Literaturblog

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Der Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt 2018

13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Die größte Gefahr geht immer noch von Rechten aus

© dpaDemo gegen Judenhass in Berlin

Gibt es Antisemitismus in Deutschland? Viele Menschen zweifeln daran, dass diese Debatte noch zeitgemäß ist. Auch die Teilnehmer der Gesprächsrunde „Fragiler Konsens. Judenfeindschaft heute“ auf der Frankfurter Buchmesse räumen ein, dass die Bundesrepublik sehr viel getan hat, um ihre nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten und zu überwinden. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnet die Deutschen gar als „Weltmeister der Erinnerungskultur“.

Inzwischen zeichnet sich hierzulande jedoch eine gefährliche Entwicklung ab: Beinahe 60 Prozent der Bundesbürger möchten einen Schlussstrich unter das Thema Judenverfolgung im Dritten Reich ziehen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit empfinden viele offenbar als Last. Bei der Debatte am Donnerstag thematisiert die Erziehungswissenschaftlerin Heike Radvan vor allem die Rolle der Pädagogen: „Antisemitische Ressentiments gibt es in allen Milieus der Gesellschaft, auch unter Erziehern. Dies und auch falsche Reaktionen auf antisemitische Äußerungen von Kindern oder Jugendlichen verstärkt deren Stereotype mitunter.“ Weiterlesen →

13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Vom Schaumbad in die Selbständigkeit

© Picture AllianceMuss ich mich hier auch rasieren? Als Frau in der Arbeitswelt hat man’s nicht leicht.

Kochen, backen, sticken, ja, aber: Sind Wesen von der Venus denn überhaupt für die Selbstständigkeit in der harten Männerwelt geeignet? Vielleicht nicht, und trotzdem müssen sie irgendwie, denn man muss ja heutzutage. Aber wie geht das überhaupt, wenn man doch nur ein schwaches Weib ist, das sich mit romantischen Komödien besser auskennt als mit der Steuererklärung? Für alle, die „erfolgreich als Frau“ den Weg in die Selbstständigkeit finden wollen, hat Martina Peukert im gleichnamigen Ratgeber allerhand Tipps zusammengetragen. Mit ihrem Ratgeber wirft sie die Gender-Debatte um Jahre zurück: Als erster Teil mehrerer Bände, wie auf dem Blog der Autorin angekündigt, strotzt er voller Verallgemeinerungen – Frauen ticken auf ihre eigene Art und Weise und dabei in jedem Fall ganz anders als Männer. Während „Erfolgreich als Frau“ den Anspruch erhebt, das geschlechtsunabhängige Unternehmerpotential einer jeden Frau zu entfachen, schießt es mit seinen Pauschalisierungen weit am Ziel vorbei.

Schon beim Vorwort, fragt man sich: Welcher Typ Frau plant einerseits eine Karriere als Selbstständige, nickt aber anerkennend, wenn die Autorin feststellt, Frauen verkaufen sich oft unter Wert, trauen sich einiges nicht zu, und obwohl sie doch fleißiger und gewissenhafter als Männer arbeiten, ist der Wunsch nach einem Chef, der den Tagesablauf durch konkrete Arbeitsanweisungen strukturiert, häufig weiblicher Natur? Weiterlesen →

12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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12. Okt. 2017
von Julia Bähr

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Suchen Sie sich einen langweiligen Verlag!

© Picture AllianceAuch Fische müssen manchmal getrennte Wege schwimmen.

Als Thomas Meyer vor einiger Zeit in einem Interview sagte, vier von fünf Paaren sollten sich trennen, war die Aufregung groß. Ähnlich groß wie damals, als er bei einer Schulfreundin erfahren hatte, dass Paare sich scheiden lassen können, nach Hause ging und das begeistert seinen dauerstreitenden Eltern vorschlug. Die Eltern sind heute noch zusammen. So gewinnt ein Autor manchmal sein Lebensthema. Und zahlreiche zauberhafte Weihnachtsfeste.

