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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Akif Pirinçcis gestammelte Abgründe

| 3 Lesermeinungen

###Chefdemagoge Akif Pirinçci im Selbstgefallen

In der Messehalle findet man den Stand der „Jungen Freiheit“ genau da, wo er hingehört: ganz hinten rechts. Das Publikum kam zahlreich und brachte ernste und verständnisvolle Mienen mit, die „Ja, genau!“, „Endlich sacht’s mal einer!“ und „Recht hatter!“ bedeuteten. Ihre Aluhüte ließen die besorgten Germanophilen für Akif Pirinçcis Auftritt dennoch zuhause. Geht man auf den Stand der „Jungen Freiheit“ zu, erblickt man zuerst ihren annektierten Slogan „Wir sind das Volk!“ über einer rückwärtsgewandten Illustration von Revolte und Tatendrang. Aber zumindest ist die Ausrichtung klar: Holzfässer und Mistgabeln haben nun mal noch nie für modernes Gedankengut gestanden.

Die "Junge Freiheit" gibt sich modern.Wirr ist das Volk.

Pirinçci las ein Kapitel aus seinem nächsten Buch „Die große Verschwulung“, und der um ihn herum gescharte Speckgürtel der Hörerschaft lachte sich scheckig und hielt sich den Bauch. Es war eine Veranstaltung, die betroffen machte; Pirinçci zog vom Leder, was er konnte – er war ja unter seinesgleichen.  Seine wirren Theorien und Herablassungen sind aus der Luft gegriffen und dabei  so despektierlich formuliert und von Hass gebläht, wie die Grenzen der Sprache zulassen.

Oder, um auch in reißerischen Bildern der „Güteklasse Pirinçci“ zu sprechen: Pirinçcis flachbrüstige Ausschweifungen hätten gut und gerne etwas argumentatives Silikon vertragen. Davon ließen sich seine Anhänger aber einfach nicht beirren. Sie standen weiterhin herum wie Karikaturen ihrer selbst und lachten weiter hysterisch, wenn Worte wie „Fickmaterial“ oder „Neger“ vorgelesen wurden. „Wird bestimmt lustig, da ich zum ersten Mal splitterfasernackt auftreten werde. Aber keine Sorge, selbstverständlich habe ich wie immer eine Zigarette zwischen den Fingern und ein Glas Wein in der Hand. Also jeder ist herzlich eingeladen, insbesondere 21jährige Kunststudentinnen“, kündigte Pirinçci mit eher bemühten Scherzen auf seiner Internetseite an, als er die Lesung bewarb.

Bevor er sein Kapitel zum Publikum lallte, sprach er mit dem Moderator über die Rezeption und die harsche mediale Kritik an seinem letzten Buch: „Ich habe keine Nachteile. Ich könnte mich jetzt auch wichtig machen und sagen, ich hätte Todesdrohungen erhalten. Ich habe aber vielleicht drei Kritiken bekommen.“

Ob es um „die grün versiffte Presse“ ging, die die „Schwulen vergottet“(sic!), die „Verwaltungs- und Berufsschwulen“, die „Genderlesben“ oder gleich um die „aus dem Maul stinkenden Hartz IV-Migranten-Analphabeten“: Pirinçci ist eine der hasserfülltesten, wirrsten Stimmen, deren Aussagen leider von manchen Menschen für „Klartext“ gehalten werden. Aber eine fragile Argumentation wird zum Glück nicht dadurch standhafter, indem man sie lauter ausspricht.

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3 Lesermeinungen

  1. einfach nur furchtbar
    Wer finanziert diesem armen Kerl eine Entziehungskur?

  2. Akif Pirinçci
    Der Mann hat kein Benehmen. Ganz Unrecht hat er aber nicht. Und er wendet nur das an, was uns linke Befreiungsrhetorik und die sexuelle Revolution immer versprochen haben. Keine Eleganz, keine Zurückhaltung, kein Maß, keine Ehre, keine Würde, keine Verschwiegenheit, keine Tiefe, keine Beschränkung, keine Beschränkung des Verlangens. Nur kommt das Ganze jetzt von einem türkischen Rechtsausleger. Dumm gelaufen?

  3. Pirincci - Niveau
    An den „Rezensenten“: Sind Sie vielleicht ernsthaft der Meinung, dass sich Ihr ‚Kommentar‘ in Stil und Niveau von den Absonderungen Pirinccis unterscheidet??

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