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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Gurgle, wem eine Gurgel gegeben

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Foto Picture Alliance

Einst verschlug es mich aus beruflichen Gründen zu einem André-Rieu-Konzert. Zu drei Konzerten im Laufe der Jahre, um genau zu sein, aber ich bin inzwischen darüber hinweg, ehrlich. Bei jenem ersten Konzert jedenfalls lag auf jedem Platz in der ausverkauften Münchner Olympiahalle ein Plastikbehälter mit Wasser. In meiner grenzenlosen Naivität hielt ich das für eine Vorsichtsmaßnahme, auf dass die alten Herrschaften nicht dehydrieren und vor lauter Aufregung reihenweise umkippen mögen. Mein Irrglaube hielt sich nur bis zu dem Moment, da André Rieu das Publikum aufforderte, nun das Wasser zu öffnen und ein Lied mitzugurgeln. Es dürfte der Donauwalzer gewesen sein oder auch „Die Julischka aus Budapest“, was man eben so spielt, wenn man André Rieu ist.

Die Menschen gurgelten, lachten, spuckten das Wasser quer durch die Halle und bewiesen auf beeindruckende Weise, wie stabil dritte Zähne heutzutage im Mund halten. An diesem Punkt schaute ich an mir herunter, um zu überprüfen, ob ich eine Hose trug. Wenn nein, hätte es meine Vermutung bestätigt, mich in einem Albtraum zu befinden. Aber ich trug eine Hose, und die Wasserspritzer darauf waren ganz real.

Mit dieser posttraumatischen Belastungsstörung am Beltz-Stand zum fröhlichen Gurgeln aufzuschlagen, war riskant. Aber das Drama war fast vorbei, ehe es begonnen hatte. Verlegerin Marianne Rübelmann (ja, hier gurgelt die Chefin noch selbst) gurgelte „Heidi“ so ladylike, dass kein Tropfen Wasser ihren Mund verließ. Die Einlage von Moderator André Gatzke darf man sich eher vorstellen wie die muntere Dusche eines Elefanten am Wasserloch. Dann gab es Häppchen und „Freddie Freeloader“ von einer Liveband. Immerhin keinen Donauwalzer. Sicher gab es total gute Gründe, warum der Quatsch vorher sein musste. Jedenfalls wollen wir das jetzt einfach mal annehmen.

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