Nun laufen auf der Buchmesse einige Menschen herum, die nicht nur zu ihren Partnern schwierige Beziehungen haben, sondern auch zu ihren Lektoren, Autoren, Agenten. Da kommt Meyer mit seinem Buch „Trennt euch“ gerade recht, denn die Ratschläge passen ganz verblüffend auch zu jenen Schwierigkeiten. „Sie müssen kein sehr witziger Mensch [lies: Autor] sein, um einen Partner [Verlag] zu finden, aber sie sollten einen ähnlich witzigen Menschen [Verlag] erwählen.“ Also: Wenn Sie dröges Zeug schreiben wollen, suchen Sie sich einen langweiligen Verlag! Herrgott, es gibt doch genug davon! Umgekehrt gilt das natürlich auch: humorvolle Autoren brauchen humorvolle Lektoren. „Wie sollen Sie sich anerkannt fühlen von jemandem, der nie über Ihre Scherze lacht?“ Genau. Weiterlesen →

12. Okt. 2017
von Julia Bähr

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11. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton

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Mutige Medienschaffende

© APAhmet Şık auf einem Archivfoto

„Erdoğan hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“: Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum (FDP) ist sichtlich aufgewühlt, als er seine Laudatio für Ahmet Şık auf der Frankfurter Buchmesse hält. Şık ist Preisträger des diesjährigen Raif-Badawi-Awards, weil der „Cumhuriyet“-Journalist aufgrund seiner kritischen Berichterstattung derzeit in der Türkei in Haft sitzt. Am Schicksal des Mannes, der den Preis stellvertretend für die vielen ebenfalls eingesperrten Reporter in der Türkei erhält, gibt Baum ganz unverhohlen dem türkischen Präsidenten die Schuld.

Während der Preisträger an diesem Mittwochnachmittag nicht anwesend sein darf, hat sich einer unters Publikum gemischt, dem der immer restriktiver werdende Umgang der türkischen Regierung mit Medienschaffenden ebenfalls schmerzlich vertraut sein dürfte: Can Dündar. Aktuell lebt und arbeitet der Journalist in Deutschland, mithilfe von Interpol will ihn die türkische Staatsanwaltschaft angeblich bald suchen lassen. Ankara wirft ihm unter anderem die Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor; Ahmet Şık wiederum soll Propaganda für die Gülen-Bewegung betrieben haben. Die Ironie dabei: Der in der Vergangenheit bereits mehrfach angeklagte, investigative Reporter Şık kritisiert in seinem Buch „Die Armee des Imam“, dass die sogenannte „Hizmet“-Bewegung von Fethullah Gülen den Polizeiapparat und die türkische Justiz massiv infiltriert habe. Weiterlesen →

11. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton

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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Macht’s gut, und danke für das Fischrezept

© AP PhotoZusammen isst man weniger allein.

Es gibt niemanden, der nicht isst und trinkt, aber nur wenige, die den Geschmack zu schätzen wissen.

Konfuzius

Tausend Quadratmeter groß ist die Gourmet Gallery, und ein Zehntel davon gehört China. Genauer gesagt dem Konfuzius-Institut, Chinas Sprach- und Kulturvermittlungsstelle. Der Stand wurde Mittwoch Vormittag eingeweiht, ein Nudelmeister schwang Nudelteig mit artistischer Perfektion, knotete und rollte und schwang wieder, um eines dieser Gerichte herzustellen, die in China an jeder Straßenecke im Hocken weggeschlabbert werden, hinter denen aber ein, zweitausend Jahre Tradition stehen und ziemlich viel Luft nach oben, was die Qualität der Zubereitung angeht.

