Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Gerechtigkeit für Daniela Strigl!

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Die beliebteste Bachmannpreis-Jurorin geht. Das ist ja wohl ein Skandal! Da muss man doch etwas tun! Sonette schreiben zum Beispiel.

© Andrea DienerSo, nicht, meine Herren! Angela Leinen verliest einen offenen Brief.

Wohl kein zeitgenössischer Literaturkritiker (m/w) hat eine derart eingeschworene Fangemeinde wie Daniela Strigl – und das ganz ohne Showeffekte oder gutgehende Frisuren. Frau Strigl, wie man sie gern mit einem Anflug von Respekt in der Stimme nennt, schafft all das mit modisch fragwürdigen Blusen, einem legendären Topfschnitt – aber unfassbar viel Kenntnis, Fairness, Schlagfertigkeit und Anflügen von Humor genau da, wo sie angebracht sind. Frau Strigl ist einfach eine sehr, sehr gute Literaturkritikerin und die erwiesenermaßen beliebteste Jurorin des Bachmannpreises.

Aber vermutlich nicht mehr lange, denn nun hat Daniela Strigl ihren Rückzug aus der Jury verkündet. Erst wurde sie gefragt, ob sie Vorsitzende werden wolle, sie sagte zu, dann sagte der ORF ab und verkündete, Hubert Winkels habe unterdessen schon zugesagt. Hubert Winkels allerdings sagt, er habe mitnichten zugesagt. Die Lage ist also verworren.

Nun soll Daniela Strigl Gerechtigkeit widerfahren. So nicht! ist der kurz zusammengefasste Inhalt eines Offenen Briefes an den ORF, den die Journalistin und Klagenfurt-Schlachtenbummlerin Angela Leinen verfasst hat und am Freitag Vormittag auf der Messe verlas. Dem Brief hängen auch zwei Sonette von Kathrin Passig und Clemens J. Setz an, die Frau Strigl als Person und Jurorin lobpreisen. Dann folgt die Liste der Unterzeichner, ein Who is Who der Church of Strigl und ein Gutteil des jüngeren Literaturbetriebs – inklusive Hubert Winkels, dem gar nicht gefällt, wie mit seiner Kollegin umgesprungen wird.

Natürlich können wir Ihnen die Sonette nicht vorenthalten und fügen sie hiermit an.

 

Wie es halt leider so ist

von Kathrin Passig

Es gibt sehr gute Wesen. Etwa Schnabeligel,

Schlammspringer, Molche, Ottern, Olme, Pfauenaugen

(Wenn sie auch gleich als Kritiker nicht so viel taugen)

Das beste unter ihnen ist Daniela Strigl.

 

Ja, besser als der Bilch. Auch besser als ein Beagle.

Und könnte man nur alles, was sie sagt, aufsaugen

Es würde aus dem eignen Pfusch, dem ungenaugen

Ein kluges Werk, und nicht nur so ein Hingebiegel.

 

Das sieht nicht jeder so. Und damit muss man leben.

Es gibt auch Menschen, die der Rüsselhund verdrießt,

Der Biber kalt lässt. Traurig, doch so ist es eben:

 

Dass sich das Richtige nicht allgemein erschließt.

Es reicht ja auch, dass nur die meisten Herzen beben,

Wenn man den Namen Daniela Strigl liest.

 

Protestsonett auf den Verlust von Daniela Strigl als Jurorin des Bachmannwettbewerbs

von Clemens J. Setz

Wie schaun wir drein, in jedem Sommer, wenn

Daniela Strigl vor uns steht und spricht?

Wie Sonnenblumen, high von Sonnenlicht.

Wir kichern, tänzeln, scheu wie Teenies. Nenn

 

mir einen andren Menschen im Betrieb,

der ähnlich uns verzaubert und beglückt!

Der uns mit seinem Charme und Geist entzückt,

dem manch ein Autor heimlich Verse schrieb…

 

Der ORF hat viel zu viel verlernt.

Der Bachmannpreis ist wie ein alter Hund,

der sich sein eignes Bein im Schlaf zerkaut,

 

und nun hat er noch sein Gehirn entfernt.

Frau Strigl ist perfekt. Sie ist der Grund,

weshalb man einmal jährlich 3sat schaut.

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