Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

15. Okt. 2017
von Julia Bähr
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Es ist nicht vorbei

Liebe Leserin, lieber Leser,

üblicherweise sagen wir um diese Zeit an diesem Ort: Die Messe ist zu Ende, das war’s für dieses Jahr. 2017 können wir das nicht sagen. Die Messe ist zu Ende, aber es sind dort Dinge vorgefallen, über die wir noch lange diskutieren werden.  Was mit friedlichen Protesten vor den Ständen der rechten Verlage begann, endete mit Prügeln, Verwüstungen, Beschimpfungen und einem halbgaren Statement der Buchmesse. Zumindest eines ist jetzt geklärt: Die Buchmesse ist kein Kurator, der gezielt Veranstalter ausschließt, sondern ein Organisator, der allen Platz gibt. Dass man allerdings auch als Organisator Risiken im Vorfeld einschränken könnte, indem man etwa die linken und rechten kleinen Verlage nicht in der gleichen Ecke plaziert, wäre eine Erwägung wert – selbst wenn die Aussteller selbst das durchaus spannend fanden, weil sie die Debatte schätzen.

Aber warum wurde die Debatte ausgerechnet in diesem Jahr zur gewalttätigen Konfrontation? Diese Verlage sitzen seit Jahr und Tag nicht durch Panzerglas getrennt. Hängt die Eskalation vielleicht mit dem Wahlergebnis der AfD zusammen: Haben die einen das Gefühl, sie müssten jetzt noch mehr gegen rechtes Gedankengut unternehmen, während die anderen denken, sie sind nun legitimiert, darauf mit Gewalt zu reagieren? Weiterlesen →

15. Okt. 2017
von Julia Bähr
4 Lesermeinungen

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15. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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Harald Glööckler – ein Streiter Christi

© Felix-Emeric TotaMacht jetzt auch in Bibeln: Harald Glööckler

Die Aufregung am Buchmessenstand der „Deutschen Bibelgesellschaft“ ist groß. Denn gleich kommt Harald Glööckler, auf seinem bunten Kreuzzug der Extravaganz. Seine Anhänger sind bereits zahlreich anwesend und bis an die Zähne bewaffnet mit Autogrammkarten – deshalb wird er von seinen Bodyguards abgeschirmt. Noch! Denn nach der Veranstaltung wird er sich Zeit für sie und ihre Karten nehmen und sich auf  ein Menschenbad einlassen. Die Rettungsringe trägt er an seinen Fingern. Groß und funkelnd sind sie, wie auch die Augen der Glööckler-Pilger bei seinem Anblick. Doch weswegen sind sie eigentlich alle hier versammelt? Aus dem selben Grund wie er auch: um sein neustes Produkt zu preisen.

Von Mode, Schmuck und Beauty-Artikeln über Bettwäsche bis hin zur Tapete: für jede Lebenslage hat Harald Glööckler etwas in seinem Sortiment. Um dieses Konzept von der Ding-Ebene auf die Geistige zu heben, stockt er seine Produktpalette nun um ein weiteres Manufakt auf: Eine Bibel. Ja, genau. Ich wiederhole: Harald Glööckler, der Mann mit dem Filzstiftbart, hat seine eigene Bibel designt. Amen.

 

Und diese stellt er auf der Bühne der „Deutschen Bibelgesellschaft“ im Gespräch vor. Der Stand ist mit kleinen Kaffeetischen versehen, auf denen diese großartigen Arztbonbons liegen (von denen im Übrigen niemand den offiziellen Namen kennt, auch nicht die Zuckerbäcker, die sie herstellen!). Dazu werden Kaffee und Glööckler-Postkarten gereicht.  Am Nebentisch sitzt eine Gruppe Frauen mittleren Alters, die zwar für Glööckler angereist ist, so jedoch auch am heimischen Wohnzimmertisch sitzen könnte. Die Damen lachen viel und unterhalten sich über die großen Themen der Welt – Geld, Liebe, Freundschaft, die eigenen Krankheiten – und empfehlen sich gegenseitig ihre Ärzte in Mikrorezensionen: „Dr. Graf ist ein brillanter Diagnostiker, doch man muss immer so lange bei ihm warten. In der Zeit wird man fast schon von allein wieder gesund.“ Das alles, Arztbonbons und Kaffeeklatsch, sorgt für eine wirklich familiäre Grundstimmung vor der Veranstaltung. Und dann wird es voll. Der Glööckler kommt, der Glööckler spricht.

