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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Zwischendurch die Welt retten

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Können Schriftsteller die Welt verändern? Wenn es nach der dänischen Autorin Janne Teller geht, schon. Und politische Naivität kann man ihr kaum vorwerfen.

© picture alliance / Effigie/LeemageJanne Teller

Janne Teller ist heiser, nach diesen drei Tagen voller Diskussionen in der neu eingerichteten Autoren-Lounge auf der Buchmesse. Mit belegter Stimme begrüßt sie die anwesenden Autoren und Journalisten und erzählt von ihrem Projekt „Frankfurt Undercover“: Was sind die wichtigsten Probleme unserer Zeit und wie kann man sie angehen? Nichts Geringeres als das hat sie mit mehr als 25 Autoren aus siebzehn Länder, die alle einen multikulturellen Hintergrund haben, in drei Sitzungen diskutiert. Fadhil Al-Azzawi aus dem Irak war zum Beispiel dabei und der Deutsche Stefan Weidner.

Sie hätten versucht, Themen, die sonst eher in der politischen Sphäre verhandelt würden, aus einem Blickwinkel zu betrachten, der allen Autoren gemeinsam sei: der menschliche. Gefühlen und Glauben sollten mehr Platz eingeräumt werden. „Es ist ein Mythos, dass Gott tot ist“, sagt Teller. Von diesem Blickwinkel aus betrachtet, müsse es unvorstellbar werden, dass Menschen in Not auf der Flucht nach Europa sterben. Moderne Sklaverei zu beenden, sei es bei Prostituierten, Hausangestellten oder Arbeitern in der Landwirtschaft, müsse eine politische Priorität werden. Staatsbürgerschaft sollte nach Geburtsort und nicht nach Abstammung verliehen und Demokratie nicht als einzig mögliche Regierungsform betrachtet werden. Alle Staaten der Welt sollten Friedensministerien aufbauen und für jeden Dollar, den sie für Verteidigung ausgegeben, einen für den Frieden investieren.

Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, hat die berühmte Kinder- und Jugendbuchautorin Teller als Beraterin für die Europäische Union und die Vereinten Nationen gearbeitet. Politische Naivität kann man ihr also kaum vorwerfen. Doch wie realistisch ist die Vostellung, dass eine Gruppe Schriftsteller so nebenher in drei Tagen zwischen Lesungen und Terminen die Welt retten? In einem holzgetäfelten Raum mit Kaffee- und Kuchen-Stand, in dem gestresste Autoren dem Messewahnsinn entfliehen können sollen? Und mit Vorschlägen, die sicherlich sinnvoll, aber weder neu noch revolutionär sind?

Jetzt wollen die Autoren ihre Vorschläge erst einmal aufschreiben und als Buch veröffentlichen, das kostenlos sein soll. Teller hofft, dass Politiker die Ideen darin aufgreifen werden. Das ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber wer weiß: vielleicht wird die Bevölkerung ja auf die Thesen der Schriftsteller eingehen. Auf den Essay „Empört euch!“ des Widerstandskämpfers und UN-Diplomaten Stéphane Hessel beriefen sich immerhin zahlreiche Protestbewegungen, etwa in Spanien und Griechenland.

Leonie Feuerbach

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1 Lesermeinung

  1. wichtige Diskussion / wichtiger Impuls
    Sicher erwartet Janne Teller auch nicht, dass sich aufgrund eines Gespräches in einer Lounge Politiker und Politikerinnen sofort davon überzeugen lassen, dass sie ihre ganze politische Einstellung verändern. Aber warum sollte man nicht auch auf einer Büchermesse darüber diskutieren, diese Themen auf die Agenda setzen, wenn das aktuell politische gerade Gegenstand des Friedensnobelpreises geworen ist. Und wie wäre es denn, wenn es für diese Themen gar keinen Platz auf der Buchmesse gäbe ? Der Bericht über die Diskussion und die Lounge sind doch ein guter erster Anfang …
    Aber vielleicht schreibt janne Teller ja auch ein gutes Buch zu diesen Themen …

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