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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

In der Buchmesse-Parallelwelt: Wo die Phantastik wohnt

| 2 Lesermeinungen

###© Andrea DienerEinhornsichtung beim BuCon!

Das Bürgerhaus Sprendlingen liegt in der Fichtestraße. Das meint wohl eher den Philosophen als den Nadelbaum, obwohl die Umgebung eher zweiteres vermuten lässt. Der Bau ist einer jener Bürgerhaus-Bauten in Würfelbauweise aus roten Ziegeln, die man in den frühen Achtzigern eben so hatte. Am Eingang gibts für jeden eine Perry-Rhodan-Tüte mit Informationsmaterial. Darin ist auch einen Raumplan und eine Liste der Lesungen. Sieben Parallelveranstaltungen im Stundentakt.

Ich bin beim Buchmesse-Convent, kurz BuCon. Zum dreißigsten Mal schon treffen sich hier am Buchmesse-Samstag alle, die irgendetwas mit Science-Fiction oder Phantastik im weiteren Sinne zu tun haben: Verleger, Autoren, Leser. Wolfgang Hohlbein und Bernhard Hennen sind die größeren Namen, dazu gibt es ein Panel zum Stand des Steampunks im Jahre 2015 oder einen Vortrag über Science-Fiction-Kurzfilme. Die BuCon ist eine Größe, wird aber von der Messewelt kaum wahrgenommen. Ich weiß davon, weil Ju Honisch, eine alte Freundin und Fantasy-Autorin, regelmäßig hier ist.

Ju stellt mir auch ihren Verleger vor, Oliver Hoffmann vom Mannheimer Verlag „Feder und Schwert“, einem der größeren unter den kleinen. Er bietet mir einen Apfel an und seufzt, er sei gestern auf der Messe gewesen, aber ein Tag reiche ihm völlig. Hoffmann ist in diesem Jahr nicht mit einem Stand vertreten, sondern nur hier, beim BuCon. Und natürlich will ich wissen, warum.

„Wichtigster Grund war, dass die Messe ein zu teures und zu unspezifisches Werbemittel für uns ist. In den ersten ein, zwei Jahren konnten wir noch neue Buchhandels- und Vertriebskontakte knüpfen, aber dann trifft man in jedem Jahr die selben Leute“, sagt er. „Es werden absurde Gelder aufgerufen für letztlich keine Gegenleistung.“ Und rechnet vor: Zwölf-Quadratmeter-Stand – 3500 Euro. Parkplatz extra, Strom extra, Wlan extra. Verkaufen darf er erst ab Sonntag Nachmittag, das bringt dann gerade noch 200 Euro ein. Wenn die Stände an allen Tagen verkaufen dürften, wie es dem Nonbook-Bereich erlaubt ist, dann könne er das leichter refinanzieren.

Auch der Pabel-Moewig-Verlag, Heimat von Perry Rhodan, ist dieses Jahr nur in Sprendlingen. Und ob Diogenes‘ Absage wirklich nur mit dem Franken zu tun hat, wagt Hoffmann zu bezweifeln. „Ich habe lauter Leute getroffen, die momentan sehr frustriert sind“, sagt er. Und das seien vor allem Mitarbeiter bei den größeren Verlagen.

Also geht Hoffmann das anders an und sucht den direkten Kontakt zum Kunden. Denn auf den Verkaufstischen der Buchhandlungen plaziert zu werden, ist schwierig geworden. „Wir müssen Orte finden, an denen wir direkt mit unseren Kunden sprechen können. Wenn wir hier auf der BuCon mit jemandem reden, geht der nicht weg, ohne ein Buch zu kaufen.“ Auch die Role Play Convention in Köln ist mittlerweile ein Treff für die Branche. Jährlich werde dort der Buchanteil größer, und es gab dort in diesem Jahr erstmals ein Lesecafé. Solche Aktionen erschließen ihm neue Leser. Die Buchmesse mit ihren reinen Fachbesuchertagen hingegen eher nicht.

Ju Honisch beim Verlag "Feder und Schwert". Alles ganz nah am Publikum.© Andrea DienerJu Honisch beim Verlag „Feder und Schwert“. Alles ganz nah am Publikum.

Ich flaniere mit Ju durch die Reihen. Wer hier ausstellt, gehört eher zu den kleinen Verlagen. Aber Diana Menschig ist Autorin bei einem der großen, bei Droemer-Knaur. Diana, so erfahre ich, möchte gern einen Verband der Phantastikautoren gründen. Das gibt es schon für Krimiautoren, für Autoren von Liebesromanen, aber für die Phantastiker eben nicht. Warum ist das nötig? frage ich.

„Es geht vor allem um Organisation und Vernetzung, aber auch darum, den Ruf der Phantastik zu verbessern.“  Da gebe es nämlich nicht nur Trash und Pulp, die Bandbreite sei genauso groß wie bei anderen Genres auch. Auch Ju will beitreten, um Bildungsbürgerängste abzubauen, wie sie sagt. „Warum sollte es nur schlechte Phantastik geben? Viele von uns haben Literatur studiert.“ Von den Verlagen kommt oft wenig, das Genre habe da kein gutes Standing, sagt Diana Menschig. „Es ist üblich, viel zu übersetzen.“ Heyne habe bis auf zwei deutsche Autoren alle abgesägt. Knaur hingegen bemühe sich zunehmend um ein Programm mit eigenen, deutschsprachigen Autoren.

Dann begebe ich mich zum Raum Deep Space 4, denn hier wird Ju gleich lesen. Interessanterweise sitze ich nicht auf einem Klotz zwischen unruhigem Standgerödel. Ich sitze auf einem gepolsterten Stuhl zwischen lauter konzentriert zuhörenden Menschen, die irritierend gesund aussehen. Das Netz ist unglaublich langsam, deshalb klickt kaum jemanden auf elektrischen Geräten herum, außer mir, weil ich mitnotiere. Es fühlt sich seltsam buchaffin an.

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2 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Hallo, Andrea, und vielen lieben Dank für diesen vielseitigen, informativen Artikel zum BuCon. Den Ausführungen zur Rentabilität der FBM können wir uns nur anschließen. Auf dem Foto ist übrigens unser Einhörnchen vom Verlag in Farbe und Bunt zu sehen :).

  2. Schön war's...
    Hallo, Andrea,

    schön war’s auf der Buchmesse :). Den Ausführungen zur Rentabilität können wir uns als Kleinverlag nur anschließen. Das auf dem Bild ist übrigens unser Einhorn, vom Haus in Farbe und Bunt 🙂

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