Literaturblog

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Die Frankfurter Buchmesse 2018

Schöne Grüße von der Buchmessebaustelle!

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Montags stinkt die Messe noch mehr nach Gummi als ohnehin schon, aber die Luft ist besser, denn die Zufahrtstore stehen sperrangelweit offen. „Früher wurde hier gequalmt, und Bier getrunken, ab morgens schon“, sagt der Lektor des kleinen Wiesbadener Verlags, aber das sei heute ja nicht mehr so. Dafür hört man Musik wummern, von Schweinerock bis Techno. Denn montags gehört die Messe noch den Handwerkern, kräftigen, tätowierten Typen, die große Trümmer wuchten und älteren Messebauern mit Wasserwaagen, die drüben bei Diogenes bedächtig Brett für Brett montieren, auf den Millimeter genau.

Am Wiesbadener Verlagsstand dübelt der Lektor noch selbst. Die Ikea-Regale stammen aus den Büros, die Lampen sind irgendwo eingelagert, die Stühle aus dem Besprechungsraum. Wie genau der ovale Tisch zusammengebaut gehört, weiß keiner mehr. Hat jemand ein Foto? Schließlich rettet ein Bild auf Instagram vom Messestand aus dem vergangenen Jahr die Sache, nun weiß man immerhin, wie das Ding hinterher aussehen soll und macht sich tapfer an die Arbeit.

Die ganz kleinen Verlage kommen ohnehin erst Dienstags. Die haben eine kleine Bude, ein paar gemietete Möbel, die Standardboxen eben, die müssen nur ein paar Bücher aufstellen und sparen sich die zusätzliche Übernachtung. Über den ganz großen Ständen hängen Lichtbühnen, und Herren in schwarzen Rollkragenpullovern rollen Pläne aus. In Holzkisten wird alles angeliefert, dann steht es im Gang herum, da ist kein Durchkommen, die Europaletten stapeln sich. Handwerker sitzen auf Kisten und essen Stullen. Erst einer der Freßstände in der Agora hat auf, der Nudelstand, aber besonders frequentiert ist er nicht. Das wird sich erfahrungsgemäß noch ändern, denn das Messepublikum bringt sich keine Stullen mit, das setzt sich in den Hof und isst schlechte Pommes.

Fünf Tage wird die Pracht halten, eine temporäre Installation aus Geschäft und Geist und Gemeinsinn und Geltungssucht, und, damit die Alliteration komplett bleibt, aus Gin-Tonic und Gammelhäppchen. Wir werden uns ab morgen wieder ins Geschehen stürzen und berichten. Denn gelesen und gestritten wird in jedem Fall.


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