Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Wie prägt uns das Studienfach?

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Die Zeit bis zum Abitur erleben die meisten Schüler ähnlich, die Wahl des Studienfachs ist dann ein großer Einschnitt. Wie genau verändert es einen? Beginn einer Langzeitumfrage mit drei Studienanfängern.

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Wer sich in den ersten Semestern mit alten Schulkamerad*innen unterhält, bemerkt schnell, wie verschieden diese Leben geworden sind, die vor kurzer Zeit noch völlig parallel verliefen.

Dass es etwas anderes ist, eine Ausbildung statt eines Studiums anzufangen, liegt auf der Hand, aber auch die einzelnen Studiengänge unterscheiden sich stark von einander, und das nicht nur fachlich. Studierende verschiedener Fächer haben stark unterschiedliche Stundenpläne und Stresskurven, andere Mentalitäten, Gepflogenheiten und Probleme.

Ich habe drei junge Menschen am Anfang ihres Studiums an der Goethe-Universität getroffen, um herauszufinden, worin sich ihre Erfahrungen unterscheiden.

Ole, 20, Medizinstudent, ist gut gelaunt und entspannt, als ich ihn auf eine Limonade am Wilhelmsplatz in Offenbach treffe. Man hat nur so viel Stress, wie man sich macht, scherzt er. Tatsächlich hat er gerade eine Prüfung zufriedenstellend hinter sich gebracht und ist vermutlich so fröhlich, weil die Anspannung von ihm abgefallen ist.

Die Wochen vor der Klausur hatte er jeweils vier Stunden reguläre Veranstaltungen, dann eine Stunde Mittagspause, dann drei Stunden Nachbereiten in der Bibliothek. In den letzten zwei Wochen dann ist er bis 18 Uhr, also fünf Stunden dort geblieben. Danach ist „Feierabend“ und an den Wochenenden hätte er schon Zeit, auch mal auf einen Geburtstag zu gehen, sagt er.

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Philipp, 21, studiert Jura, kommt aber gerade aus dem Urlaub. Den nimmt man sich als Jurastudent*in am Besten am Anfang des Semesters, wie er mir erklärt. Da in den Seminaren und Vorlesungen keine Anwesenheitspflicht besteht, geht das besser als am Semesterende, wenn erst Klausuren und dann Hausarbeiten anstehen.

Generell scheint die Stresskurve gegen Ende hin stark anzusteigen. Philipp drückt es so aus: Eigentlich läuft das ganze (wenig reformierte) Jurastudium auf das Staatsexamen zu, dessen Note dann für die weitere Laufbahn entscheidend ist. „Die Prüfungsleistungen davor sind egal“, sagt er. Wer Prüfungsangst hat, habe es schwer in diesem System.

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Yakup, 21, Student der Soziologie und Germanistik, gibt hingegen an, dass er mit dem vorgesehenen Pensum an Veranstaltungen noch genug Zeit hat, sich in seiner Gemeinde zu engagieren, einen Job mit festen Arbeitszeiten zu haben und Leute zu treffen. Er ist der Einzige, der nicht erst abends für mich Zeit hat. Natürlich wären Hausarbeiten und Klausuren ein Stressfaktor, aber die Wahlfreiheit stelle einen großen Vorteil dar. „Du kannst dir Veranstaltungen aussuchen, die dir gefallen.“ Zudem sei es möglich, sich gute Bedingungen für Prüfungen und Scheine zusammenzustellen.

Im Vergleich damit haben das Pflichtfachstudium (Jura) und die Vorklinik (Medizin) einen viel stärker vorgezeichneten Studienverlauf.

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Klima – Umgang untereinander

Auch, als ich nach dem Klima und dem Umgang mit den anderen Studierenden frage, höre ich von den dreien Verschiedenes. Zunächst klingen Philipps und Oles Beschreibungen von „sehr ehrgeizigen“ Studierenden, von denen viele regelrecht „unter Strom“ stünden, sehr ähnlich. Jura und Medizin eint, dass es sich um Studiengänge handelt, in denen viele ehemalige Klassenbeste plötzlich aufeinandertreffen. Interessant ist allerdings, dass mit dem Druck (ob nun von innen oder außen) scheinbar auf völlig verschiedene Arten umgegangen wird:

Ole erzählt von einem Seminar, zu dem für jede Stunde Referatsthemen verteilt worden seien, die von allen für jede Stunde vorbereitet werden mussten. Da hätte man sich dann in Gruppen aufgeteilt und die eigene Präsentationen herumgeschickt. Der gemeinsame Feind, die hohen Anforderungen, würden die Studierenden zusammenschweißen und zur gegenseitigen Hilfe animieren.

