Literaturblog

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Die Frankfurter Buchmesse 2018

Liebe Lesende und Leserinnen

| 10 Lesermeinungen

Liebe Gästinnen und Gäste, willkommen auf unserem Blog! Und bevor Sie sich jetzt echauffieren: das Wort „Gästinnen“ ist keine modische Entgleisung, sondern sehr alt und kommt schon in Grimms Wörterbuch vor. Man konnte das heute am Duden-Stand lernen, an dem das Für und Wider des Genderns debattiert wurde. In der ersten Dudenstandveranstaltung überhaupt und jemals. Das liegt daran, dass der Verlag neuerdings eine Reihe namens „Duden Debattenbücher“ herausgibt, in denen über Sprache gestritten werden darf. Und zwar konstruktiv und mit Argumenten.

Im neuesten Debattenbuch streiten die Aktivistin Anne Wizorek und Journalistin Hannah Lühmann darüber, ob sich die Geschlechtergerechtigkeit – die wir momentan anstreben, aber noch nicht so ganz erreicht haben – in der Sprache abbilden soll oder nicht. Und was das überhaupt ist, gendern. Die Doppelnennung, liebe Leserinnen und Leser, fällt für Hannah Lühmann nämlich eher unter Höflichkeit als unter Gerechtigkeit.

Anne Wizorek hingegen bemüht sich darum, auch im Alltag zu gendern, sie schreibt, liebe Leser_Innen, einen sogenannten Gender Gap, und bemüht sich auch darum, ihn mitzusprechen. Das tat sie nicht immer, über ihren ersten gegenderten Text stolperte sie noch, wurde dann aber nachdenklich. „Wir sind die männliche Norm so gewöhnt, dass wir sie als geschlechtsneutral wahrnehmen“, sagt sie, aber das sei sie eben nicht. Inzwischen fühlt sie sich von Texten, die im generischen Maskulinum geschrieben sind, nicht mehr angesprochen.

„Ich würde das Thema Geschlechtergerechtigkeit nicht an Sprache koppeln“, sagt dagegen Lühmann. Zwar gebe es derzeit viele Diskussionen, dass Sichtbarkeit und Repräsentation in den Künsten und in der Sprache geschaffen werden müsste, aber eine endgültige Antwort habe sie noch nicht gefunden. Ja, sagt auch Wizorek, das Geschlecht ist momentan einer der zentralen Kampfschauplätze. Sie könne die Abwehrhaltung in Sachen Sprache auch erst einmal verstehen, sei dann aber gerne die Erklärbärin. Denn gendergerechte Sprache sei sicher kein Allheilmittel, aber doch ein wichtiger Baustein.

Naja, und das sei dann doch problematisch, so wieder Lühmann, dass Wizorek denke, sie habe einen Punkt erreicht und andere seien einfach noch nicht soweit. Dabei gebe es durchaus hehre und gar nicht reaktionäre Gründe, warum man sich gegen das Gendern aussprechen könne. Zum Beispiel, dass das Kreisen um die richtige Sprache den Blick auf andere, größere Ungerechtigkeiten verstellen könne. Oder den, dass es eben eine präskriptive Grammatik sei, die vorschreibt. Und Sprache habe ja auch nicht die Aufgabe, korrekt zu sein. Ein spielerisches Verhältnis zur Sprache schließe auch die Möglichkeit ein, radikal zu entgleisen.

Merken Sie was? Unsere beiden Diskutierenden sind sehr zivilisiert und haben sich bislang noch kein einziges Mal angeschrien, was bei diesem Thema sonst schnell der Fall ist. Das musste auch der Duden-Verlag feststellen, der nach einem Haufen Anfragen zum Gendern einen Ratgeber veröffentlichte, der schlicht „richtig gendern“ hieß. Und mit einer, so Moderatorin und Redakteurin Kunkel-Razum, Beachimpfungskanonade teilweise sehr persönlicher Natur konfrontiert wurde, die bis hin zu Morddrohungen reichte. „Und wir waren durch die Rechtschreibreform schon einiges gewohnt.“


10 Lesermeinungen

  1. Da haben wir mittlerweile
    dutzende, wenn nicht hunderte Milliarden ausgegeben für Genderkunst-Professuren und -Studiengänge, Genderbeauftragte und -beabtragte. Und der Erfolg? Menschen wie Frau Wizorek können nicht einmal mehr unterscheiden zwischen Genus und Sexus. Ob Buchmessen und Buchmessinnen da noch helfen können?

  2. Wer sind die Lesenden?
    Mit den „Leserinnen“ meinen Sie wahrscheinlich weibliche Wesen, die lesen oder lesen können. In ihrer Gegenüberstellung müssten dann also die „Lesenden“ männliche Wesen sein. Wenn Sie das gemeint haben sollten, dann hätte der Klarheit wegen auch formuliert werden können: „Liebe Leser und Leserinnen“ (oder ästhetisch gewagter: „Liebe Lesende und Lesenderinnen“).
    Vielleicht meinen Sie aber auch, dass der männliche „Leser“ nicht erwähnt werden muss, weil er ja im „Lesenden“ mitgemeint ist. Klingt vernünftig. Wenn Sie das aber meinen, warum schließen Sie die Frauen aus den Lesenden aus und ergänzen eine weibliche Form, so als gäbe es zwei Typen von Lesefähigkeit. Die eine meint die reine Fähigkeit des Lesens und meint alle lesenden Wesen. Die andere meint Frauen, die nicht allein Frauen sind, sondern auch noch lesen können. Das halte ich nicht für sehr freundlich.

