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Ein Lied kann eine Brücke sein, oh Baby

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Zum Abschluss singen wir alle noch einmal miteinander, und zwar Deutsche und Finnen gemeinsam. Das ist gut für Völkerverständigung und Seele und überhaupt so schön.

© Andrea DienerHard Rock Hallelujah. Hard Rock Hallelujah. Hard Rock Hallelujah. Finnische Lieder können so einfach sein.

Und dann, am letzten Tag, lassen wir alles Papierne beiseite und fassen uns zumindest geistig an den Händen und singen gemeinsam ein Lied. Oder zwei, oder mehr. Denn „ein Lied kann eine Brücke sein„, wie der deutsche Schlagerphilosph Michael Holm einst Joy Fleming in den Mund legte, die damit 1975 beim Grand Prix Eurovision auftrat und damit immerhin Platz 17 (von 19 Teilnehmern) erreichte. Kein Wunder, dass sich das Publikum beim deutsch-finnischen Singalong im Gastlandpavillion so schwertat mit diesem Werk, wo es doch bei „Ein bißchen Frieden“ noch so gut geklappt hatte.

Aber es ist ja ein deutsch-finnischer Singalong, also müssen nicht nur die Finnen deutsch singen, auch die Deutschen auf finnisch. Damit uns das nicht ganz so schwerfällt, haben die Organisatoren urdeutsches Liedgut ausgesucht, das daneben auch mit wenigen Wörtern und vielen Urlauten auskommt: Dsching Dsching Dschingis Khan. Uh! Ah! Das kriegen wir alle prima hin. Auch auf finnisch. Da heißt es Tsingis Khan. Wir sind stolz auf uns. In der Mitte stehen die Organisatoren des Finnland-Auftritts, Herren im Anzug und ordentlich frisierte Damen mittleren Alters, und singen Uh! Ah!

Und dann gleich die nächste Herausforderung: Finnlands bisher einziger Grand-Prix-Gewinner. Erinnern Sie sich? Die Anzugherren und ordentlich frisierten Damen üben sich im Headbangen und dann gehts los: Hard Rock Halleluja, ganz ohne Masken. Es braucht nur ein paar Tage Messe, stellt man erstaunt fest, dann ist einem alles egal, man ist unheimlich leicht zu begeistern wie zu belustigen und macht widerstandslos alles mit.

Und singt am Ende auch noch ein Paljon onnea vaan für Maria, die heute Geburtstag hat. Das heißt natürlich „Happy Birthday“. Es gibt Rote Rosen und Sekt. Maria freut sich. Ich kenne Maria nicht, aber ich freue mich auch. Maria sieht von hinten aus wie Angela Merkel, kann prima Headbangen und auch super Uh! Ah! singen. Und so beschwingt, leider ohne Tanzbein, klingt die Finnland-Gastvorstellung aus. Am Ausgang der Messe hängen überall Plakate, die „Relax“ sagen, und dass alle fünf Minuten eine S-Bahn komme.

Relax. Ja, das wäre jetzt eine Maßnahme. Das werden wir jetzt alle tun. Uh. Aaah.

Andrea Diener

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1 Lesermeinung

  1. Das B(a)uchgefühl der Buchmesse
    Irgendwie habe ich diesen Auftritt nicht so ganz begriffen! Als „uninformierte“ Messebesucherin ins Finnen-Zelt gestolpert (hauptsächlich Design), mutete das “bisschen Frieden“ nicht ganz so finnisch an.
    Nun habe ich es begriffen. Völkerverständigung.Nur der finnischen Text dazu lag wohl nicht vor.

    Das von Ihnen besuchte Weleda-Zelt draußen, habe ich links liegen gelassen, fanden sich interessanterer Stände im Inneren.
    (Doch dort: Mit jungen Leuten geredet warum sie geduldig in der langen Reihe auf ein Autogramm eines YouTuber warten. Verwirrend!)

    Die Kunstbücher z.B. waren überaus ästhetisch und sehr interessant die Zuordnung von (3.1.): Religion und Touristik.

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