Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Willkommen, bienvenue, welcome!

Hier verschmilzt Privates und Offiziöses zu einer Metasynthese des Buchmessenpartyerlebens: Joachim Unseld, Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt, lädt ein. Zu sich nach Hause. Wie immer. Ein Erstbesuch.

© Wonge BergmannIm Mittelpunkt entspannter Aufmerksamkeit: Joachim Unseld und seine Autorin Nino Haratischwili

Okay. Der exklusivste Empfang der Messe. Die Party, bei der einen alle reflexartig fragen: „Der Sohn?“, wobei die Vorstellung, dass der Vater noch einladen würde, ja eher entlegen ist.

Unseld, Joachim, das Haus ist keine Villa, es hat sachlich-modernistischen Schick, und der Taxifahrer verfehlt es zunächst, bis eine Nachbarin beherzt auf die Strasse tritt und sagt: „Zum Herrn Unseld?“. Ja, zum Herrn Unseld.

Der Türsteher duzt und sagt, man möge die Zigarette doch bitte einfach irgendwo austreten. Drinnen kein Rauchen. Es ist ja eigentlich völlig irre, dass jemand seit Ewigkeiten eine Veranstaltung in seinem Privathaus schmeißt, zu der alle, aber wirklich alle geladen werden wollen, und dass es eben nicht so ist, als würde man bei Mama und Papa im Wohnzimmer sitzen.

Bei Unseld verschmilzt Privates und Offiziöses zu einer Metasynthese des Buchmessenpartyerlebens. Der Mann lebt hier, und hinter dem Buffet stehen die spektralanalytisch sich nach Farben auffächernden Suhrkamp-Bände.

Moritz Rinke sucht nach einem Skandal, findet aber keinen. Matussek ist augenscheinlich angetrunken. Ein Verleger aus New York räsoniert über die Russen und das Lügen. Innen hängt Kunst in Werten, die Unseld nicht beziffern will, draußen rauchen die Leute Kette.

Ein Oktoberfest nennt Unseld das, als er die Lesung von Nino Haratischwili ankündigt, die, ganz privat sozusagen , ein verstörendes Fragment aus ihrem Roman „Das achte Leben“ liest. Es war eigentlich ein recht normaler Abend. Halt nur bei Unseld.

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