Für das Jurastudium hingegen beschreibt Philipp das Konkurrenzdenken als „enorm“. Es geschehe äußerst selten, dass Hausarbeiten zum Korrekturlesen herumgereicht würden, aus Angst vor Plagiaten. Das Klischee, dass jemand wichtige Seiten aus dem Kommentar (zum Gesetzestext) mit einer Rasierklinge heraustrennt, hat er selbst schon erlebt, genau wie absichtlich falsche Hilfestellungen. Er sagt, in diesem Klima sei man dann auch selbst ein wenig gehemmt, anderen zu helfen.

Mit Yakup brauche ich über Konkurrenz gar nicht zu reden. Man studiere Germanistik schließlich aus Leidenschaft. „Jedenfalls sicher nicht wegen des Geldes.“, sagt Yakup und lacht. Und auch in der Soziologie seien ihm die Mitstudierenden sogar eher „zu links“.

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Politische Tendenz

Das ist ein weiteres Phänomen, dessen Ausprägungen meine Gesprächspartner ziemlich genau benennen können.

Yakup beschreibt die Soziologie als (gerade in Frankfurt) sehr links und kritisch geprägtes Studienfach. Viele würden sich vegan oder vegetarisch ernähren.

Philipp sagt, dass man im Jurastudium mit konservativen Ansichten „sicher nicht aneckt“. Eine wirklich linke Rechtswissenschaft gebe es nicht, höchstens eine linksliberale. Tendenziell sei das juristische Ideal auch ein Annäherung an ein ideologiefreies Urteil. Auf meine Frage, ob das die Jurist*innen unpolitisch werden ließe, antwortet er, dass es zumindest kein Problem sei, Jurist zu sein und unpolitisch.

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Hat euer Studium euer Denken verändert?

Das war eine der letzten Fragen, die ich den Dreien gestellt habe – und auch, ob sie inzwischen anders über die Welt und die Menschen nachdächten oder über neue Themen.

Alle beschrieben dabei in unterschiedlichen Worten etwas, das Ole den „Technik-Blick“ nennt. Der eine sieht jetzt hinter dem Gemüse an der Supermarktkasse den Kaufvertrag, der dort stillschweigend geschlossen wird, der andere das feine Zusammenspiel der Knochen, Muskeln und Nerven unter der Haut. Yakup erzählt, dass er überall gesellschaftliche Zusammenhänge sieht und er jetzt stärker differenziert, statt in Stereotypen zu denken. Er bejaht, dass sich seine Perspektive durch sein Studium verändert hat, die anderen beiden sind sich nicht so sicher.

Ole und Philipp beschreiben beide, dass viele der Inhalte in ihrem Studium nur gelernt werden, weil sie prüfungsrelevant sind, Yakup sagt, er habe pro Semester vielleicht eine Veranstaltung, die ihn nicht sonderlich interessiert.

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In den Gesprächen haben sich einige fast klischeehaft anmutende Vorstellungen, die man von manchen Studiengängen hat, in gewisser Hinsicht bestätigt. Natürlich sind die Studierenden keines Studiengangs eine homogene Masse und jedes Studium stellt in gewisser Hinsicht eine individuelle Erfahrung dar, zugleich ist aber klar: Schon in den ersten Semestern zeichnen sich nennbare Unterschiede in den Studienkulturen ab.

Diese werden sicherlich zu einem großen Teil von den Menschen geformt, die sich für Jura, für Medizin, für Germanistik oder Soziologie entscheiden. Umgekehrt formen diese Mikrokosmen aber auch ihre Studierenden, die in ihnen leben wie in Kleinstaaten mit jeweils eigener Kultur und eigenen Gesetzen.

Wir werden die drei in einem Jahr erneut befragen.

