Literaturblog

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Wettlesen am Wörthersee: Wir bloggen zum Bachmannpreis

Huch, da gibt es ja Probleme in der Welt!

Soviel Welt auf einmal! Edah Laras singt ein indonesisches Kunstlied. Wir staunen.© Frank RöthSoviel Welt auf einmal! Edah Laras singt ein indonesisches Kunstlied. Wir staunen.

Irgendwas ist anders in diesem Jahr. Eingedenk der bräsigen Eröffnungsreden der letzten Jahre, die üblicherweise mit zweieinhalb Thesen aufwarten konnten, hat sich anscheinend etwas getan. Das Böse kommt nämlich nicht mehr aus dem Internet. Das kann man in Zeiten, in denen arabische Blogger zu Peitschenhieben verurteilt werden, auch beim besten Willen nicht mehr behaupten.

Das, was Menschen, Literatur und Freiheit bedroht, ist auch nicht mehr unbedingt ein Branchenmonopolist, bei dem Menschen wider besseren Wissens ihre Bücher bestellen. Es ist vielmehr ein Ungeist, der meist in Gestalt religiösen Wirrsinns daherkommt, junge Menschen zu Gewalt anstachelt und mit dem auf keiner Ebene mehr zu verhandeln ist. Sobald die Welt also echte Probleme hat, muss man sich seine Feinde nicht mehr selbst basteln. Es reicht, dass man sie benennt: Extremisten, denen Demokratie und freie Rede einen feuchten Kehricht wert sind. Davon gibt es leider genug.

So kam es, dass in den Eröffnungsreden dieser Messe erstaunlich oft von Politik und Grenzen die Rede ist. Von den literarischen Utopien, wie Buchmesse-Direktor Jürgen Boos sagt. Und vom Frieden, den uns Literatur in einer „Welt des Aufruhrs“ stiften kann, so Börsenverein-Vorsteher Heinrich Riethmüller. Es klingt wie ein Abschied von der bequemen Saturiertheit, die keine schlimmeren Gefahren für die freie Welt kennt als Menschen, die lieber elektronisch lesen als hübsch auf Papier, wie es sich geziemt. Das ist nicht gut für die Welt, aber es ist schön zu sehen, dass die Redner in der Gegenwart angekommen sind.

Wenn sie jetzt noch ein bisschen mehr Esprit an den Tag legen würden! Aber wir wollen ja nicht zu viel auf einmal verlangen. Und lehnen uns zurück und machen uns mit der hohen indonesischen Gesangskunst vertraut, mit der wir auf einmal konfrontiert werden. So was haben wir nämlich wirklich noch nie gehört. Aber, und das ist ja auch schön: Auf der Buchmesse passiert einem das – neben den liebgewonnenen Ritualen – dauernd.

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