Literaturblog

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Butterkringel und andere Schwergewichte

Auch ohne Schuber ist es ein Buch von Gewicht: Während draußen der Regen fällt, trifft man sich im Café Laumer am Morgen vor Buchmessebeginn zum Kometenfrühstück und lauscht den Geschichten aus "Tausend und ein Tag".

© dpaEiner der hellsten: Der Komet Hyakutake, aufgenommen im März 1996

 

Hier, im Café Laumer, ist die Avantgarde. Denn noch hat die Frankfurter Buchmesse gar nicht begonnen, da geht es am Dienstag in der Früh schon los in dem traditionsreichen Café auf der Bockenheimer Landstraße, in dem einst „Teddy“ Hof hielt, wie Wolfgang Hörisch sich erinnert, wenngleich der Mannheimer Germanist doch erst sehr viel später als Theodor W. Adorno hier verkehrte. Wir sind auf Einladung der Anderen Bibliothek zum „Kometenfrühstück“ gekommen – benannt nach der gleichnamigen Reihe des Hauses.

Christian Döring, Verlagsleiter und Lektor in Personalunion, fachsimpelt eben noch mit seinem Autor über den passenden Titel für das neue Wagner-Buch, da beginnt Rainer Schmitz auch schon, die hochspannende Editionsgeschichte des von ihm herausgegebenen Prachtbands „Tausend und ein Tag“ zu erzählen. Ein gewichtiges Buch in jeder Hinsicht: Der 1200 Seiten starke Erzählzyklus, ursprünglich aus Indien stammend und von dort über den Orient nach Europa übermittelt, wiegt 4,4 Kilogramm, ohne Schuber immer noch 3,9 Kilogramm, und die Illustrationen wären, würde man sie ausrollen, dreißig Meter lang.

Ausgerollt aber werden im Café Laumer mit den weißbeschürzten Servierdamen allenfalls die Butterkringel. Und dann geht es bei Kaffee im Kännchen mit der Lesung aus „Tausend und ein Tag“ los. Da lässt es sich zuhören, während draußen der Regen fällt.

Sandra Kegel

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