Verträumtes Vor-sich-hin-Phantasieren, gepaart mit Tatenlosigkeit.

Fabienne und Fritz aus Düsseldorf wollen das mit der Weltverbesserung trotzdem versuchen, und sie vermitteln dabei durchaus den Eindruck, als sei es für sie eine realistische Aufgabe. Auf der Suche nach einer Lösung geht das Paar so rational und effektiv wie möglich vor. „Das Ziel ist, Leiden zu mindern“, sagt Fabienne, „und Effektivität bedeutet in diesem Zusammenhang, dass wir an unser Ziel möglichst nah heran kommen wollen.“

Fabienne und Fritz bezeichnen sich als Effektive Altruisten und gehören damit zu einer Bewegung, die in den späten 2000er Jahren entstanden ist. Einer ihrer wichtigsten Standorte ist Oxford, wo Fabienne drei Jahre lang Psychologie studiert hat. Dort lehrt auch der 29 Jahre alte William MacAskill, Professor für Philosophie, der im letzten Jahr eines der populärsten Bücher über die Bewegung herausgebracht hat: „Gutes besser tun“, das im März auf Deutsch erschienen ist.

Im Titel steckt schon die Kernaussage des Effektiven Altruismus‘. Die Bewegung untersucht, in welcher Weise sich Geld, Zeit und Können einer Person möglichst wirksam zur Verbesserung der Welt einsetzen lassen. Dabei bedient sie sich nach eigenem Verständnis der wissenschaftlichen Evidenz, etwa durch kontrollierte randomisierte Studien, die die Effekte von Hilfsprojekten untersuchen. Auch der Einfluss einzelner Berufsgruppen oder Personen auf das Weltgeschehen soll messbar gemacht werden. So ist als eine der frühesten Organisationen aus der Bewegung die Stiftung „Givewell“ hervorgegangen, die Wohltätigkeitsprojekte auf ihre Effektivität hin untersucht. Einige Bekanntheit hat auch die Berufsberatung „80000 Hours“ erlangt, die all jenen Orientierung zu geben versucht, die während ihrer Arbeitszeit (durchschnittlich sind es 80.000 Stunden im Leben eines Menschen) möglichst wirksam die Welt verbessern wollen.

26.08Homepage von 80000 Hours

Das kann weitreichende Folgen haben: Fabienne etwa ist durch die Auseinandersetzung mit dem effektiven Altruismus und „80000 Hours“ zu dem Ergebnis gelangt, dass sie künftig einen anderen Berufsweg einschlagen möchte. „Ich wollte in die klinische Psychologie gehen und Therapeutin werden“, sagt die 21-Jährige mit gleichbleibend sachlich-warmer Stimme, „ich weiß auch, dass mir der Beruf gefallen würde. Aber ich wäre darin ziemlich ersetzbar.“ Ihre Aussage verweist dabei auf eine der Leitfragen des Effektiven Altruismus‘: Wie viel Aufmerksamkeit bekommt ein Problem bereits und welchen Zusatznutzen würde es bringen, sich an dessen Lösung zu beteiligen?

Die millionste Psychotherapeutin zu sein, hat demnach weniger Effekt, als zum Beispiel in einem Thinktank den effektiven Altruismus selbst bekannter zu machen. Fabienne hat deswegen den Masterstudiengang „Human Decision Science“ gewählt, der ihr mehr Wege offen hält, wie sie meint, auch in die Politik hinein. Sie ziehe jetzt „viel mehr Dinge in Betracht“, die sie früher „für total langweilig“ hielt. So spielt sie mit dem Gedanken, für eine Weile das Marketing in der freien Wirtschaft kennenzulernen. „Ich denke, da kann ich sehr vieles lernen, was später auch in anderen Bereichen nützlich sein könnte“. Wieder nennt sie das Ziel, „den effektiven Altruismus bekannter zu machen“.