Eventuell ist es erklärungsbedürftig, warum China ausgerechnet mit einer Gourmet-Offensive auf der Buchmesse antritt, aber zum Glück gehören zum Rahmenprogramm auch eine Reihe Podiumsdiskussionen. Da sitzt Dr. Jing Wei vom Konfuzius-Institut, die erklären kann, was sie sich dabei gedacht hat. Und natürlich führt der Weg irgendwie über Schweinefleisch süß-sauer, jenem Klassiker der deutsch-chinesischen Küche, mit dem jeder irgendwann angefangen hat, seine Stäbchenfertigkeiten zu testen. Das sei so ziemlich das erste, was die meisten Menschen von chinesischer Kultur mitbekommen, sagt sie und hat, zumindest was Deutschland angeht, wohl auch recht.

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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Französinnen, ihr habt es besser!

© picture alliance / Everett ColleIsabelle Huppert in „Falsche Vertraulichkeiten“: Gibt es in Deutschland überhaupt Filmrollen für Frauen über sechzig?

Das Klischee geht ungefähr so: In Frankreich sind alle Frauen elegant, verführerisch und feminin, deutsche Frauen hingegen sind verbissene Spaßbremsen, flirten können sie auch nicht und womöglich sind sie auch noch unrasiert und Feministin. Das stellt Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, erst einmal so in den Raum des Lesezeltes, denn es ist ja nicht ganz aus der Luft gegriffen und womöglich hat es, wie viele Klischees, einen wahren Kern. Vergleichen wir also einmal Gastland und Gastgeberland anhand seiner Frauen – und den Lebensbedingungen diesseits und jenseits des Rheins.

Die Schauspielerin Maria Furtwängler erzählt, ihr Mann, der Verleger Hubert Burda, sage gern: „Oh, so jung und schon Französin“, als sei das eine Auszeichnung.  Maria Furtwängler erzählt in dieser Runde noch so einiges, zum Glück aber recht wenig über ihren Mann. Dafür aber, dass sie eine Studie initiiert hat, die Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen untersucht. Und die ergibt, dass in Deutschland Frauenrollen vor allem in Beziehungszusammenhängen vorkommen, nämlich im Alter zwischen zwanzig und dreißig. Für Frauen über vierzig gibt es hingegen kein Narrativ, die verschwinden einfach, die werden nicht dargestellt, über die gibt es anscheinend nichts zu erzählen. Über Männer diesen Alters hingegen schon. In Frankreich haben Frauen kein Alter, so lautet ein Bonmot des Modeschöpfers Yves Saint Laurent, in Deutschland haben sie vor allem ein Verfallsdatum. Vielleicht kommt daher diese gewisse Bitterkeit deutscher Frauen, so Furtwängler am Ende des Gesprächs, wenn es um den Feminismus geht – weil deutsche Frauen noch viel abhängiger seien.

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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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11. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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Die Bestseller-DNA

Zeit für eine Selbstanalyse! Aber nicht im Freudschen Sinne anhand freier Assoziationen – sondern so emotionsbefreit, wie es nur eine Software kann. Gottfried Benn hat ja schon gesagt: „Das Denken muss kalt sein, sonst wird es familiär.“ Das gilt dann wohl auch für die Analyse.

Also: Am Buchmessen-Mittwoch wurde eine Software vorgestellt, die das Bestseller-Potential eines Manuskripts auswerten kann, beziehungsweise: will. Das soll Verlagen helfen, unaufgefordert eingereichte Manuskripte zu sichten – ohne sie, nun ja, zu sichten. Das wäre kosten- und personalsparend und effizienter bei der Bestsellerfrequenz. Und die will ja jeder haben, denn – klar! – more is more.

Wie ihr Name „Bestseller-DNA“ schon andeutet, erfasst die Software den genetischen Bestseller-Code eines Manuskriptes. Wer im Biologie-Unterricht aufgepasst hat, der weiß, wie es um die Doppelhelix steht und woraus sich die Nukleinbasen im menschlichen Körper zusammensetzen. Bei der Bestseller-DNA verhält es sich etwas anders. Hier setzt sich das genetische Bestseller-Gut nicht aus Adenin und Cytosin zusammen, sondern aus dem sogenannten „Bestseller-Score“ und dem „Sentiment-Wert“.

