Literaturblog

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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Generation Jetzt. Menschen lieben das.

###Social-Media-Aktivist Philipp Steuer bei der Powerpoint-Predigt zu seinen wissbegierigen Jüngern.

Was gibt’s Neues auf der Datenautobahn? Seit den Neunzigern hat sich viel getan und jeder darf mal ran. Und „Datenautobahn“ hat sowieso noch nie jemand gesagt. Hoffentlich.

Es gibt neue Begriffe, Namen und Bezeichnungen die auftauchen, wenn es darum geht, was im Moment trendet oder zumindest mit dem Exzellenzprädikat „der neue heiße Scheiß“ dekoriert wird. „Snapchat“, „Periscope“, „Vine“ und „Instagram“ gehören zum Beispiel dazu. Das Partizipative war schon immer die Zugkraft im Internet, selbst wenn man es erst durch das Web 2.0 so richtig am eigenen Leib erfahren hat. Meine Recherchen ergaben, dass der Begriff „Web 2.0“ schon 2003 aufgetaucht ist.

Ebenfalls ergaben diese Recherchen, dass es sich bei dem Jahr 2003 um das offizielle UNESCO-Jahr des Süßwassers handelte, in dem auch Arnold Schwarzenegger Gouvernator Kaliforniens wurde und das chemische Element Darmstadtium getauft wurde. Uns begleitet das Web 2.0 also schon wirklich sehr lange. So lange, dass wir uns sehr daran gewöhnt haben, im Internet und unserer Konnektivität immer mehr zu sehen, zu erleben und zu konsumieren. Es werden täglich 30 Milliarden Whatsapp-Nachrichten verschickt und eine Milliarde Youtube-Views gezählt. Allein auf mobilen Endgeräten.

Doch bei allem Fortschritt unserer Zeit, Deutschland hinkt hinterher. Es gibt Länder die sich im Internet wesentlich akrobatischer verhalten. Natürlich, allen voran: Amerika. Dort wird Snapchat beispielsweise mit viel mehr Expertise bedient als bei uns, sodass der meiste Content und die meisten der 4 Milliarden täglichen Snapviews von dort aus verzeichnet werden.

Aber, was ist das besondere an den neuen Apps, über die alle reden, die aber niemand versteht? In seinem Vortrag über die „Generation Jetzt“ erklärt Social-Media-Aktivist Philipp Steuer, was aktuell los ist. Die Apps zeichneten sich durch eine Schnelllebigkeit aus, durch die bedeutend mehr Authentizität im Social-Media-Content entstehe. Dadurch, dass Snaps bei Snapchat quasi im Vorbeigehen angefertigt werden, bestächen sie mit einer Ungekünsteltheit, die für den Nutzer viel interessanter sei als überinszenierter, wohlausgeleuchteter Content.  Die Snaps sind nur begrenzt verfügbar, was das Prozedere bis zum neuen Content nochmal deutlich beschleunigt. Dadurch kann viel kleinteiligeres Storytelling betrieben und Geschichten viel schneller erzählt werden. Man kann seine Beiträge zu einem sehr persönlichem (Bewegt-)Bilderbuch zusammenstellen, das dem Nutzer dann 24 Stunden zugänglich ist. Durch die Vielzahl der Möglichkeiten sind die Laufwege zur medialen Aufmerksamkeit bedeutend kürzer und der minimale Aufwand führt zu maximalen Ergebnissen.

Und das lieben Menschen.

Im Internet passieren viele Dinge. Und im Internet passieren viele Dinge sehr schnell. Neue Medien und Dienste wuchern wie Unkraut aus dem Netzwerkboden und werden sofort von Nutzern befallen. Manche erfreuen sich einer großen Beliebtheit wie beispielsweise Snapchat oder Vine, und manche werden aufgrund einer Social-Media-Übersättigung gemieden, wie das von vornherein zum Scheitern verurteilte Google+.  Philipp Steuer erklärt erleichternderweise, dass es nicht darauf ankommt, jeden überfordernden Trend mitzumachen und jeden Dienst zu frequentieren, sondern sich auf die Plattformen zu konzentrieren, auf denen man sich gut positionieren kann. Denn sich wohlzufühlen, das liebt der Mensch auch.

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