Auch Fritz plant seine Berufslaufbahn auf der Basis von „80000 Hours“. Er studiert Medieninformatik und wollte eigentlich in die Kreativbranche. Doch „80000 Hours“ rät wegen zu großer Konkurrenz und schlechter Bezahlung davon ab – was nicht unbedingt eine revolutionäre Erkenntnis ist. Schon überraschender: Informatik wird explizit empfohlen. „Zumindest wenn man sich dafür interessiert“, fügt Fritz hinzu und folgert weiter: „Dort kann ich vermutlich viel Geld verdienen, das ich dann an effektiv arbeitende Hilfsorganisationen spenden kann.“ In der „EA“-Bewegung wird diese Logik als „Earning to give“ bezeichnet. Ein einzelner, der dank seiner Begabung, seiner Interessen und seiner Ausbildung das Potenzial hat, viel Geld zu verdienen und damit auch viel zu spenden, bewirke auf diese Weise oft mehr, als wenn er seine Arbeitskraft direkt einer Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt hätte.

ACHTUNG SPERRFRIST - Sperrfrist 6. September 23.00 Uhr. ARCHIV - Eine junge Frau aus Niamey, der Hauptstadt von Niger, zeigt ein neues Moskitonetz und den Hinweis, dass das Netz gegen Mücken schützt (Foto vom 17.03.2006). Moskitonetze sind eine effektive Methode zum Schutz vor Malaria. In Familien, die mit Insektiziden behandelte Netze besaßen, starben in den letzten Jahren 23 Prozent weniger Kinder an der Tropenkrankheit. Das berichten amerikanische Forscher nach der Auswertung vieler Studien aus tropischen Ländern Afrikas im Online-Fachjournal PLoS Medicine. Foto: Ulrike Koltermann +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweitMoskitonetz zum Schutz vor Malaria

Jedes Jahr empfiehlt „Givewell“ acht wohltätige Organisationen, die besonders effektiv arbeiteten. Aktuell gehören dazu die „Against Malaria Foundation“, die mit Hilfe von Mückennetzen die Verbreitung von Malaria eindämmt, sowie die „Deworm the World Initiative“, die Tabletten gegen Wurmkrankheiten verteilt. Als Kriterien werden unter anderem „Transparenz“ und „Kosten-Effektivität“ der jeweiligen Organisation genannt. Wichtig ist auch, dass Belege für die Wirksamkeit von Maßnahmen erbracht werden.

Am meisten überrascht hat Fritz die Einstellung, die der Effektive Altruismus dem Arztberuf entgegenbringt. „Ich habe lange überlegt, Arzt zu werden, gerade weil ich gerne etwas Sinnvolles tun und anderen helfen wollte“, sagt der 22-Jährige. Weil es aber in weit entwickelten Ländern bereits so viele Ärzte gebe, bewirke jeder weitere dort nur noch vergleichsweise wenig, so schreibt William MacAskill sinngemäß in „Gutes besser tun“. Dabei stützt er sich auf Überlegungen des Mediziners Gregory Lewis, der auf Basis von Statistiken zu beziffern versuchte, wie viele Menschenleben ein Arzt je nach Einsatzland in seiner Berufslaufbahn retten kann. Dabei hat er einzelne Staaten betrachtet, ohne jedoch die Verteilung der Ärzte innerhalb der Staaten mit einzubeziehen, die zum Beispiel für Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten sorgt. Auch hier ist das Ergebnis leicht nachvollziehbar: Als Arzt in einem Entwicklungsland kann man natürlich deutlich mehr bewegen als in einem Industrieland, erst Recht, wenn man dort sein Wissen weitergibt. Lewis‘ Pointe aber besteht darin, dass nicht jeder, der möglichst viele Menschenleben retten möchte, Mediziner in einem Entwicklungsland werden muss. Es könne oft sogar effektiver sein, in einem entwickelten Land möglichst viel Geld zu verdienen und durch möglichst große Geldspenden Menschenleben zu retten. Fritz sagt: „Darüber hatte ich vorher einfach nicht nachgedacht.“