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13 Lesermeinungen

  1. Konkurrenz oder esprit de corps ?
    Unter Chemikern gibt es im Studium keine Konkurrenz. Man kennt sich im Labor, und wir hatten alle einen Korpsgeist im guten Sinn. Konkurrenz erst später in der Dissertationsphase, wegen Stellen als wiss. Hilfskraft. Das Studium ist alles andere als trocken, gebechert wird allerdings nach Laborschluss. Später, in der Großindustrie, bildet sich dann die berühmte Ellenbogenmentalität heraus. Aber man muss nicht hierarchisch aufsteigen, um gut zu verdienen und Spaß an der Arbeit zu haben, wenn man sich damit abgefunden hat, nicht unbedingt Direktor zu werden.

  2. Ausbildung vs. Studium?
    Ich begreife den Satz nicht, in dem so hart zwischen Ausbildung und Studium differenziert wird. Natürlich sind das allein durch Anforderung und Selbstorganisation zwei unterschiedliche paar Schuhe, aber auch die verschiedenen Ausbildungsberufe prägen die Auszubildenden. Generell geht es ja eigentlich nicht um Studienkulturen, sondern darum, dass jeder erlernte Beruf den Menschen verändert. Als Grafiker sehe ich nun auch Strategien und Taktiken hinter den Werbeplakaten, analysiere automatisch Speisekarten in Restaurants oder Müsliverpackungen im Supermarkt. Unsere Berufsrichtung ist politisch eher links angesiedelt, aber selbst das kann nicht verallgemeinert werden und muss differenziert betrachtet werden. In meiner Gruppe waren mindestens drei, die überzeugt von der AfD gesprochen haben.
    Ich denke, die Menschen sind wie sie sind. Sie kriegen Marotten und Eigenarten durch Studium oder Ausbildung, die nicht immer förderlich sein mögen, gerade durch den Umgang mit Mitmenschen – aber jeder muss doch genug Selbstreflexion besitzen, um kein typisches Klischee zu erfüllen, sondern eine individuelle Persönlichkeit zu werden? Unter den Grafikerkollegen gehen die Charaktere völlig auseinander – ich sehe keine Gemeinsamkeit neben der Wahl des Berufes. Kritisch wird es, wenn aus der Uni ein Einheitsbrei an Menschen herauskommt, mit völlig gleichen Denkmustern, ähnlicher Persönlichkeit und konformem Verhalten. Dabei sollte gerade in der Uni selbstständiges Denken und differenziertes Herangehen an Problemstellungen (seien es die des Alltags oder der Politik) vermittelt werden.

  3. schwierige Befragung?
    Warum wurden keine Studenten von wirklich anspruchsvollen Studiengängen wie E-Tech oder Informatik befragt? Wahrscheinlich hat man keine gefunden die 10 Minuten Zeit für die Fragen hatten :)

  4. Studium und Abitur NC
    Ich habe mein BWL Studium schon vor einer Weile abgeschlossen, da gabs noch keinen NC für BWL. Daher waren zunächst alle möglichen Strömungen und Meinungen vertreten. Gegen Ende des Studiums formte die Erwartungshaltung im Beruf menschlich verständlich gut 95 % der Studenten zu einer typischen BWL er Masse.
    Heute nimmt der NC diese Aufgabe vorweg. NC von 1,4 und besser bedeutet für die Masse der meist weiblichen, erfolgreichen Schüler eben “ weiter so “ in anspruchsvollen Fächern. Die Chilli – Millis machen dann eben was Netteres – nach einem Jahr work & travel in Neuseeland. Sie hören ja täglich in den Nachrichten vom „Fachkräftemangel“ – also wird das mit dem Job später schon kein Problem werden.

  5. Grob zusammengefasst:
    Hohe Anforderung+ehrgeizige Studenten (Medizin)=schweißt zusammen, durchschnittliche Anforderung+ehrgeizige Studenten (Jura)=Konkurrenz, durchschnittliche Anforderung+ehrgeizlose Studenten (Geisteswissenschaften)=keine Konkurrenz+man findet sich zu Cliquen zusammen, die dieselbe Weltsicht teilen-Aber warum sind die dann so aggressiv? Weil sie wissen, dass sie keine Karriere machen werden?

