Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Während der Buchmesse ist vor der Buchmesse

65 Indonesier sind mit 1300 Büchern angereist, um ihr Land zu präsentieren. 2015 wird es Ehrengast sein. Traditionelle Musikinstrumente wie das Penting haben sie auch im Gepäck.

 

© Leonie FeuerbachVorerst noch im kleinen Rahmen: Indonesien stellt sich vor

Eine Insel der inneren Einkehr zwischen den schlumpfblauen Teppichen im fahlen Messe-Licht: Zwei Frauen mit bunt gemusterten Kleidern singen am indonesischen Stand in Halle 5.0 mit klaren Stimmen wehmütige Melodien. Die eine spielt auf einer kleinen Akustik-Gitarre, die andere auf einem anderen, reich verzierten Saiteninstrument. Sie fordern die Zuhörer auf, mitzumachen: „ha-eh-ho-ha-eh-ho“, singen die, einige angeleitet von den kreisenden Armbewegungen der Indonesierin im blauen Kleid, andere mit geschlossenen Augen.

Dann ist der Moment auch schon wieder vorbei: Ein zierlicher älterer Herr mit nach hinten gekämmtem schwarzem Haar erklärt den verzauberten Zuhörern, was sie da eben gehört und gesungen haben: Ein Lied, das im 15. Jahrhundert auf Java entstanden ist. Das „ha-eh-ho“ habe keine inhaltliche Bedeutung, aber eine musikalische. Kunst könne nicht immer erklärt werden, ihr Ursprung sei oft unbekannt. Dieses Unbekannte unterteilt er in „implizit“, „explizit“ und „versteckt“ ein, auf seinen Power-Point-Folien schieben sich in verschiedenen Farben unterlegte Begriffe übereinander. Dann zeigt er Texte aus dem 11. Jahrhundert und wie sich Versatzstücke in modernen Liedern wiederfinden. In seinen englischsprachigen Vortrag mischen sich Fetzen der Rede einer Frau am Nachbarstand. Die Zuhörer werden unruhig.

Der Mann sei ein berühmter Tänzer und Lehrer, habe schon an amerikanischen Universitäten gelehrt, sagt Agus Maryono mit entschuldigendem Tonfall. Maryono leitet die indonesische Delegation. Die bestehe aus 65 Menschen und 1300 Bücher. Indonesien, das wiederum aus 17.500 Inseln bestehe, sei bereit und motiviert, 2015 Ehrengast der Buchmesse zu sein, betont er.

Der berühmte Mann beendet seinen Vortrag, bittet das Publikum, Fragen zu stellen. Ein Mann will wissen, wie man das Instrument der einen Sängerin nennt. Penting, lautet die Antwort, zumindest auf Bali. Auf Java und Lombok hat es andere, unaussprechliche Namen. Die nächste Frage lautet: „Können wir bitte noch ein Lied hören?“ Alle singen noch einmal mit und zerstreuen sich dann wieder.

Leonie Feuerbach

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