Fabienne und Fritz lieben es, über mögliche Entscheidungen zu diskutieren und sie weiter zu hinterfragen. Weist Fabienne darauf hin, dass die Empfehlungen für bestimmte Hilfsorganisationen „natürlich nur unter den gerade aktuellen Voraussetzungen“ gelten, fügt Fritz hinzu: „Genau, wenn zum Beispiel Malaria ausgerottet würde, macht es keinen Sinn mehr, an die ‚Against Malaria Foundation‘ zu spenden, die Mückennetze verteilt.“ Darauf Fabienne: „Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin: Braucht man dann nicht immer noch Netze?“

13987685_10210069222795998_27263257_o© Monika Kopec Fabienne bei einer Effektive-Altruisten-Konferenz an der TU Berlin

Seit drei Jahren beschäftigt Fabienne sich mit dem Effektiven Altruismus. „Es hat mich sofort überzeugt, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Im Grunde hatte ich nach genau so etwas gesucht“, sagt die Master-Studentin. Jetzt versucht sie, die Bewegung an Rhein und Ruhr bekannter zu machen, organisiert Treffen und vernetzt Interessierte. „Eigentlich erzähle ich jedem von EA, der lange genug stehen bleibt“, sagt sie grinsend. Einen festen Gruppenverband wie in anderen Städten, etwa Wien und Berlin, gibt es hier noch nicht. Im Juli hat Fabienne einen Experten aus Oxford für einen Workshop an die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf geholt, an dem auch Fritz teilnahm. Er hat vor gut eineinhalb Jahren zum ersten Mal vom Effektiven Altruismus gehört, als er Fabienne über die Dating-Plattform „OkCupid“ kennenlernte. Jetzt kümmert auch er sich um die Weiterverbreitung der Bewegung, die vor allem aus jungen Menschen besteht und noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt. „Was mich wundert!“, sagt Fritz energisch, „es ist doch nicht so weit hergeholt zu sagen: Weil wir nicht die ganze Welt auf einmal retten können, fangen wir da an, wo wir am meisten bewirken können.“

Darüber, welches die drängendsten Probleme der Welt sind, gibt es im Effektiven Altruismus dabei durchaus Meinungsverschiedenheiten, solche, bei denen der betont rationale Zugang und die verwendeten Studien und Prognosen nicht recht weiter helfen. Wie zum Beispiel einigt man sich in der Frage, was in dem Vorsatz „Leid vermindern“ mit dem Begriff „Leid“ gemeint ist? Die meisten von „Givewell“ empfohlenen Hilfsorganisationen zielen darauf ab, den vorzeitigen, durch Armut, Hunger und Krankheit verursachten Tod von Menschen zu verhindern. Es gibt aber auch empfohlene Organisationen, die sich gegen das Leiden von Tieren einsetzen. Diesen Zwiespalt sieht auch Fritz: „Es stimmen sicher nicht alle der Meinung zu, dass die Massentierhaltung eines der drängendsten Probleme unserer Zeit ist. Aber die Entscheidung, wofür man spendet, steht jedem frei.“ Und Fabienne fügt hinzu: „Leid ist nicht nur Hunger und Krankheit, sondern zum Beispiel auch, sich unterdrückt zu fühlen. Etwa als LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) in Russland.“

DER EWIGE GÄRTNER The Constant Gardener GB/Kenia 2005 Fernando Meirelles Filmplakat ||rights=RM | Verwendung weltweit© dpaGutes tun – ohne Rücksicht auf den Selbstverlust: Szene aus „Der ewige Gärtner“ mit Rachel Weisz

