Literaturblog

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Fünf Tage Trubel: Wir bloggen von der Buchmesse

Kann das 3D-Ding etwa Bücher?

| 1 Lesermeinung

3. Oktober 2016. Konferenzraum des Gutenberg-Museums zu Mainz.

Handelnde:

Museumsdirektor
Marketingfrau
Konservativer Konservator
Praktikantin

Marketingfrau: „Jetzt ist ja auch bald Buchmesse, und wir haben das Konzept immer noch nicht finalisiert.“

Museumsdirektor: „Buchmesse? Schon wieder? Die wievielte ist das denn jetzt?“

Konservativer Konservator: „Die achtundsechzigste. Ich war von Anfang an dabei!“

Marketingfrau: „Ich hab da was ganz Innovatives gesehen, darüber reden gerade alle!“

Konservativer Konservator: „Jetzt gehen Sie mal raus, gucken, was über der Tür geschrieben steht, und überlegen sich, ob wir für Innovationen zuständig sind.“

Museumsdirektor: „Was meinen Sie denn?“

Marketingfrau: „3D-Drucker heißen die.“

Praktikantin: „Hab ich letztens in der Fußgängerzone gesehen! Die haben da für eine dreibeinige Katze…“

Konservativer Konservator: „Also, wenn ich mir meinen Nadeldrucker zu Hause so anschaue – ich bin sicher, das wird sich nicht durchsetzen.“

Marketingfrau: „Das ist was ganz anderes!“

Museumsdirektor: „Aber wir haben doch in den letzten Jahrzehnten einfach alles gemütlich wegignoriert. Nadeldrucker, Laserdrucker, Siebdrucker. Die Leute auf der Messe wollen gar nichts anderes als diesen Typen im Karnevalskostüm, der zwanzig Mal am Tag auf der komischen Druckerpressenreplik druckt!“

Marketingfrau: „Wir müssen trotzdem auch an die jungen Menschen denken.“

Praktikantin: „Ich hab letztens bei so ner Modebloggerin was gelesen, die hat so Fashionaccessoires…“

Konservativer Konservator: „Was sollten wir denn mit so einem Ding überhaupt drucken? Kann das etwa Bücher?“

Marketingfrau: „Nein, kann es nicht.“

Konservativer Konservator: (erleichtertes, doch verächtliches Schnauben)

Museumsdirektor: „Es muss aber schon einen Bezug zum Haus haben.“

Marketingfrau: „Man könnte eine kleine Druckerpresse drucken.“

Praktikantin: (kichert)

Konservativer Konservator: „Halten Sie das wirklich für möglich, ein so komplexes, ausgefeiltes Gebilde mit einem derart primitiven Verfahren …“

Museumsdirektor: „Johannes Gutenberg!“

Praktikantin: „Geil, in Pink!“

Konservativer Konservator: „Um Himmels Willen.“

Marketingfrau: „Ich finde das eine ganz frische Idee. Das wäre mal was anderes.“

Museumsdirektor (erleichtert): „Dann machen wir das doch einfach.“

Konservativer Konservator: „Wir werden uns zum Gespött der Messe machen!“

Und so geschah es.

 

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1 Lesermeinung

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    „Pink!“ Bei solch gruseligen Vorschlägen müßte sich die Praktikantin nicht wundern wenn sie nicht bezahlt wird.

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