    • Korrektur
      Durch viele Jura-Studenten weiß ich, dass in Rechtswissenschaft die Anforderungen ebenfalls sehr hoch sind. Vor allem das Ziel des Prädikatsexamen.

      Ps. Bin kein Jura-Student, d.h. das ist keine Antwort, da ich mich angegriffen fühlen oder so.

    • Menschlich bleiben
      Ganz „ehrlich gesagt“, stellen beide Fächer besonders hohe Anforderungen an den/die Student/in. Ich als Jurastudent mit Medizinerfreundin habe diese Grundsatzdiskussion schon ein dutzend mal führen müssen und Tatsache ist, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sollte. Bei beiden Fächern ist der Stoffumfang unüberschaubar, aber jedes Fach fordert vom Studenten eine andere Herangehensweise/Denkansatz.

    • Aggressiv?
      @“ehrlich gesagt Soziologie“
      Ich studiere eine Geistes- und eine Sozialwissenschaft und kann nicht sehen, dass es bei uns viele „aggressive“ Studenten und Studentinnen gibt. Im Gegenteil. Bei uns herrscht ein sehr freundlicher, respektvoller Umgangston, auch mit den Dozenten gibt es wenig Probleme – bei anderen Fächern habe ich da ganz anderes gehört.

      Dass wir ehrgeizlos seien – das kann man so auch nicht sagen.
      Nein, wir prügeln uns keinen für uns nicht interessanten Stoff rein, damit wir mal die Praxis oder die Kanzlei von Papa oder Mama übernehmen können.
      Wir reißen auch keine Seiten aus Büchern – wir haben Achtung vor Büchern. Und es gibt durchaus Studenten, die die einfacheren Seminare wählen und sich möglichst einfache Themen aussuchen. Aber das sind nicht alle.
      Ich habe mich mit Ulysses beschäftigt, Medientheorie, Fiktionstheorie, Semiotik, Mediennutzungsforschung, habe Wahlkämpfer in Parteien zu ihrem Wahlkampf interviewt, und und und. (Fast) alles freiwillig.
      Bei uns kann man eben sein Studium ein bisschen freier gestalten und sich in die Richtung entwickeln, die einem liegt. Ich finde das sehr positiv und finde auch, dass es mich sehr weitergebracht hat.
      Die Anforderungen sind nicht hoch, in dem Sinne, dass man nicht viel auswendig lernen muss. Aber für eine gute Hausarbeit muss man auch was tun und lernt zu denken, zu schreiben, zu analysieren, zu reflektieren. Alles Dinge, die man z.B. bei BWLern kaum finden wird.
      Und ja, es gibt auch Stellen für Geisteswissenschaftler, wir spüren auch die Konkurrenz, z.B. bei Volontariaten u.Ä., aber man kann schon unterkommen.

  6. Titel eingeben
    Sonderbar, dass Sie nicht eine einzige Studentin gefunden haben, die Sie auch hätten befragen können.

    • Sonderbar, wirklich sonderbar.
      Hm… Sonderbar, dass das doch völlig irrelevant ist, wer gefragt wird. Wer heute noch über fehlende Gleichberechtigung jammert (was ich spätestens bzgl. eines solchen Beitrags für lächerlich halte), sollte sich die Hörsäle einmal anschauen: Der Frauenanteil liegt in manchen Studiengängen inzwischen sogar bei über 50%.

    • Nicht sonderbar.
      Nur ein bisschen schade fand ich es, dass keine der Studentinnnen*, die für ein Interview angefragt wurden, Zeit hatte.