Auch bei anderen Entscheidungen lässt der Effektive Altruismus gewissermaßen Schlupflöcher der Subjektivität offen. Es geht nicht darum, in allen Lebensbereichen nach Kriterien der Effektivität zu handeln. Fabienne: „Natürlich muss man dem eigenen Privatleben Raum lassen, und niemand würde komplett auf das eigene Wohl verzichten. Das ist sogar sinnvoll, wenn man sein Helfen maximieren möchte. Denn sonst ist man langfristig nicht motiviert, das wäre sogar ineffektiv.“ Fabienne berichtet von Freunden, die für sich jede Woche einen Zeitraum festgelegt haben, in dem sie nach den Prinzipien des Effektiven Altruismus handeln. In ihrer restlichen Zeit machen sie sich keine großen Gedanken darüber. Fabienne fügt hinzu: „Zu einem bestimmten Ausmaß machen wir das in der EA-Bewegung alle so. Sonst wär’s kontraproduktiv.“

Von dem Konzept als solchem ist Fabienne vollkommen überzeugt. „Ich weiß, dass viele intelligente Leute sich Gedanken darüber gemacht haben, was im Moment das Sinnvollste ist und das Ergebnis auch immer wieder neu hinterfragen. Natürlich ist das alles nicht einfach, aber es ist immer noch besser, es zu versuchen, als die Hände in die Luft zu schmeißen und einfach blind etwas auszusuchen. Es ist die beste Option, von der wir wissen.“

Wir werden die beiden in einem Jahr wieder besuchen.

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11 Lesermeinungen

  1. Pingback: ‚Weltverbessern – aber richtig‘ | BLOG “Young Researcher at HU”

  2. Brilliant!
    Endlich macht sich mal jemand Gedanken darüber, wie man möglichst effektiv helfen kann! Nutzenmaximierung! Grenznutzen! Das sind ja ganz neue Begriffe….. für jemanden, der die wirtschaftswissenschaftliche Entwicklung der letzten…. ?150 Jahre? ausgeblendet hat. Entwicklungsökonomen beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit dem, was hier als „neuer Trend“ angepriesen wird. Das zeigt nur wieder mal, das es einen Unterschied macht, von wem ein Vorschlag kommt: Diese Ökonomen, die wollen doch nur mit Geld, Geld, Geld und so.
    Aber einPhilosophieprofessor aus Oxford, das spricht so manchen Weltenretter ganz anders an! Aber um auf das Thema zurückzukommen:
    Ich denke, unter den deutschen Flüchtlingshelfern gäbe es noch erheblichen Aufklärungsbedarf, vielleicht fängt auch hier der Begriff des Effentiven Altruismus besser als Entwicklungsökonomie.

  3. Roboter-Altruismus
    Wie definiert sich „Effektivität“? In unserer Zeit ganz klar anders als noch vor 50 Jahren. Heute: möglichst viel, billig, schnell, ohne eigene Belastung, mit maximaler Auffälligkeit. An diesem (Mode)-Bestreben messen wir all unser Tun.
    Noch „effektiver“: wir beruhigen unser schlechtes Gewissen und bekommen auch noch viel Lob dafür.
    Toll. Alles in Ordnung, wir sind im Reinen mit uns und der Welt.

    „Altruismus“ jedoch definiert sich über Selbslosigkeit, Uneigennutz, sich aufopfern. Alles Begriffe, die sich durch ihre „Uneffektivität“ schon mal disqualifizieren.

    Wieviel Stunden habt ihr mit Sammeln von Informationen, Planung,Treffen, Selbstdarstellung verbracht? Sind das schon Einheiten, die zur Gewissensberuhigung beitragen?

    Vielleicht wäre es „effektiver“ gewesen, den kranken Nachbarn, die Oma, den Obdachlosen vor der eigenen Türe zu betrachten, ihm sogar zuzuhören, geschweige denn ihm hilfreich zur Seite zu stehen?
    Der Nachbar könnte genesen, die Oma wieder glücklich werden, der Obdachlose Heimat finden. Und alle könnten auch „altruistisch“ tätig werden.