  3. Na, dann "gendert" mal schön...
    Der Begriff allein ist schon dämlich. Tut mir leid, vielleicht bin ich zu alt, aber ich sehe nicht, was ich und andere Frauen gewinnen, wenn es heißen muss „Leser und Leserinnen (oder „Leser-innen“?). Was ist überhaupt eine sogenannte „Geschlechtergerechtigkeit?“ Ergibt die sich etwa mittels Gendern? Soll ich mich etwa beschweren, weil ich meine beiden Kinder nach neun Monaten beschwerlicher Schwangerschaft unter Schmerzen geboren habe, was kein Mann mir hätte abnehmen können? Pardon, ich weiß sehr wohl, so ist das mit dem Gendern nicht gemeint. Aber dennoch: das Gender-Geschrei kommt mir albern vor. Haben wir keine anderen Sorgen? Ich habe mich jedenfalls in Nicht-Gender-Zeiten niemals herabgewürdigt gefühlt. Und fühle mich auch als schlichter Leser gut 😉

  4. Hauptsache wg Langweiligkeit unleserlich
    Zufällig den Artikel „Haubtsache schraibän!“ gelesen in der FAZ vom 10ten Oktober? Da gehts es auch um Schraibänner und SchraibännerInnen.

  5. Das -in muss weg!
    Die bisherigen Gender-Versuche wirken allesamt hilflos, provisorisch, sind Stückwerk und machen die deutsche Sprache noch umständlicher, als sie ohnehin schon ist. Genderismen finden sich zwar in allerlei amtlichen oder halbamtllichen Verlautbarungen, werden sich aber wegen ihrer Kompliziertheit in der Alltagssprache nicht wirklich durchsetzen können. Wenn schon Sprachgerechtigkeit, warum nicht konsequent? Wenn ich Frau wäre, würde ich mich über das Anhängsel “-in” empören, das das weibliche Geschlecht als Ableitung des eigentlichen Menschen, also des Mannes, gleichsam aus dessen Rippe geschnitten, kennzeichnet. Sprache kann auch ohne -in hervorragend funktionieren, wie ein Blick über den Ärmelkanal beziehungsweise über den Atlantik zeigt. Also liebe GermanistInnen und Gleichstellungsbeauftragt/innen: Fordert mehr wirkliche Sprachgerechtigkeit! Das -in muss weg!

  6. Aufgabe der Sprache
    Der schönste Satz: Sprache hat nicht die Aufgabe, korrekt zu sein.
    Sprache vermittelt meist Gedanken, das geht in vielen Sprachen, einschließlich z.B. Gebärdensprache. Wen ich mit meiner Sprache erreiche, werde ich erleben – das gilt für jeden von uns, aber auch für Internet-Portale, Zeitungen und Bücher. Also probieren wir einfach weiter und die Reaktionen der Angesprochenen werden uns den Weg in die Zukunft weisen.

  7. Es ist beruhigend
    zu sehen, dass unsere Gesellschaft sich die Befassung mit solchen „Problemen“ leisten kann, denn solange das der Fall ist, kann sie keine wirklich wichtigen haben.

    Denn das gendern ist relevant nur für kleine Randgruppen. Die natürlich versuchen, dem Zeug eine Bedeutung anzudichten, die es schlicht nicht hat für die große Mehrheit der Bevölkerung, egal ob Männer oder Frauen. Und die es auch nicht verdient.

  8. Gendern - aber dann bitte richtig
    wenn man meint für „Gerechtigkeit“ in der Sprache sorgen zu müssen, statt das generische Maskulinum zu verstehen oder die wirkliche Funktion von Sprache zu akzeptieren: dann gendern wir doch richtig – dann sollten Männer nicht mehr mit „Sie“ zig mal am Tag angesprochen werden, dann sollte „sie“ als Pronomen für eine Gruppe von Männern/oder gemischt entfallen usw.. Man muss das was Wirzork will, einfach mal nur konsequent (und nicht nur einseitig zu Gunsten von Frauen wie sie es macht) zu Ende denken. Und dann nochmal in sich kehren und gut überlegen – macht das ALLES Sinn?

  9. Wer sich auf den Gender-Sprech
    einläßt, muß sich auch der Frage stellen, wie der Plural im Gender-Selbstverständnis zu bilden ist. Bislang sagt man für die Mehrzahl von „der Mensch“ nämlich „die Menschen“, was ja die Damen – unzulässig – bevorzugt. Hier muß man konsequenterweise etwas anderes als „die Menschen“ sagen, da ja mit „die“ die weibliche Form bevorzugt wird.

  10. Titel eingeben
    Und wieder ein Haufen erwartbarer Kommentare von Kerlen, die das mit dem gendern natürlich nicht verstehen können. und diese arme Minderheit war nicht mal auf dem Podium vertreten bei diesem wichtigen Thema (ZENSUR!EINSELF!!!), das wie immer ausschließlich sie betrifft.
    TaschentücherIn?

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