Literaturblog

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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Dichter sind nun mal keine Diplomaten

Ganz in Weiß sitzt Sofi Oksanen unter ihrer ikonischen Haarpracht im Restaurant Margarete und plaudert über den Vorteil, den Dichter gegenüber Diplomaten genießen. Und weht davon, in diplomatischer Mission.

© Sandra KegelSofi Oksanen und Jörg Thadeusz

Kiepenheuer & Witsch lädt zum Mittagessen mit Sofi Oksanen: Die finnisch-estnische Autorin, deren Roman „Als die Tauben verschwanden“ über das Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs gerade im Kölner Haus erschienen ist, sitzt mit ihrem deutschen Verlagskollegen Jörg Thadeusz auf einer improvisierten Bühne im Restaurant Margarete. Oksanen ist unter ihrer ikonischen Haarpracht in schwarz-lila heute ganz in weiß gekleidet – bis hin zu den Spitzenhandschuhen; was sie zu sagen hat, ist hingegen alles andere als adrett.

Autoren hätten nun mal den großen Vorteil, nicht diplomatisch sein zu müssen, antwortet die 1977 geborene Autorin auf Thadeusz’ Frage, warum sie neulich in London Putins Russland so heftig attackiert habe. Dass man Putin auf seinem Kurs unbedingt stoppen müsse, davon ist die zierliche Schriftstellerin überzeugt. Weil er sich niemals zufrieden geben werde mit einem Teil, „sondern immer mehr wolle“. Dann setzt sich Sofi Oksanen zu uns an den Tisch, isst von dem Linsengericht und lässt sich von deutschen Kritikern erklären, warum Bahn und Piloten ausgerechnet dann streiken, wenn Buchmesse ist. Und dann muss sie schon wieder los – auf die Buchmesse. Denn dort hält sie gleich die Eröffnungsrede.

Ob die zweitausend Zuhörer ihr Angst machten, will Thadeusz noch wissen. Nein, antwortet sie prompt, die Rede sei schließlich geschrieben, die müsse sie ja nur noch ablesen. Aber die vielen protokollarischen Begrüßungen, die machten ihr Sorgen, sagt sie, und verabschiedet sich, ganz protokollarisch.

Sandra Kegel

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