Convenience-Gabentisch der Spitzenklasse: (v.l.) Glööckler, Arztbonbons und Medizinerrezensionen

Bei der schrillen Sonderedition handelt es sich um eine Lutherbibel, die von der „Deutschen Bibelgesellschaft“ bei Glööckler in Auftrag geben wurde. „Man muss provozieren, sonst entsteht kein Gespräch“, sagt er auf der Bühne. Das scheint wohl auch die Intention der Auftraggeber gewesen zu sein. Und so kam denn ein weiterer Merchandise-Artikel in die Welt. Das jetzige Cover des Schmuckschubers ist um das Thema Paradies und um Harald Glööcklers Gesicht herum gestaltet. Schriftzuglos steht er auf einem Schachbrettboden, umrankt von paradiesischer Botanik und neben seinem Hund, Billy King. Und das alles in einem wundervollen Wackel- bzw. Linsenrasterbild-Finish. Nur auf dem Buchrücken lässt sich erkennen, dass es sich um eine Bibel handelt. Einen der ersten Entwürfe für die Edition hat Glööckler thematisch um „Perlen vor die Säue“ angelegt, doch dann war ihm das Paradies nach eigener Aussage wichtiger. Die Bibel sollte man nach Glööcklers Meinung zur Lektüre nutzen und als Ratgeber im Alltag. Er selbst ist protestantisch getauft und hat sie gelesen. Sowie aber auch den Koran und diverse buddhistische Schriften.

Zudem erklärte Glööckler, habe er in einem Gottesdienst als Kind den Innenraum einer Kirche betrachtet und sich gedacht, „die könnte aber auch ein paar Kronleuchter vertragen“. Als er nach diesem Gottesdienst darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Luther das Pompöse aus den Kirchen entfernt habe, schien ihm Luthers Entrümpelung suspekt. Das glaubt man dem Mann mit den dicken Ringen an den Fingern sofort. Es muss halt was Besonderes sein. Das Business zwischen frommem Leben und Coffeetablebook ist hart umkämpft.

15. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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14. Okt. 2017
von Andrea Diener

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Von Aha bis Uff: Wie man eine Geschichte erzählt

© dpaWas macht den Helden zum Helden? Martin Freeman als Hobbit.

Die Buchmesse ist – vielleicht mehr als andere Messen, auf denen sich alle irgendwie auf den Verkauf von Sanitärzubehör oder Weihnachtsdekoration einigen können – eine Messe der Paralleluniversen. Was auch daran liegt, dass Bücher mit ihrem Nimbus als Kulturgut diversen Diskursen ausgesetzt sind, was vielleicht weniger an den Büchern liegt als an den Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen. Gräben werden gezogen, Distinktionsdünkel vorgeworfen, Posen und Positionen eingenommen, die nur wenig mit dem zu tun haben, was man mit einem Buch gemeinhin tut, nämlich lesen. Oder mit dem, was getan werden muss, damit ein Buch entsteht, nämlich schreiben.

