Literaturblog

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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Habt ihr denn noch alle Hostien im Tabernakel?

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###© Felix-Emeric TotaClaudius Grigat und Frank Muchlinsky

Die Ehrlichkeit ist der schlimmste Feind der Menschheit. Sie ist ein scharfes Schwert, das Sympathien und Freundschaften mit brutaler Leichtigkeit zerschlagen kann. Und das betrifft alle Menschen; selbst evangelische Pfarrer können sich davon nicht freimachen. Auch sie müssen wissen, wann sie am besten den Mund halten.

Aus diesem Anlass sammelte, verfasste und publizierte Pastor Frank Muchlinsky sein Buch „111 Dinge, die ein evangelischer Pfarrer nicht sagt„, aus dem er zusammen mit Claudius Grigat las.

Hier eine Digest-Version der 111 Dinge, heruntergekürzt auf 11:

  • „Und zum Abschluss der Trauerfeier singen wir: ‚Junge, komm bald wieder!'“
  • „Sie sind nicht atheistisch, sondern einfach fantasielos.“
  • „Überholen Sie ruhig. Ich beerdige Sie gerne!“
  • „Im Advent ist hier immer die Hölle los.“
  • „Das Nervige an Atheisten: Sie reden immer über Gott!“
  • „Mission erfüllt, Mütter zum Weinen gebracht.“ (Nach der Taufe)
  • „Sind Sie noch vergeben oder wurde Ihnen schon?“
  • „Möchten Sie meine Wohlfahrtsbriefmarkensammlung sehen?“
  • „Lieber Organist, das nächste Mal mehr Register, bitte schön. Die schwatzende Gemeinde war noch zu hören.“
  • „Finger weg von der Klangschale, oder ich hau sie dir auf den Kopf!“
  • „Nein, ich glaube nicht wirklich an Gott. Ich bin Pastor geworden, weil mir Schwarz so gut steht.“

Während ich dem Mann im Collarhemd zuhörte, wurde mir klar: „Felix, sag nicht so oft die Wahrheit, sing lieber Hallelujah“, und ich glaubte, für mich die persönliche Weltformel gefunden zu haben. Aus den Gedanken gerissen wurde ich dann, als Frank Muchlinsky laut „Habt ihr denn noch alle Hostien im Tabernakel?“ rief, aber das war nicht schlimm. Ich konnte schnell wieder an einen neuen Gedanken anknüpfen, der eine Frage mit sich brachte: Wie sähe solche eine Bestandsaufnahme der lieber zu verschweigenden Bonmots auf der Buchmesse aus? Was sagt kein Mensch auf der Buchmesse? Vielleicht ja etwas von den folgenden 11 Beispielen:

  • „Ah, diese Beinfreiheit und die kurzen Laufwege!“
  • „Natürlich nehme ich gerne dieses Probeabo.“
  • „Manuskripte bitte hier hin!“
  • „Danke für den Flyer!“
  • „Haben Sie alle diese Bücher schon gelesen?“
  • „Ich bin heute schon wieder so richtig ausgeschlafen.“
  • „Wo ich gerade hier bin, habe ich richtig Lust sofort zu lesen.“
  • „Oh, Hornbrille und wehender Schal, toll!“
  • „Interessierst du dich auch für Bücher?“
  • „Wer reich werden will, ist hier genau richtig, denn in der Literatur ist noch richtig Geld zu holen.“
  • „Du musst den Film davon sehen, im Buch geht leider einiges verloren.“
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1 Lesermeinung

  1. Köstlich!
    Haben Sie nicht etwas speziell für Verlage?

    Mit fielen Grüssen,

    Bernard del Monaco

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