    Am wichtigsten: ist wirklich Leid gelindert worden? Das lässt sich nicht von außen beurteilen, dazu muss der Mensch befragt werden.
    Der Leidende ist es, der die „Effektivität“ beurteilen darf, nicht der Macher.

  4. Die Welt verbessern ?
    Ich habe grosse Hochachtung vor Menschen, die sich selbst hintenan stellen um anderen zu helfen. Leider kann man aber die Welt nicht verbessern indem man nur an den Symptomen herumdoktort, auch wenn es dem jeweiligen „Altruisten“ die Befriedigung gibt, die er oder sie sucht.
    Ich bin viel im aussereuropäischen Ausland unterwegs, arbeite mit vielen Menschen, vor allem aus Süd Asien – da bekommt man einen ganz guten Blick auf die Kernprobleme dieser Welt ohne die zu bekämpfen jeglicher Einsatz von Idealismus langfristing wirkungslos bleibt. Ganz oben an steht die in allen Ländern in denen es den Menschen schlechter geht als bei uns stark ausgeprägte Korruption, meist von staatlichen Stellen, oft von der Staatsführung selbst. Ich hatte kurzlich Gelegenheit mit einem Menschen aus Uganda zu sprechen, der im Mittleren Osten arbeitet um seine Familie zuhause zu versorgen, denn die einzigen Einkommensquellen in Uganda, wie in vielen anderen afrikanischen Staaten, sind die Landwirtschaft und die Ausbeutung von Bodenschätzen. Wie mein Gesprächspartner erzählte kann man davon aber kaum leben, weil die Minen im Besitz von mit der Regierung verwobenen Superreichen sind und die Landwirtschaft von der Regierung selbst beherrscht wird. So müssen Kaffebauern ihre Ernte für einen Hungerlohn an den Staatschef verkaufen, der dann den Kaffee zu Weltmarktpreisen vermarktet. Der nicht unerhebliche Erlös geht in seine schon prall gefüllten Taschen, die Bauern gehen leer aus. Ähnliches habe ich in Brasilien von Mangofarmern erzählt bekommen – die Ernte wird zu einem Hungerlohn von hochkorrupten, mafiösen, regierungsnahen Organisationen den Farmern abgekauft und auf dem Weltmarkt zu Geld gemacht – der Gewinn geht in die Taschen der kurrupten, regierungsnahen Mafiosi. Die Liste der Beispiele kann man beliebig verlängern. Praktisch alle Länder Afrika’s und die meisten Länder Südamerikas und Asiens sind hochkorrupt ! Der immer wieder publizierte Korruptionsreport gibt das nur unzureichend wieder. Die zweite „Wurzel des Übels“ sind in vielen Ländern religiöse Strukturen, die Menschen durch entsprechende Indoktrination und Gesellschaftszwang soweit umfunktionieren, dass sie den Herrschenden in die Hände spielen und ihre jeweils bereits gut gefüllten Taschen füllen. Mit dieser Methode werden Menschen sogar dazu gebracht gegen ihre eigenen Interessen zu handeln um irgeneinen „höheren“ Zweck zu dienen. Die Führere erhalten dadurch ungeheure Macht.
    Das dritte Übel sind die reichen Staaten, die mit falsch verstandenem Mitleid den Armen dieser Welt helfen wollen. Die verheerendsten Formen dieser „Hilfe“ waren und sind Hilfslieferungen von Nahrungsmittel, die nicht nur der unmittelbaren Katastrophenabwehr dienen, sondern längerfristig geleistet werden. Dadurch werden z.B. die einheimischen Bauern in’s Abseits gedrängt – sie können mit den kostenlos gelieferten Waren nicht kokurrieren und verlieren ihre schon karge Einnahmensquelle.
    Das vierte Übel sind Menschen in den reichen Staaten, die ihre Grenzen öffnen und mit Sirenenrufen die Menschen in den armen Ländern rufen, denn alle reichen Länder der Welt zusammen können nicht allen 5 Milliarden armen Menschen dieser Welt zu einem guten Leben verhelfen. Was aber z.B. durch die Merkel’s Willkommenspolitik geschieht ist, dass die gebildeteren, agileren, sowieso schon besser gestellten Menschen dieser Länder ihrer Heimat den Rücken kehren und zu uns kommen, wo sie alimentiert werden müssen, weil sie die nötigen Fähigkeiten bei uns Geld zu verdienen nicht mitbringen. In ihrer Heimat fehlen sie, was die dort verbliebenen Menschen noch schlechter stellt als vorher ! Dadurch macht man nun alle diese Menschen zu Hilfsbedürftigen, das kann nicht das Ziel sein !
    Wie kann man helfen – nachhaltig ? Das ist sicherlich keine triviale Frage und Patentlösungen gibt es nicht. Auf jeden Fall ist Korruptionsbekämpfung ein extrem wichtigen Element – da sind aber unsere Regierungen gefragt. Wenn Frau Merkel Korruption erfolgreich bekämpft, dann hilft sie wirklich und sie tut das, was sie immer proklamiert – Fluchtursachen beseitigen !!
    Bei uns Bürgern wird es schon schwieriger. Eines ist jedoch für uns Bürger der reichen Länder möglich – zu helfen, dass Kinder in den armen Ländern eine Bildung bekommen, idealerweise sogar eine Ausbildung in einem Beruf, den sie bei sich zuhause ausüben können und womit sie ihre Familien erfolgreich versorgen können. Bildung führt auch zu Kritikfähigkeit, was die Anfälligkeit der Menschen für Rattenfänger mit religiösen Argumenten reduziert. Ein Mensch, der lesen und schreiben kann, kann sich besser informieren – er muss nicht glauben was man ihm oder ihr erzählt. Bildung wird langfristig auch zur politischen Mündigkeit führen – der Voraussetzung für die Bildung von demokratischen Strukturen.
    Also – es gibt Möglichkeiten die Welt langfristig zu verbessern ! Von heute auf morgen geht das nicht. Allerdings muss man das was man tut auch darauf prüfen ob es Nachteile hat – wie z.B. das „Absaugen“ der gebildeteren, agileren Menschen, wie es Frau Merkel macht – das richtet mehr Schaden an als es hilft.