In Halle 3.0 traf sich an diesem Samstag erstens alles, was Flügelchen oder Elfenöhrchen hatte und zweitens die Selfpublisher. Und während das Schreiben in dem Universum, das den Diskurs über Gegenwartsliteratur bestimmt (Sie dürfen das jetzt gerne als Feuilleton bezeichnen, doch, doch), ein immer noch sehr hermetischer Prozess ist, der sich gut verborgen in dunklen Dichterköpfen abspielt, so spricht man am Book-on-Demand-Stand darüber wie über eine mathematische Gleichung mit einer Unbekannten: Manchmal bisschen knifflig, aber meistens doch lösbar.

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14. Okt. 2017
von Andrea Diener

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14. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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Der humanoide Lügendetektor will wissen: In welcher Hand ist das Bonbon?

© Picture AllianceGleich werde ich dieses Bonbon verschwinden lassen. Sie werden sich wundern.

„Kein Gehirn ist vor ihm sicher“, heißt es herausfordernd in dem Showreel, das vor Tobias Heinemanns Auftritt auf der Buchmesse gezeigt wird. In dem Zusammenschnitt  seiner Fernseh-Auftritte wird ebenfalls erwähnt, dass er manchmal einen Sinn ausschaltet, um die übrigen zu schärfen. Und der ganze Rest, der so gesagt wird, wenn es um Magier, Illusionisten, Hypnotiseure oder Mentalisten geht, bleibt natürlich auch nicht unausgesprochen. Eine Stimmungsmache wie bei einer Show von David Copperfield oder zumindest Hans Klok – aber genau dafür ist das Publikum ja auch gekommen. Zahlreich und bereit, sehr, sehr clever zu sein, wenn Tobias Heinemann versucht sie – in guter alter Showmanship – zu verführen.

© Felix-Emeric Tota„Kommen Sie doch mal auf die Bühne.“

Doch Gott sei Dank kommt nach dem ganzen Bohei keine wild gesprayte Frisur und keine Las-Vegas-Jacke auf die Bühne, sondern ein Mann, der ein Buch geschrieben hat. „Entfessle dein Potenzial: Stärke deine Intuition für mehr Erfolg und Lebensqualität“, heißt es und gibt Tipps, wie man seine Mitmenschen manipuliert. Und Tobias Heinemann zeigt selbst, wie gut er mit Menschen umgehen, soll heißen: sie charmant hintergehen kann. Er macht den Test und bittet alle Anwesenden aufzustehen, und ihm nachzumachen, was er gerade erklärt: „Die Arme ausstrecken und den rechten Zeigefinger mit dem Daumen bitte zum festen Kreis machen und zum Kinn führen.“ Während er „Kinn“ sagt, zieht er seine Hand zur Schläfe und ein Großteil der Anwesenden macht es ihm nach. Daraufhin erklärt er, wie einfach es ist, durch nonverbale Signale Leute zu manipulieren – das Publikum klatscht, als hätte er der Schwerkraft getrotzt.

© Felix-Emeric TotaDer Mentalist zeigt seine Kunst: „In welcher Hand ist das Bonbon?“

Die Show geht weiter, das nächste Experiment wird süß. Er gibt einer Dame auf der Bühne ein Bonbon in die Hand und bittet sie, es in einer Hand zu verstecken. (Spoiler Alert!) Natürlich findet Heinemann bei allen drei Versuchen heraus, in welcher Hand sie es hielt. Um irgendwann die Schwierigkeit bei seinen Vorführungen zu steigern, schaltet er für die nächsten Nummern einen Sinn aus. Den Seh-Sinn. Es wurde ja schon so im Showreel angekündigt.

Dafür klebt er sich zwei Schweizer Franken mit Gaffer-Tape auf die Augen und knotet sich auch noch eine Augenbinde um den Kopf. Trotzdem findet Heinemann heraus, was der Herr auf der Bühne aus seiner Hosentasche gezogen hat (eine Gehörschutz-Schachtel) und mit welchem Gegenstand aus dem Publikum eine weitere Dame zurück auf die Bühne steigt: eine bunte Katzenmaske aus Plastik. Das Publikum klatscht wieder Applaus, als hätte Tobias Heinemann erneut der Schwerkraft getrotzt und diesmal auch noch unter Lasershow einen weißen Tiger aus dem Hut gezogen.

