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Wer will schon heiraten, wenn er die Titanic-Party haben kann!

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Alles verworren! Gilt der erste Brief? Oder der zweite? Aber am Ende ist alles gut, die Party vor Ort und in vollem Schwange und die halbe Redaktion dieser Zeitung fühlt sich wohl.

© Andrea DienerSitzen, trinken und blöde Jogger gucken: So lässt es sich leben.

Das mit der Einladung war ja von Anfang an verworren. Freitag, hieß es, man freue sich, hieß es, überteuerter Alkohol, hieß es. Kanu-Verein, kommt alle! Das sah eigentlich vertrauenserweckend aus, bis hin zum Briefkopf, doch dann erreichte uns der nächste Brief. Alles Lüge, hieß es, Donnerstag, hieß es, Freigetränke, hieß es und man schäme sich. Sehr. Und das nur einen knappen Monat später! Was war geschehen?

Der schönste Tag im Leben zweier Menschen war ganz unzynisch über die Messeparty des Satiremagazins „Titanic“ hereingebrochen. Während die Redaktion nur eine lasche mündliche Zusage irgendwie so dahinnuschelte, sprach das Brautpaar Tacheles und mietete den Kanu-Verein für sich an, um den Bund fürs Leben zwischen Vereinshistorie und Wanderpokalen mit Blick auf Main und Skyline zünftig zu feiern. Wenn Titanic ebenfalls zünftig feiern wollte, womöglich auch noch mit Blick auf irgendetwas, dann blieb nur der Donnerstag. Und bei dem blieb es dann auch.

Tim Wolff, Chefredakteur und Gastgeber, kauerte zwar nicht nägelkauend und haareraufend in der Ecke, wie er es im Brief Nummer zwei etwas voreilig angekündigt hatte. Sehr viel besser war seine Verfassung aber nicht: Mit Augenringen von Uweostertagschen Ausmaßen hing er am Stehtisch und schaute blutunterlaufen in die Gegend. „Ist halt der Tag nach Rowohlt“, murmelte er. „Drei Stunden Schlaf.“ Dann murmelte er nicht mehr viel.

Wem es besser ging, und das waren die meisten, der trug seinen leeren Teller zum Büfett, das Kristin Eilert aufs Allerschönste angerichtet hat. Es ist sicher das zweitschönste Büfett der Messe, nach dem der F.A.Z. natürlich. Das Titanic-Fest ist eventuell auch das zweitschönste der Messe, nach dem der F.A.Z. natürlich. Nur Leo Fischer, Chefredakteur a.D., guckt ein bisschen finster, weil er nie verwunden hat, dass jemand einmal das Buchmessemagazin der F.A.Z. als „so lustig wie die Titanic zu ihren besten Zeiten“ beschrieben hat. Dann guckt er auch schon wieder traurig, weil es das Buchmessemagazin ja nicht mehr gibt. Aber irgendein Feld müssen wir der Titanic schließlich noch überlassen.

„Eigentlich sind hier auch viel zu viele F.A.Z.-Redakteure. Find ich nicht gut“, zischt Hans Zippert im Vorübergleiten. Ja, wir sind wirklich viele. Ein paar sollten gehen. Wir sehen uns ja ohnehin am Samstag alle wieder, beim schönsten Fest der Messe. Mit Büffet. Und ohne Augenringe.

Andrea Diener

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