    • Danke Herr Beer
      Ich finde ihre Zusammenfassung wirklich sehr schlüssig und kann Ihnen im großen und ganzen sehr recht geben!
      Um zum effektiven Altruismus zurück zu kommen, nur weil der Kampf gegen Korruption nicht explizit hier genannt wurde heißt dies nicht dass es nicht ein Kernpunkt für einen “Effektiven Altruisten“ sein kann. Der Punkt ist diese Frage, “wie kann ICH am meisten gutes tun“ für sich selbst zu beantworten. Wie der Text deutlich macht ist es jedem selbst überlassen zu wählen was das bedeutet. Was effektiver Altruismus dazu beiträgt ist dem Fragendem aufzufordern skeptisch zu bleiben und objektiv zu sein.
      Mit ihrem Kommentar haben Sie quasi voll im Sinne des “effektiven Altruismus“ gehandelt.

      Vielen Dank

  5. Gegenargument von H. Charles
    Harry Charles hat wahrscheinlich mit seiner Gegendarstellung im Prinzip nicht recht, wenn er Donald Trump als „Zeuge“ nennt.

  6. Filmzitate sind keine Argumente!
    Sie zitieren Werke mit FIKTIVEM Inhalt und argumentieren nicht mit Fakten, sondern rein mit ihrer Meinung.

    Ich sage nur eins: Würde der effektive Altruismus der Welt nichts Gutes tun, würde er sich so ändern, dass er genau das tut. Denn genau das ist seine Definition!