Ja, so was möchte man sehen, und ja, irgendwann fängt man an, das Publikum zu beobachten. Wie es vom Ehrgeiz gepackt wird, genau aufzupassen, nicht ertappt zu werden und sehr, sehr clever zu sein – um am Ende doch immer wieder scheitern. Und irgendwann stellt sich die Frage: Warum sind Menschen eigentlich so fasziniert davon, sehenden Auges ausgetrickst zu werden?

14. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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14. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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Auf der Party-Treppe: Hotlist 2017

Bei der Hotlist-Party geht es prinzipiell um zwei Dinge: 1. Die Verleihung des Hotlist-Preises (Brigitta Falkner: „Strategien der Wirtsfindung“, Matthes und Seitz) und des Melusine-Huss-Preises (Lutz Täufers: „Über Grenzen“, Assoziation A). Und 2., dem gemütlichen Teil des Abends: Rauchen um die Wette mit sich selbst auf der Treppe des Literaturhauses Frankfurt. Dabei war es mal wieder ein Abend wie bei der Mini Playback Show: Alle waren Sieger.

Partyerfassung: Felix-Emeric Tota

14. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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14. Okt. 2017
von Andrea Diener

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Auf der Partymeile: Kuschelrock bei Titanic

Dealt with it, Mainstreamverlage: Lebenszugewandter als bei Titanic genießt man nirgends die Messenacht. Deshalb strömt es bis Redaktionsschluß immer noch fleißig in den Kanuclub und die Erfassung muss als vorläufig bezeichnet werden. Wer weiß, vielleicht kommt der Macron doch noch.

Partyerfassung: Andrea Diener

14. Okt. 2017
von Andrea Diener

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13. Okt. 2017
von Julia Bähr
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Der Untergang des Abendlandes ist verschoben

Weil doch immer alle fragen, wo sie sind, die jungen Leute, und wofür sie sich begeistern: Hier sind sie. Sitzen auf Papphockern herum oder drängen sich dahinter und warten auf die Verleihung des ersten deutschen Buchblog Awards, als hätte es nie eine Diskussion darüber gegeben, ob die jungen Leute heutzutage nur noch in Smartphones gucken statt in Bücher. Denn hier könnten die Bedenkenträger erleben, wie sehr Buch und Handys einander befruchten: Mehrere Hände gehen in die Luft und streamen via Facebook live die Verleihung eines Preises, für den unter anderem Vlogs nominiert sind, die mit Handys aufgenommen und ins Internet gestellt wurden. Because it’s 2017.

Damit ist der Untergang des Abendlandes wohl mal wieder verschoben; wir hätten ja eh alle nichts anzuziehen gehabt. Also können wir unsere Zeit jetzt auf andere fruchtlose Diskussionen verwenden: Heißt es der oder das Blog? „Diese Frage hört nie auf, brennend zu sein“, findet die moderierende Kleinverlegerin Christiane Frohmann, was ein paar Anfangszwanziger im Publikum mit „Hä?!“ kommentieren. Da scheint also nicht allzu viel zu brennen, und auch die anschließend heraufbeschworene Kluft zwischen der Literaturkritik im Feuilleton (bildungsbürgerlich) und Buchblogs (keine Angst vor Genre-Romanen) wird kurz darauf an Ort und Stelle beigelegt: Weil Buchhändlerin Sarah Reul, die unter dem Namen Pinkfisch bloggt, erfrischenderweise um Handzeichen bittet, ob das Thema durch ist, und das Votum einhellig ausfällt.

