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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

„Die Buchmesse ist kein Rockkonzert“

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###Carsten Simon in der Sicherheitszentrale

Samurai-Schwerter, Diebstähle oder Tauben in der Halle: Carsten Simon ist Leiter der Ordnungs- und Sicherheitsdienste der Messe Frankfurt. Im Interview erzählt er, wie seine Leute auf verdächtige Personen reagieren.

Wie viele Mitarbeiter sind auf der Messe für die Sicherheit zuständig?

Es sind 175 Leute. Dazu kommen Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Polizei und der Feuerwehr. Wir vom Ordnungs- und Sicherheitsdienst machen die Einlasskontrolle, sind in den Hallen auf Streife und für die Bewachung in der Nacht zuständig. Wir sind auch dafür verantwortlich, dass die Besucher sich in den Foyers nicht zu sehr stauen.

Was ist das Besondere am Publikum während der Buchmesse?

Ich würde das Publikum auf der Buchmesse als intellektuell und extrem international beschreiben. Das spielt auch bei der Auswahl der Mitarbeiter eine Rolle. Im Moment sind eher Studenten im Einsatz, von denen viele mehrere Sprachen sprechen. Man kann allerdings nicht sagen, dass das Buchmessen-Publikum friedlicher wäre als das der anderen Messen. Das kann man so nicht kategorisieren.

Welche Aufgaben hat der Ordnungs- und Sicherheitsdienst auf der Buchmesse?

Das fängt bei den verlorenen Kindern an. Oft werden wir gerufen, wenn es jemandem schlecht geht und er einen Sanitäter braucht. Dann koordinieren wir das. Vorgestern hatten wir eine Taube in der Halle. Auch in so einem Fall werden wir erst mal angesprochen. Wenn jemand verdächtig aussieht, haben wir ein Auge drauf. Es kann auch sein, dass wir jemandem eine Weile lang nachlaufen und darauf achten, was er macht. Wir kümmern uns um herrenlose Koffer und sind in der Nähe, wenn bei Lesungen an Ständen viele Menschen zusammenkommen. Begleitschutz machen wir auch. Das heißt wir kümmern uns zum Beispiel darum, dass Autogrammjäger prominenten Autoren nicht zu nahe kommen. Auch wenn ein Stand bestohlen wird, sind wir gefordert.

Erwischen Sie die Diebe?

Mit der Zeit entwickelt man dafür ein Bauchgefühl. Wenn sich jemand an einem Stand komisch verhält, bleiben wir einfach mal stehen und schauen. Es passiert relativ oft, dass wir Leute beim Diebstahl erwischen. Das ist allerdings eher bei den Verbrauchermessen der Fall. Diebstähle sind auf der Buchmesse kein größeres Problem. Zumindest ist noch niemand zu uns gekommen, dem eine größere Menge Bücher gestohlen worden wären.

Wie sieht Ihr Tag während der Buchmesse aus?

Am Morgen haben wir eine Sicherheitsbesprechung, danach gehe ich über das komplette Gelände und achte darauf, dass jeder Mitarbeiter da steht, wo er stehen soll. Das mache ich drei Mal am Tag. Danach bin ich wieder hier in der Sicherheitszentrale, wo ich den Funkverkehr mithöre. Hier haben wir die Monitore, die uns einen Überblick über das ganze Messegelände geben. Ich schaue mir morgens vor allem die Eingänge an. Wenn es sich staut, muss ich herausfinden, warum das so ist. Ich muss prüfen, ob die Taschen ordentlich kontrolliert werden. Mittags achten wir vor allem darauf, dass einzelne Hallen nicht zu voll werden. Wir prüfen, ob wir Bereiche absperren oder Besucher umlenken müssen.

Sie haben bereits vier Buchmessen erlebt. Was hat sich in den letzten Jahren für Sie verändert?

Wir sind durch das neue Sicherheitszentrum, das es seit dem vergangenen Jahr gibt, schneller geworden. Die Reaktionszeit ist sehr kurz, weil hier die Sanitäter, die Polizei und der Sicherheitsdienst direkt nebeneinander sitzen. Bei manchen Autoren, die aus politischen Gründen umstritten sind, muss man eventuell besser in der Nähe bleiben, aber das ist variabel, das verändert sich jedes Jahr. In diesem Jahr war das zum Beispiel bei Salman Rushdie der Fall, der bei der Eröffnungsfeier eine Rede gehalten hat.

Haben Sie bei einer Buchmesse schon einmal eine brenzlige Situation erlebt?

Brenzlige Situationen erlebt man eher bei einem Rockkonzert als bei einer Buchmesse. Da herrscht in der Masse eine ganz andere Dynamik. Bei der Buchmesse geht es letztendlich um Meinungsfreiheit. Wenn jemand mit einem Buch, das am Stand ausgestellt wird, nicht einverstanden ist, darf er das natürlich so äußern, wenn er damit niemanden beeinträchtigt. Solange es nur eine hitzige Diskussion ist, halten wir uns raus. Nur wenn es handgreiflich wird, schalten wir uns ein. An eine solche Situation kann ich mich bei einer Buchmesse allerdings nicht erinnern.

Am Wochenende sind die Cosplayer auf der Messe unterwegs. Was bedeutet das für Sie?

Wenn am Freitag jemand als rosafarbenes Häschen in den Hallen herumgelaufen wäre, hätten wir uns das sicher mal genauer angeschaut. Am Wochenende gehören die Cosplayer einfach zur Buchmesse dazu. Bei ihnen muss man sich die Gegenstände anschauen, die sie dabei haben. Wenn zum Beispiel jemand als Samurai verkleidet kommt, müssen wir schauen, dass er kein echtes Samurai-Schwert dabei hat. Wenn es aus Plastik ist, haben wir damit kein Problem.

Gehen Sie auch privat über die Buchmesse?

Eher nicht. Wenn ich mal eine Pause habe, bin ich froh, wenn ich im Büro sitzen und einen Kaffee trinken kann. Ich bin auch nicht unbedingt ein Bücherwurm.

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