Literaturblog

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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Flamingos, Delfine und Wundertüten

Der Empfang bei Droemer Knaur war zunächst ein Bisschen schläfrig, aber dafür gab es ein tolles Buffet und die drei Rapper-Jungs um MC Fitti sorgten für Abwechslung.

© Hannah LühmannLauter kleine Wundertüten

Vielleicht gibt es, ganz grundsätzlich, nur zwei Arten von Parties: Solche, auf denen es ein Buffet gibt und solche, auf denen es kein Buffet gibt. Auf der Verlagsparty von Droemer Knaur gab es ein Buffet. Der Abend, vom Buffet aus gedacht, besteht aus mindestens drei Erlebenseinheiten: Es gibt ein Vorher, ein Nachher und ein Währenddessen.

Das Vorher gestaltet sich zunächst ein wenig lahm: angekratzt, müde und überdurchschnittlich gut gekleidet strömen die Gäste am Ende des dritten Buchmessentages durch den lichterwarmen Gang des Frankfurter Hofes in den einen der beiden Festsäle. Nebenan findet eine russische Hochzeit statt, auf der Bühne spielte eine junge Musikerin „Sway“ auf ihrer Elektrogeige und schafft es dabei noch irgendwie, sich wild und anmutig umherzubewegen. Die Leute im Saal gehen ziemlich ab und kurz wünscht man sich, bei den russischen Partygästen zu sein anstand beim Stehempfang des Verlages.

Der knautschig-sympathisch aussehende „Droemer Knaur“-Chef Hans-Peter Übleis hält eine Rede, in der es um Wundertüten geht, Bücher seien Wundertüten, ein jeder Verlag sei eine Wundertüte und natürlich sei auch jeder Autor eine Wundertüte. Er stellt diejenigen seiner Autoren, die beim Fest anwesend sind, einzeln vor und scherzt, man solle ihm sofort Bescheid sagen, wenn man versehentlich neben einem von ihnen platziert würde und er sich wider Erwarten nicht als Wundertüte herausstellen sollte. Allerdings erst nach Mitternacht (was genau er damit meinte, erschloss sich mir nicht, aber wahrscheinlich meinte er einfach „nach dem Buffet“).

Dann wurde das Buffet eröffnet, das „Währenddessen“ begann also, und das war grandios, denn es gab getrüffelte Klößchensuppe und allerlei Leckereien aus Fleisch. Beim „Unseld-Empfang“ gestern hatte es vegetarische Küche gegeben, was ich grundsätzlich sehr befürworte, aber das Sojafleischgulasch schmeckte doch sehr nach Soja.

An diesem Abend nicht allzu viele Leute zu kennen war insofern von Vorteil als dass man uns Ungebundene an einer Art Katzentisch unterbrachte, an dem man sehr schnell ins Gespräch kam. Zuvor schon waren nämlich ein paar Gestalten aufgefallen, deren Erscheinungsbild sich so stark von dem der restlichen Gäste abhob, dass einem dadurch erst auffiel, wie homogen sich die anderen Menschen auf diesen Empfängen kleiden. Die jungen Männer trugen verchromte Sonnenbrillen und Schirmkäppis, und der eine hatte einen zauseligen, sehr hellbraunen Hipsterbart.

Das waren MC Fitti und seine Crew. MC Fitti ist ein Rapper, dessen Song „30 Grad“ ihm vor etwas mehr als zwei Jahren den Durchbruch brachte. „30 Grad, Flamingos und Flipper. Sonnenbrille auf, und rein in die Slipper.“ Eigentlich irgendwie harmlos, aber auf intelligente Art und Weise bescheuert und daher erfolgreich.

© Hannah LühmannVokalmatador beim „cornern“- bedeutet so viel wie „herumhängen“.

In dem aus Miami Vice-Schnipseln zusammengebastelten Trashvideo geht es vielfach um Flamingos und den Delfin Flipper. Und während ich also am Katzentisch saß, kam ich mit Vokalmatador ins Gespräch, der eigentlich Victor heißt und sich mir auch so vorstellte. Vokalmatador ist der Musikerkollege von MC Fitti, und MC Fitti hat jetzt sogar ein Buch geschrieben, das eben bei Droemer Knaur erschienen ist, weswegen die Jungs auch überhaupt da waren.

Es ist eine Art trashiger Ratgeber zu allem möglichen, ein Bisschen Band-Biographie, ein Bisschen Party-Selbsthilfe, viele Delfine und Flamingos. Victor alias Vokalmatador sagte mir dann noch, dass wir mittlerweile im Flamingo-Zeitalter leben und gab mir das Buch mit auf den Nachhauseweg. Das „Nachher“ wurde dann dadurch eingeläutet, dass man nach dem Essen drinnen rauchen durfte. Aber ich war noch zu fertig von der Unseld-Party und schneide mir jetzt aus dem MC Fitti-Buch (da gibt’s nämlich auch Bastelseiten) einen Hipsterbart für den Empfang morgen Abend aus.

Hannah Lühmann

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