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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Inhalte? Völlig unerheblich!

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Beim ersten Deutschen E-Book Award räumen ein Physiklehrbuch und eine historische Biographie ab. Entscheidend waren nur die Form und technische Innovation der Werke. Sieht so die Zukunft des Buches aus?

© Julia BährDie glücklichen Preisträger und die glücklichen Veranstalter des ersten Deutschen E-Book-Awards

Es wird so viel gesprochen über die fantastischen Möglichkeiten des Self-Publishing, aber es wirkt doch immer, als lobten verzweifelte Überreste der FDP die Segnungen der Zeitarbeitsverträge. Schließlich gibt es Verlage, weil nicht jeder alles gleich gut kann und nicht jeder die Bereitschaft hat, sich in die technischen Aspekte der Veröffentlichung hineinzufuchsen. Und dann kommt ein siebzehn Jahre alter Self-Publisher daher und gewinnt den Preis für das beste enhanced E-Book bei der Verleihung des ersten Deutschen E-Book Awards.

Siebzehn Jahre ist Andreas Konrad Huber alt, jawohl. Das betonen wir zähneknirschend nochmal, denn dass die Mitspieler der Fußballnationalmannschaft plötzlich alle jünger waren als wir, war ja schon schlimm genug. Nun auch noch das. Was kommt da auf uns zu? Eine Generation, die sich in ihrer Freizeit mit dem Programmieren von Physik-Apps beschäftigt! „Physik 7“ hat der junge Mann entwickelt, ein Schulbuch also, und wer sich mit dem Inhalt normaler Physiklehrbücher schwer tut, kann sich hier wenigstens beim Drehen von Mondphasen verlustieren. Es gibt Bildergalerien, Versuchsreihen und dynamische Anordnungen. Das könnte die Noten dutzender Schüler und die Nerven ihrer Eltern retten. Es ist didaktisch so wertvoll, dass man Huber „Shut up and take my money“ zurufen möchte.

Apropos, Geld ist leider mit der Auszeichnung nicht verbunden. Stattdessen gibt es etwas Aufmerksamkeit für Huber und die in der Kategorie E-Book-Apps ausgezeichnete Firma Docmine Productions, die so hip und kreativ ist, dass man sich auf ihrer Website gar nicht zurechtfinden kann. Sie wurde für die historische Biographie von Carl Lutz ausgezeichnet, einem Schweizer Diplomaten, der Zehntausende Juden vor den Nazis rettete. Die App zeigt in übersichtlichen Zeitstrahlen und mit eleganter Typographie sowie Videoelementen seinen Lebensweg auf.

Der Inhalt der Werke war übrigens für die Entscheidung der Jury völlig unerheblich. Entscheidend waren allein die technische Umsetzung und die ästhetische Gestaltung. Das verschaffte ihr die Freiheit, ganz unterschiedliche E-Books zu nominieren: Im Rennen lagen unter anderem ein Harmonielehrbuch, mehrere Kinderbücher, ein Reiseführer und sogar eine Seifenopern-App. Nicht alle davon geben einen Hinweis darauf, wie die Zukunft des Buches aussehen könnte. Aber mal reinzuschauen kann nicht schaden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass digital aufbereitete E-Books einen Siegeszug vor sich haben, der sich genau so wenig aussitzen lässt wie damals bei diesem Internetz.

Julia Bähr

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2 Lesermeinungen

  1. warum sollte es um inhalte gehen,
    wenn sowieso alle das gleiche denken?
    die einzigen inhalte, die heute und in der zukunft wichtig sind, sind die der anti-anxiety-pills. damit die horde diesen ganzen stumpfsinn mit einem lächeln erträgt.

  2. Pingback: Der Deutsche eBook Award 2014, oder “Vun nix kütt nix” | Holger Ehling Worldwide Blog

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