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13. Okt. 2017
von Julia Bähr
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13. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Ein schöner Verriss ist auch ein Geschenk

© ORF/Puch JohannesWarum tun die sich das an? Jackie Thomae bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

Es könnte mit dem Autorendasein so schön sein, gäbe es diese lästigen Kritiker (ja, auch uns) nicht. Die in der Zeitung gehen ja noch (uff), die bei Amazon kann man zur Not auch ignorieren, wenn einer dem Buch zwei Sterne gibt, weil die Post mal wieder den Umschlag geknickt hat. Schwieriger ist es, wenn man gleich einem ganzen Rudel von ihnen leibhaftig gegenübertritt, wie es beim Bachmann-Wettbewerb der Fall ist, der Topmodelshow des Bildungsbürgertums, so Moderatorin und Verlegerin Christiane Frohmann. Was richtet das, was richtet Kritik allgemein im Inneren des Autors an? Eine Diskussion auf der Orbanism-Bühne wollte dieser Frage nachgehen. Es war dann aber vor allem Thomae, die zu einer Antwort beitragen konnte.

Das liegt vor allem daran, dass sie im Sommer nicht davor zurückgeschreckt ist, in Klagenfurt vor einem Kritikerpodium zu lesen. Einer der Juroren, so berichtet sie, ist immer der Dieter Bohlen, und einige ergehen sich immer in Thomas-Bernhard-Vergleichen, anstatt mal wirklich genau zu berichten, was einen Text und dessen Sprache wirklich ausmacht. Zu lang, zu staubig, zu österreichisch findet Kritiker Stefan Mesch die Angelegenheit und Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski würde gerne mal einen belesenen Fliesenleger oder eine Lehrerin in die Jury einladen, an denen der Bullshit abprallt. Jüngeren Autoren raten viele Verleger und Agenten ohnehin von der Teilnahme ab, berichtet Thomae, sie hingegen habe sich reif genug gefühlt und geistig gewappnet, indem sie mit dem Schlimmsten rechnete. Und dann guckt man besser nicht auf Twitter: Schöne Stimme, schön gelesen, lauteten da die Urteile zu ihrem Vortrag. Sicher ein Kompliment, aber das will man als Autor ja auch nicht hören.

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13. Okt. 2017
von Andrea Diener
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13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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Der Bücher-DJ soll mal lauter drehen! Ich will lesen!

Wenn man so in die Welt hineinhört, dann könnte man meinen, der DJ hat in der Musik die Band abgelöst. Doch gibt es eigentlich eine vergleichbare Veränderung in der Literatur? Auf der Frankfurter Buchmesse wird jedenfalls ein Bücher-DJ vorgestellt – mit Mischpult, Touch-Funktion und eigenem Hashtag. Zeit für einen Besuch beim „mvb“, dem Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels!

Getanzt wird am Stand des mvb nicht. Klar, der normale Buchmessen-Besucher bekommt seine Schwungmasse oft nicht in Gang, aber um das Tanzen geht es hier auch gar nicht. Auch nicht um Lieder, die in Büchern vorkommen. Dem mvb ging es vielmehr darum, zu zeigen, was man mit Metadaten für die Literatur, die Literaturvermittlung und den Buchhandel machen kann. Und dafür haben sie – richtig – einen Tisch bauen lassen, der aussieht wie aus einer Raumstation in einem Star Trek Film. An ihn können sich nun Unentschlossene stellen, die zwar ein Buch lesen wollen, aber nicht wissen, was für eines. Sie müssen dafür nur an den Reglern „Genre“, „Region“ und „Farbe“ drehen – und schon spuckt die Nutzeroberfläche Bücher aus, die mit den Nutzerpräferenzen übereinstimmen.

13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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Politischer Büchervandalismus: Ein Fall für die Polizei

© dpaVorgestern wurde noch friedlich vor den Ständen rechter Verlage demonstriert.

