Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Es ist nicht vorbei

| 4 Lesermeinungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

üblicherweise sagen wir um diese Zeit an diesem Ort: Die Messe ist zu Ende, das war’s für dieses Jahr. 2017 können wir das nicht sagen. Die Messe ist zu Ende, aber es sind dort Dinge vorgefallen, über die wir noch lange diskutieren werden.  Was mit friedlichen Protesten vor den Ständen der rechten Verlage begann, endete mit Prügeln, Verwüstungen, Beschimpfungen und einem halbgaren Statement der Buchmesse. Zumindest eines ist jetzt geklärt: Die Buchmesse ist kein Kurator, der gezielt Veranstalter ausschließt, sondern ein Organisator, der allen Platz gibt. Dass man allerdings auch als Organisator Risiken im Vorfeld einschränken könnte, indem man etwa die linken und rechten kleinen Verlage nicht in der gleichen Ecke plaziert, wäre eine Erwägung wert – selbst wenn die Aussteller selbst das durchaus spannend fanden, weil sie die Debatte schätzen.

Aber warum wurde die Debatte ausgerechnet in diesem Jahr zur gewalttätigen Konfrontation? Diese Verlage sitzen seit Jahr und Tag nicht durch Panzerglas getrennt. Hängt die Eskalation vielleicht mit dem Wahlergebnis der AfD zusammen: Haben die einen das Gefühl, sie müssten jetzt noch mehr gegen rechtes Gedankengut unternehmen, während die anderen denken, sie sind nun legitimiert, darauf mit Gewalt zu reagieren?

Wir werden uns mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob ausgerechnet die sonst so friedliche Buchmesse ein Indikator für den künftigen Stil der politischen Auseinandersetzung im Land ist. Die Organisatoren müssen sich fragen lassen, ob für die Sicherheit genug getan wird, wenn eine so kontroverse Person wie Björn Höcke auf einem Podium auftreten darf, dessen Zuschauerraum nicht so viel Platz bietet, dass die Polizei jederzeit mittendrin eingreifen kann – und schon gar nicht der Polizei die Möglichkeit bietet, Publikum und Demonstranten zu trennen. Es gäbe eine geeignetere Bühne auf der Buchmesse, das ist die Open Stage im Hof: Sie bietet Möglichkeiten für eine Trennung der Gruppen und jede Menge Platz drumherum, falls aufgrund einer Schlägerei Panik ausbricht. Aber es ist entsetzlich, sich solche Gedanken überhaupt machen zu müssen. Die Buchmesse ist nicht der Ort für politische Streitigkeiten im großen Rahmen und soll es auch nicht werden.

Denn die Buchmesse hat so viel anderes zu bieten. 2017 konnte man hier nicht nur Bücher betrachten, sondern auch lernen, wie man eigene schreibt. Das heimliche Gastland China beeindruckte mit seiner umfangreichen kulinarischen Darbietung, Boris Palmer und Ulrich Wickert erklärten Deutschland und Frankreich, und Harald Glööckler präsentierte, jawohl, die von ihm designte Bibel im Prachtschuber. Es ist eine Vielfalt, die es zu schützen gilt vor Menschen, die andere tätlich angreifen. Auf diesen Schutz müssen wir uns künftig verlassen können.

Bis zum nächsten Jahr. Bleiben Sie uns gewogen.

Ihr Buchmesse-Team

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4 Lesermeinungen

  1. War es das - wirklich?
    Der Satz “ … indem man etwa die linken und rechten kleinen Verlage nicht in der gleichen Ecke plaziert, …“ gibt m. E. die Ungeheuerlichkeit nicht korrekt wieder: Ein Veranstalter, der zu praktisch zum „Besuch“ von politisch Unkorrekten auffordert (- und wer aus Indymedia.de und aus anderen linksradikalen Blättern diese Formulierung kennt, der weiss, das damit Gewalt gemeint ist), und die lieben Kollegen Buchproduzenten, die nachts dafür sorgen, dass nur die von ihnen genehmigte Meinungsfreiheit in gedruckter Form auf der Buchmesse gezeigt wird – das ist doch das eigentliche Besondere an dieser Messe.

  2. Wer sich so sibyllinisch äußert...
    wie der Börsenverein und die Messeleitung, der darf sich nicht wundern, wenn die Antifa das als Aufforderung zu ihrer ganz eignen Art der Diskussionsführung interpretiert. Man hätte sicherlich klar auf die Meinungsfreiheit pochen und sich schützend vor die Pfuibäh-Verlage stellen können. Frankreich war doch Ehrengast der Buchmesse – da hätte das eine oder andere Zitat des Bestsellerautors Voltaire doch Leitlinie sein können, auch wenn dessen Auflagen in letzter Zeit zurückgehen.

  3. Die Möglichkeit zur Debatte?
    >selbst wenn die Aussteller selbst das durchaus spannend fanden, weil sie die Debatte schätzen.<
    Sie wissen schon welcher Aussteller eine solche bereits im Vorfeld explizit ausgeschlossen hat?
    Die Debattenkultur eines Herrn Bergmann könnte man auch einmal kritisch hinterfragen. Gewaltanwendung ist jedoch komplett inakzeptabel und zwar auf allen Seiten. Da stimme ich Ihnen voll zu, Frau Bähr

  4. Gewaltanwendung
    „Gewaltanwendung ist jedoch komplett inakzeptabel und zwar auf allen Seiten.“

    Keine Frage! Jedoch habe Gewaltanwendung von seiten der kritisierten Verlage bzw. ihrer Anhänger/Zuhörer nicht erlebt. Die Gewalt ging von links aus!

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