    • Kommentardiskussionen führen
      viele Grüße Andreas !
      Ich habe den Eindruck, dass es nicht effektiv ist, sich auf solche Diskussionen einzulassen. Habe mich gerade noch dabei unterbrochen, auf einen Kommentar, der ein sehr anmaßendes Urteil überr EA beinhaltet zu antworten.
      meine Wahrnehmung:
      in den kommentarspalten sammeln sich zumeist leute die gerne irgendeine Meinung schreiben, meistens genau die, die irgendwas dagegen haben. Und weder die Mehrheit der Leser noch gerade die, die dann raus gehen und die welt zu verändern.
      ich empfinde manches urteil als ungerecht und anmaßend. Ich habe einen starken Impuls mich dem entgegensetzen zu wollen. Aber, wie gesagt, man sollte sich überlegen, dass man mit so einem kommentar relativ wenige leute erreicht, die ggf ohnehin mehr oder weniger unbelehrbar sind.
      Und dazu ist das kein vergleich zu einem persönlichen gespräch, in dem man unklarheiten deutlich besser addressieren kann.
      es ist schon ok, hier und da einen kommentar einzustreuen, aber man sollte sich überlegen, wie viele wie ergebnisoffene menschen man damit anspricht. (bei der wenig verständlichen partikuliarmeinung eines Trump-befürworters(?) bin ich da skeptisch)
      keine ahnung ob diese meine antwort jetzt sinnvoll war

  7. Kurz und Knapp
    Will man etwas an einem System verändern, stehen einem zwei Wege offen: als Teil des zu verändernden Systems oder von außen. Da letzteres bei sozialen Organismen stets mit zumindest ungeliebten Druck, eher aber mit einem mindest Maß an wie auch immer gearteter Gewalt einher geht, bleibt dem Menschenfreund oftmals nur der Weg Teil des Systems zu werden. Durch die Assimilation läuft das dann nicht nur mit zumindest weniger Gewalt ab, sondern zudem effektiver, sofern man es an die Spitze schafft. Knackpunkt: Korrumpieren darf man sich dabe nicht lassen (materiell wie ideologisch). Nur, das bekommen die meisten nicht hin, da Korrumption ein sehr langsamer und subliminaler Prozess sein kann („man hat sich halt weiter entwickelt“). Wenn EA hierfür eine Patentrezept (!) hat, würde ich vllt sogar das Buch kaufen?