In der Buchmessennacht von Donnerstag auf Freitag wurde der Stand vom „Manuskriptum Verlag“ und von „Tumult“ , einem Magazin, das sich als „Vierteljahresschrift für Konsensstörung“ bezeichnet, beschädigt und leergeräumt. Verlag und Zeitschrift werden kontroverse, rechte Inhalte zugeschrieben. Am Morgen fanden die Betreiber die Regale des Standes leer vor. Alle Bücher wurden entwendet. Zudem wurde ein Prospekt für ein Buch von Rolf Peter Sieferle mit obszönen Zeichen beschmiert und auf dem Fußboden wurde Unrat vorgefunden. „Tumult“ sagte, die Kriminalpolizei sei bereits am Morgen vor Ort gewesen und hätte eine Anzeige aufgenommen. „Manuskriptum Verlag“ sagte: „Wir machen einfach weiter.“

13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Die größte Gefahr geht immer noch von Rechten aus

© dpaDemo gegen Judenhass in Berlin

Gibt es Antisemitismus in Deutschland? Viele Menschen zweifeln daran, dass diese Debatte noch zeitgemäß ist. Auch die Teilnehmer der Gesprächsrunde „Fragiler Konsens. Judenfeindschaft heute“ auf der Frankfurter Buchmesse räumen ein, dass die Bundesrepublik sehr viel getan hat, um ihre nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten und zu überwinden. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnet die Deutschen gar als „Weltmeister der Erinnerungskultur“.

Inzwischen zeichnet sich hierzulande jedoch eine gefährliche Entwicklung ab: Beinahe 60 Prozent der Bundesbürger möchten einen Schlussstrich unter das Thema Judenverfolgung im Dritten Reich ziehen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit empfinden viele offenbar als Last. Bei der Debatte am Donnerstag thematisiert die Erziehungswissenschaftlerin Heike Radvan vor allem die Rolle der Pädagogen: „Antisemitische Ressentiments gibt es in allen Milieus der Gesellschaft, auch unter Erziehern. Dies und auch falsche Reaktionen auf antisemitische Äußerungen von Kindern oder Jugendlichen verstärkt deren Stereotype mitunter.“ Weiterlesen →

13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Vom Schaumbad in die Selbständigkeit

© Picture AllianceMuss ich mich hier auch rasieren? Als Frau in der Arbeitswelt hat man’s nicht leicht.

Kochen, backen, sticken, ja, aber: Sind Wesen von der Venus denn überhaupt für die Selbstständigkeit in der harten Männerwelt geeignet? Vielleicht nicht, und trotzdem müssen sie irgendwie, denn man muss ja heutzutage. Aber wie geht das überhaupt, wenn man doch nur ein schwaches Weib ist, das sich mit romantischen Komödien besser auskennt als mit der Steuererklärung? Für alle, die „erfolgreich als Frau“ den Weg in die Selbstständigkeit finden wollen, hat Martina Peukert im gleichnamigen Ratgeber allerhand Tipps zusammengetragen. Mit ihrem Ratgeber wirft sie die Gender-Debatte um Jahre zurück: Als erster Teil mehrerer Bände, wie auf dem Blog der Autorin angekündigt, strotzt er voller Verallgemeinerungen – Frauen ticken auf ihre eigene Art und Weise und dabei in jedem Fall ganz anders als Männer. Während „Erfolgreich als Frau“ den Anspruch erhebt, das geschlechtsunabhängige Unternehmerpotential einer jeden Frau zu entfachen, schießt es mit seinen Pauschalisierungen weit am Ziel vorbei.

Schon beim Vorwort, fragt man sich: Welcher Typ Frau plant einerseits eine Karriere als Selbstständige, nickt aber anerkennend, wenn die Autorin feststellt, Frauen verkaufen sich oft unter Wert, trauen sich einiges nicht zu, und obwohl sie doch fleißiger und gewissenhafter als Männer arbeiten, ist der Wunsch nach einem Chef, der den Tagesablauf durch konkrete Arbeitsanweisungen strukturiert, häufig weiblicher Natur? Weiterlesen →

12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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