Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Wir bleiben klein, wir sind Frauen!

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###© Helmut FrickeMiteinander reden? Nein, lieber bekräftigend nicken!

Es hilft ja sehr, wenn ein Moderator, der etwas auf Englisch moderieren soll, wenigstens Englisch, im Idealfall sogar moderieren kann. Dann hätte er die vier Damen, die sich da auf dem Podium versammelten, zumindest einigermaßen flüssig vorstellen können. Oder wenigstens ihre biografischen Rahmendaten vom Zettel ablesen, ohne sich dauernd zu verhaspeln. Vielleicht hätte der angekündigte Dialog zwischen vier feministischen Verlegerinnen sich dann auch zum Dialog entwickeln können.

So hingegen hielten die vier brav ihre Impulsreferate. Müge Görsoy Sökmen hatte wohl am meisten zu erzählen, etwa von dem Gerichtsverfahren um ein Slang-Wörterbuch, das sie verlegt hatte. Man klagte ihren Verlag wegen obszöner Sprache an – einer Sprache, die alle braven, keuschen Frauen in den Dreck ziehe, so die Begründung der Anklage, die sie gutgelaunt vortrug. „Wir hatten eine Menge Spaß dabei, uns zu verteidigen“, sagt sie grinsend, und Erfolg hatte sie auch. Im zwanzigsten Jahrhundert habe sie noch geglaubt, ihre Sache, die der Emanzipation und der Demokratisierung, münde irgendwann in einem Happy End. Nun, unter der Erdogan-Regierung, sieht es nicht mehr danach aus. Und in den Köpfen habe sich, trotz Fortschritten in der Gesetzgebung, auch nicht viel geändert.

Enter First World Problems. Renate Klein aus Australien machte vor allem das Patriarchat im Allgemeinen, den akademischen Diskurs und die Postmoderne als Problemfelder aus. Ihre Verlagskollegin Susan Hawthorne sprach von Natur- und Artenschutz und den Visionen, die ja auch nötig seien. Colleen Higgs aus Südafrika gab sich eher gefühlsbetont und sprach von den Nöten des Kleinverlagsdaseins. So gab also jeder sein Textlein ab, während die Runde stets bekräftigend nickte. Das muss dieses Empowerment sein, von dem immer alle reden.

Wichtig war Susan Hawthorne auch, nicht von „Free Speech“ zu reden, sondern die Kategorie der „Fair Speech“ einzuführen, denn „Free speech is only helping the pornographers“. Der Moderator erklärte dann sehr umständlich, dass es gut sei, dass die Verlage so klein seien, denn Größe und Wachstum seien ohnehin männliche Kategorien. Dann stand eine Frau auf und sagte mit tränenerstickter Stimme, sie sei sehr inspiriert. Ich muss an dieser Stelle leider meinen weitgehend privilegierten Zynismus zusammenpacken und die Runde verlassen, bevor ich mit irgendjemandem eine Grundsatzdiskussion über Femkitsch und Demokratie anfange.

Falls es einmal ein ähnliches Podium geben sollte, möchte ich vorschlagen, Frau Sökmen einfach eine Stunde reden zu lassen.

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1 Lesermeinung

  1. Danke. Ich hatte schon immer vermutet, es gebe noch genügend erwachsene Frauen
    in Deutschland, die medial nur einfach nicht mehr vorkommen. Mit denen streite ich mich gerne über (aus deren Sicht) unerledigte Aufgaben bei der Gleichberechtigung und Gleichfairbehandlung von Männern und Frauen, auch wenn das zum Zusammenstoss unterschiedlicher Auffassungen kommt.

    Das Mimimi-Prekariat nervt nur noch. Und Frau Diener macht in ihrem Beitrag klar – offenbar nicht nur Männer.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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