Literaturblog

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Unterwegs in den heiligen Hallen der Buchmesse 2017

Harald Glööckler – ein Streiter Christi

© Felix-Emeric TotaMacht jetzt auch in Bibeln: Harald Glööckler

Die Aufregung am Buchmessenstand der „Deutschen Bibelgesellschaft“ ist groß. Denn gleich kommt Harald Glööckler, auf seinem bunten Kreuzzug der Extravaganz. Seine Anhänger sind bereits zahlreich anwesend und bis an die Zähne bewaffnet mit Autogrammkarten – deshalb wird er von seinen Bodyguards abgeschirmt. Noch! Denn nach der Veranstaltung wird er sich Zeit für sie und ihre Karten nehmen und sich auf  ein Menschenbad einlassen. Die Rettungsringe trägt er an seinen Fingern. Groß und funkelnd sind sie, wie auch die Augen der Glööckler-Pilger bei seinem Anblick. Doch weswegen sind sie eigentlich alle hier versammelt? Aus dem selben Grund wie er auch: um sein neustes Produkt zu preisen.

Von Mode, Schmuck und Beauty-Artikeln über Bettwäsche bis hin zur Tapete: für jede Lebenslage hat Harald Glööckler etwas in seinem Sortiment. Um dieses Konzept von der Ding-Ebene auf die Geistige zu heben, stockt er seine Produktpalette nun um ein weiteres Manufakt auf: Eine Bibel. Ja, genau. Ich wiederhole: Harald Glööckler, der Mann mit dem Filzstiftbart, hat seine eigene Bibel designt. Amen.

 

Und diese stellt er auf der Bühne der „Deutschen Bibelgesellschaft“ im Gespräch vor. Der Stand ist mit kleinen Kaffeetischen versehen, auf denen diese großartigen Arztbonbons liegen (von denen im Übrigen niemand den offiziellen Namen kennt, auch nicht die Zuckerbäcker, die sie herstellen!). Dazu werden Kaffee und Glööckler-Postkarten gereicht.  Am Nebentisch sitzt eine Gruppe Frauen mittleren Alters, die zwar für Glööckler angereist ist, so jedoch auch am heimischen Wohnzimmertisch sitzen könnte. Die Damen lachen viel und unterhalten sich über die großen Themen der Welt – Geld, Liebe, Freundschaft, die eigenen Krankheiten – und empfehlen sich gegenseitig ihre Ärzte in Mikrorezensionen: „Dr. Graf ist ein brillanter Diagnostiker, doch man muss immer so lange bei ihm warten. In der Zeit wird man fast schon von allein wieder gesund.“ Das alles, Arztbonbons und Kaffeeklatsch, sorgt für eine wirklich familiäre Grundstimmung vor der Veranstaltung. Und dann wird es voll. Der Glööckler kommt, der Glööckler spricht.

Convenience-Gabentisch der Spitzenklasse: (v.l.) Glööckler, Arztbonbons und Medizinerrezensionen

Bei der schrillen Sonderedition handelt es sich um eine Lutherbibel, die von der „Deutschen Bibelgesellschaft“ bei Glööckler in Auftrag geben wurde. „Man muss provozieren, sonst entsteht kein Gespräch“, sagt er auf der Bühne. Das scheint wohl auch die Intention der Auftraggeber gewesen zu sein. Und so kam denn ein weiterer Merchandise-Artikel in die Welt. Das jetzige Cover des Schmuckschubers ist um das Thema Paradies und um Harald Glööcklers Gesicht herum gestaltet. Schriftzuglos steht er auf einem Schachbrettboden, umrankt von paradiesischer Botanik und neben seinem Hund, Billy King. Und das alles in einem wundervollen Wackel- bzw. Linsenrasterbild-Finish. Nur auf dem Buchrücken lässt sich erkennen, dass es sich um eine Bibel handelt. Einen der ersten Entwürfe für die Edition hat Glööckler thematisch um „Perlen vor die Säue“ angelegt, doch dann war ihm das Paradies nach eigener Aussage wichtiger. Die Bibel sollte man nach Glööcklers Meinung zur Lektüre nutzen und als Ratgeber im Alltag. Er selbst ist protestantisch getauft und hat sie gelesen. Sowie aber auch den Koran und diverse buddhistische Schriften.

Zudem erklärte Glööckler, habe er in einem Gottesdienst als Kind den Innenraum einer Kirche betrachtet und sich gedacht, „die könnte aber auch ein paar Kronleuchter vertragen“. Als er nach diesem Gottesdienst darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Luther das Pompöse aus den Kirchen entfernt habe, schien ihm Luthers Entrümpelung suspekt. Das glaubt man dem Mann mit den dicken Ringen an den Fingern sofort. Es muss halt was Besonderes sein. Das Business zwischen frommem Leben und Coffeetablebook ist hart umkämpft.

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