Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Eine gerade noch rechtzeitig abgebrochene Lesung

Gaby Hauptmann hat alleine in Deutschland etwa acht Millionen Unterhaltungsromane verkauft. Und wie jeder gute Unterhaltungsautor weiß sie: Imagepflege kann notfalls auch etwas wehtun.

© Julia BährSo geht eine Frau durchs Leben

Die zum Interview anrückende Autorin ist leicht zu erkennen. Sie trägt ein volles Sektglas in der Hand und Krokolederstiefel an den Füßen. Genau so, wie der Leser sich jemanden vorstellt, dessen Bücher bei Hugendubel auf dem intern „Freche Frauen“ genannten Tisch ausliegen.

Mit „Suche impotenten Mann fürs Leben“ hatte Gaby Hauptmann einst einen Erfolgsroman und produziert seither eifrig Buch um Buch. Gerne schreibe sie nachts, berichtet sie im Interview, aber auch im Auto, während sich um sie herum Leute unterhielten. Ob man es anschließend den so verfassten Passagen anmerkt, dazu verliert sie leider kein Wort. Lieber erzählt sie, wie sie mit ihrem BMW-Geländemotorrad das Stilfser Joch hochfährt. Deshalb käme so eine Harley mit wenig Bodenfreiheit, für die sich der Mann der Protagonistin in ihrem aktuellen Roman begeistert, nicht in Frage.

Ach ja, der Roman. Auf der Bühne fällt die Frage: „Ist es wirklich so schlimm, wenn der Mann in den Ruhestand geht?“ „Ja“, entfährt es einer neben mir sitzenden Dame vernehmlich. In dieser Altersgruppe ist Gaby Hauptmann offenbar wirklich ganz nah an der Lebenswirklichkeit. Die Gruppe junger Mädchen zu meiner Linken hingegen wenden der Bühne den Rücken zu. Wer ist die überhaupt? So ’ne Autorin. Ach. Pfff.

Die Mädchen werden allerdings ganz still, als Gaby Hauptmann liest. Es ist eine Passage, in der die während ihrer Ehe erotisch etwas eingerostete Heldin im Hotel zur Massage ins Spa geht. Der Masseur ist ein junger Pakistani, und die Dame durchlebt ein paar Gedankengänge, die man in umgekehrter Konstellation eher in einem Philip-Roth-Roman erwartet hätte. Aber natürlich kehrt sie dann ins Hotelzimmer zurück, wir sind hier schließlich bei „Freche Frauen“ und nicht bei „Promiskuitive Damen“, und fällt über ihren verblüfften Mann her. Auf den Zuschauerbänken beginnen sich die Ersten in Peinlichkeit zu winden, ob des Inhalts oder des Schreibstils wegen sei dahingestellt, da bricht Hauptmann ab: „Es sind ja so viele Jugendliche hier.“ Ja, ein Glück. Danke, Mädels. Später gehen wir zu einer Lesung aus Walsers Tagebüchern, habt ihr da vielleicht auch Zeit?

Julia Bähr

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