  7. Völlig richtig
    Ich kann viele Aussagen in dem Beitrag nur bestätigen: als Germanist liegt der Fokus sehr viel mehr auf den persönlichen Präferenzen, während Juristen und Mediziner nach meiner Erfahrung stärker geleitet werden. Das hat sicher auch Auswirkungen auf die Entwicklung der Persönlichkeit (Autonomie vs. Zielgerichtetheit). Allerdings hat sich mit Bologna auch in der Geisteswissenschaft eine gewisse Uniformität eingeschliffen, wenn etwa Pflichtmodule auf dem Plan stehen.
    Ich würde aber den Konkurrenzdruck auch in der Germanistik nicht unterschätzen; als „Spartenwissenschaftler“ will niemand abgestempelt werden, deshalb besitzt die Regelstudienzeit für einige allerhöchste Priorität. Da können Kommilitonen, die eine andere Einstellung an den Tag legen, schon den eigenen Zielen im Weg stehen.
    Was die Veränderung der Weitsicht betrifft, kann ich sagen, dass etwa der Begriff „Germanistik“ fast schon obsolet erscheint, da alle Literaturen miteinander in einer produktiven Beziehung zueinander stehen. Das gilt auch für Entwicklungen in gesellschaftlicher, medizinischer oder juristischer Hinsicht. Nicht erst durch die Schaffung der EU haben sich disziplinäre Grenzen verschoben. Man denke an den Einfluss der französischen Literatur auf ganz Europa im Mittelalter und darüber hinaus. Oder an die Institution Nobelpreis. Oder, oder, oder.
    Das Studium hat sicher großen Anteil an der Entwicklung des Individuums, aber es gehört auch eine gewisse Vorprägung dazu, was die Wahl des Studienfachs betrifft.

  8. Also entweder das Studium prägt, oder die Leute sind schon immer so ähnlich
    Beim Maschinenbau an der RWTH Aachen hat man eigentlich keine Pflichtveranstaltung, weshalb man sich außerhalb der Klausurphase weitestgehend Freiheit hat. In der Klausurphase hat man dafür so 80 Stundenwochen über 2 Monate hinweg

    Das Klima untereinander krankt daran, dass es 1. jedes Jahr so 1500 neue Maschinenbauer anfangen und 2. der Frauenanteil bei so 10% liegt, was ausreicht um jede Party zu ruinieren, weshalb im Allgemeinen alle nicht so begeistert sind andere Maschis zu treffen. Gleichzeitig hat der Maschinenbauer an sich eine gewisse Tendenz zum Nerd und dazu relativ wenig auf Arbeit und recht viel auf Talent zu setzen (die meisten schaffen es entweder, sie hören auf oder sie ändern das Verhältnis). Beides wird am hohen Mathematik- und Physikanteil im Studium liegen, wodurch die Leute angezogen werden, die in ihrer gesamten Schulzeit aufaddiert 2 Stunden für Mathearbeiten gelernt haben und trotzdem immer eine Zwei als Ausrutscher galt. Schließlich neigt der Maschi zu Arroganz wegen seines Studienfachs, da ihm erstens von Außen immer gesagt wird, was er da schweres studiert, und er zweitens immer hört: „RWTH, die hat doch einen guten Ruf…“. Allerdings neigt man untereinander zu einer gewissen Solidarität, was vielleicht mit dem Punkt Nerd zusammenhängen könnte (es macht keinen Spaß die Aufgaben innerhalb von einer Stunde alle gelöst zu haben, wenn man es dann niemanden zeigen kann). Außerdem hat man meist nicht viel davon, wenn die anderen schlechter abschneiden.

    Im Maschinenbau ist man meist politisch neutral (oder zumindest gemäßigt), wenn man links ist, dann meistens ein IG-Metall-links und kein alle-enteignen-links, macht einfach keinen Spaß, wenn man später mit hoher Wahrscheinlichkeit Höchststeuersatz zahlen wird. Aus ähnlichen Gründen ist auch der Anteil an Marktliberalen und gemäßigt Konservativen recht hoch. Da ein nicht unbedeutender Teil autobegeistert ist der Anteil an Grünen eher gering.

    Das Denken wird extrem geprägt, da man zumindest nach einigen Semestern relativ viel von Technik und auch von Herstellungsverfahren versteht, weshalb man beispielsweise überlegt, wie man dieses oder jenes Teil Spritzgießen würde oder ähnliches. Und man versteht beispielsweise einen Großteil des Hypes um 3D-Druck nicht mehr, weil man beim Meisten, was da an Massenprodukten hergestellt werden soll, drei Verfahren kennt, die billiger und besser wären. Man regt sich auch nicht mehr wirklich über Produkte auf, die nach einiger Zeit kaputt gehen, weil man weiß, wie man die ausgelegt hat.

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