  8. Effektive Altruisten oder bloß getarnte Karrieristen?
    Mit dem Altruismus ist es so eine Sache. Nur bei sehr oberflächlicher (unreifer!) Betrachtung tut er der Welt wirklich etwas Gutes. Hierzu ein paar Zeilen der amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand, die in ihrem Roman „The Fountainhead“ den Altruismus kritisch sieht. Sinngemäß sagt sie: „der Durchschnittsmensch sieht es als seine Hauptaufgabe, Leid zu lindern. Dadurch rückt er das Leiden in der Mittelpunkt der Betrachtung. Er muss sich also Leidende wünschen um sich als Altruist profilieren zu können. Der schöpferische Mensch hingegen ist nicht auf Leid, sondern auf Leben eingestellt. Durch seinen (durchaus egoistischen) Drang sich mittels Erfindungen, individueller Leistungen (wie der Aufbau eines Unternehmens, das nicht nur ihm den erwünschten Profit einbringt, sondern auch andere daran teilhaben lässt, weil er ihnen Arbeitsplätze gibt, da er die anfallende Arbeit ja nicht allein bewältigen kann) SELBST zu verwirklichen leistet er ohne es explizit zu wollen für die menschliche Gesellschaft mehr als alle Altruisten zusammen.“ Der Roman wurde 1949 mit Gary Cooper in der Hauptrolle verfilmt und ist sehenswert, wie die meisten seiner Filme. Nach meiner persönlichen Einschätzung, basierend auf Lebenserfahrung, liegt Ayn Rand genau richtig. Ich würde sogar provokativ sagen: es gibt gar keinen Altruismus (und wenn dann kann er nicht funktionieren). Jene, die sich nach außen so betont plakativ als Weltbessermacher darstellen sind oft in Wirklichkeit nicht mehr als Ellbogenmenschen und verkappte Egoisten der schlimmsten Sorte. Es gibt in unserer Gesellschaft viel zweifelhafte, verlogene Moral, die so vermittelt wird wie man einem Papagei Wörter beibringt. Er plappert sie nach, versteht aber ihren Sinn nicht. Die bei uns vermittelte, oft verlogene Moral, macht die Welt keineswegs besser-im Gegenteil. Und die hier geschilderten „effektiven Altruisten“ sind wohl nur besonders fanatisch. Würden sie als qualifizierte Ingenieure oder Erfinder der Welt praktische, universal einsetzbare Neuerungen bringen, so würde das wohl mehr helfen als jede noch so angeberisch im Knopfloch daher getragene altruistische Pseudomoral. Noch ein Zitat aus „The Fountainhead“: in einem Plädoyer rechtfertigt sich der Protagonist Howard Roarke (Gary Cooper), ein auf Individualismus und Großartigkeit orientierter Architekt vor Gericht, weil einer seiner Entwürfe gegen seinen Willen und ohne sein Einverständnis modifiziert wurde um billigem Massengeschmack zu entsprechen und sagt dabei unter anderem: „the world perishes in a sea of self-sacrifice“ (die Welt geht zugrunde an einem Meer von Selbstaufopferung). Alle zerstörerischen Massenideologien (vor allem zur damaligen Zeit von Stalin und kurz nach dem 2. Weltkrieg) haben sich immer als altruistisch getarnt.
    Der Altruismus funktioniert nicht. Besser ist ein aufgeklärter Egoismus, der mit offenen Karten spielt, auch wenn er sich gelegentlich angreifbar macht, der aber in Wirklichkeit die Menschheit viel weiter bringt. In diesem Sinne kann man Howard Roarke sehr wohl mit Donald Trump vergleichen, der dem auf verlogene Bescheidenheit hin orientierten Pharisäer suspekt ist, der aber in Wirklichkeit durch seine Leistungen und seine Initiativen für die Gesellschaft mehr tut als Hillary Clintons sozialistisch angehauchter Staatsdirigismus, der nur die freie initiative hemmt und erstickt. Donald Trump steht wie Howard Roarke für die Werte des amerikanischen Traums-sie sind beide schöpferische Menschen, die von Massenmenschen und Durchschnittsphilistern allerdings verkannt werden.
    Ich habe noch keinen sogenannten Altruisten erlebt, der nach einer Periode besonders zur Schau getragenen Engagements nicht irgendwann zum Karrieristen geworden ist. Im Nachhinein hat man den Eindruck, die wollten sich nur einen für alle sichtbaren Heiligenschein bauen um hinter dieser Fassade selbstzufrieden und gewissensbereinigt ihre eigene Karriere beinhart zu verfolgen. Ich finde also man kann sich jedes Plädoyer für Altruismus sparen.

    • Entschuldigung, aber das, was Sie als wünschenswerte Alternative zum Altruismus referieren, nähert sich doch gerade dem „Effektiven Altruismus“ an. Das scheint mir die Pointe desselben zu sein – dass er sich durch strategischeres Vorgehen vom „reinen“ Altruismus unterscheiden will. Es spricht auch nichts dagegen, dass die Effektiven Altruisten Ingenieure werden, im Gegenteil. Ich denke, dass man am EA einiges kritisieren kann (so ist er ja irgendwie auch eine Entlastung vom unmittelbaren „Gutestun“), aber Ihre vermeintlichen Gegenargumente, scheint mir, stützen ihn eher.

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