Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Früher wurde mehr geknutscht

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20151016_232124Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Die ganz wilden Buchmesse-Zeiten sind längst vorbei. Und eine semi-offizielle Knutschparty gibt es auch nicht mehr. Dabei kann man der Dumont-Party im Mantis Roof Garden vorwerfen, sie hätte nicht alles getan, um für allgemeine Enthemmung zu sorgen. Prosecco wurde unter Bildschirmen ausgeschenkt, die den jungen Michel Houellebecq in ein Mikrophon singend und den alten Houellebecq verwirrt an einem Tisch sitzend zeigten.

Houellebecq als Hauspatron für eine Party – man sollte meinen, da könne nicht allzu viel schief gehen. Und dann spielte der DJ auch noch zu einem recht frühen Zeitpunkt „YMCA“, was auf den meisten Partys doch eine angenehme „Jetzt isses auch schon egal“-Haltung auslöst, die sich auf Alkoholmischgetränke, Tanzmoves und fremde Zungen gleichermaßen bezieht.

Allein, es funktioniert nicht mehr. Der Messe ist ihr Mojo abhanden gekommen. Nun ist es Freitagnacht, und im Grunde muss man den abenteuergesellschaftlichen Teil der Messe schon abschreiben. Denn eines wollen wir klarstellen: Auch diese Zeitung sieht sich der Aufgabe nicht gewachsen, bei ihrem traditionellen Buchmesse-Empfang am Samstagabend die Scharte noch auszuwetzen. Zu wenige Sofas stehen dort bereit, zu selten setzt sich überhaupt mal jemand ans Klavier, um für ein bisschen Stimmung zu sorgen, und zu abwegig scheint der Gedanke, jemand könne sich dazu hinreißen lassen, sein Jackett abzulegen.

So aber wird von dieser Messe beklagenswert wenig Tratsch in Erinnerung bleiben. Ach so, es geht bei der ganzen Veranstaltung eigentlich um Bücher? Echt jetzt? Ups.

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1 Lesermeinung

  1. Jetzt verstehe ich
    Mir hatte eine einschlägig tätige Freundin geschrieben, sie freue sich auf unsere gemeinsam geplante (kulturell hochwertige) Unternehmung in B. an der Spree nach ihrer Rückkehr – das werde „genau das Richtige sein nach diesem ganzen Partywahnsinn auf der Messe“. Und ich wusste nicht recht, wie man sich das im Jahr 2015 vorzustellen habe. Aber es ist wohl so wie bei den Berlinale-Partys.

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