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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Witzlos

Der Deutsche Cartoonpreis wird auf der Buchmesse verliehen. Die Sieger sind lustig, die Feier ist es nicht.

© dpaAusgezeichnet: Marcus Weimer alias Rattelschneck

Zum ersten Mal findet die Verleihung des Deutschen Cartoonpreises im Kinderbuchbereich statt, denn die Comic-Abteilung hat die Buchmesse in diesem Jahr aufgelöst, auch wenn ein riesiges Banner noch etwas signalisiert, was es gar nicht mehr gibt. Aber muss dann die Verleihung gleich so kindisch sein? Da steht eine Moderatorin, die sich alles, was sie sagt, in eine große Kladde geschrieben hat, deshalb öfter ins Buch als auf die Leute schaut, und gern hin und her blättert, wen sie nicht genau weiß, was sie sagen soll. Selbst die Fragen an die Preisträger sind vornotiert. Als ob es für die Erkundigung, wie lange man schon zeichne, dessen bedürfte. Und man stelle sich vor: Die Dame ist bei einem großen Verlag als Humor-Redakteurin angestellt.

Gut, dass die Gewinner für schöne Arbeiten geehrt wurden. Hannes Richert bekam den mit tausend Euro dotierten Förderpreis für die Zeichnung einer Biergartenszene, die in der brillanten Pointe „Draußen nur Fässchen“ endet. Der dritte Preis bei den bereits Etablierten ging an die durchaus selbst noch junge Dorthe Landschutz für ihren Cartoon „Klischeekontrolle“, Oli Hilbring erhielt den zweiten Preis für eine Flüssigkeitskontrolle am Flughafen, bei der ein Mann auf die Wasserbeine seiner Gattin hinweist, und Platz eins fiel auf Marcus Weimer alias Rattelschneck für die Zeichnung zweier Neonazis, deren einer den anderen mit der Aussicht auf in den Staub eingezeichnete Hakenkreuze in seine Wohnung locken will. Das Blatt sieht sehr viel komischer aus, als er hier klingt. Alles andere war noch weitaus trister, als es hier klingt

Gut, dass der eigentlich angekündigte Buchmessendirektor Juergen Boos sich diese Verleihung schenkte, gut auch, dass sie zehn Minuten zu spät begann und dreiundzwanzig Minuten früher als angekündigt endete. In dieser Form ist die Verleihung in jeder Hinsicht witzlos.

Andreas Platthaus

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