Wie sich diese zusammensetzen, das möchte ich nun herausfinden. Nachdem ich letztes Jahr an dieser Stelle protokolliert habe, wie ich dank einer Buchmessenveranstaltung zu Autorenruhm und dem besten Roman in the history of ever gelangen werde (still in progress), möchte ich nun meinen noch geheimen Zweitling auf Best-Herz und Seller-Nieren prüfen. Die Software ist derzeit noch in der Entwicklung, daher ist dies lediglich ein Beta-Test. Fehler können also auftreten.

+++ Disclaimer: Die beschriebene Software „Bestseller-DNA“ befindet sich noch in der Entwicklung. Es gibt sie wirklich, doch der Beta-Test  geschah rein gedanklich – so wie es sein könnte. +++ 

Ich habe das Manuskript glücklicherweise vor ein paar Nächten fertig gestellt und kann die Datei also hochladen. Das Manuskript ist 354 Seiten stark und trägt den Titel „Den Namen ins Wasser geschrieben“. Es geht um Nikita Katastrov, einen Weiterlesen →

11. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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10. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Die Eröffnung: Europa, das Universum und der ganze Rest

© dpaEuropäische Zusammenarbeit: Ein Hämmerchen, drei Hämmerer.

Also, es ging um Europa. Um Deutschland und Frankreich und wie sie da so nebeneinander herhausen, aber auch wieder nicht. Denn natürlich haben diese Länder eine lange gemeinsame Geistesgeschichte, aber vor allem: Französisch sprechen ja nicht nur die Franzosen, sondern die halbe Welt (gefühlt) (von Franzosen). Und dann ging es noch um die Bücher, in denen sich diese Geistesgeschichte manifestiert, um die Übersetzer, ohne die eine gegenseitige Rezeption nicht möglich wäre, Frau Merkel möchte da einmal Danke sagen, um die Besonderheit des Kulturgutes Buch, das ja jedes Jahr wieder um diese Zeit an diesem Ort beschworen wird, und darum, dass dieses Gut gesetzliche Rahmenbedingungen braucht, die jetzt gerade nicht ganz optimal … – also Frau Merkel, machen Sie da mal was, ich mach ja, Herr Riethmüller, ich mach ja.

Wenn es im Großen dann aber rumpelt, weil der Nationalismus brodelt, weil Menschen, die keine Bücher lesen und um die lange, nationenüberspannende Geistesgeschichte nicht wissen, weil diese Menschen AfD oder Front National wählen, was hier und heute natürlich keiner gut findet und Oberbürgermeister Feldmann geht gleich morgen zu diesem Stand von diesem, dem rechten Verlag da und sagt denen aber mal die Meinung, gleich morgen, wer kommt mit?

Wenn es da also rumpelt und knirscht und das Projekt Europa mal wieder vor keiner Zukunft steht, dann macht man schnell einen Kulturaustausch mit jungen Menschen und lässt die eine Woche miteinander über Meinungsfreiheit reden und filmt das dann, ein packender Appell! sagt Herr Riethmüller vom Börsenverein, weil die jungen Leute es doof finden, wenn man seine Meinung nicht sagen darf und das dann auch sagen, dass sie es doof finden. An den jungen Leuten hängt ja alles, denen muss man Sprachen beibringen, die muss man Erasmus schicken, sagt Macron und nennt viele Philosophennamen, die meisten von allen, und vor allem die unbekanntesten, nicht nur bisschen Voltaire wie so Merkel, aber die ist ja auch Physikerin. Merkel kann übrigens kein Französisch, aber Macron sagt, Russisch ist ja auch eine europäische Sprache, das gilt auch, und dann ist Merkel wieder beruhigt.

Wir haben also dieses schöne Europa, auch wenn da ein paar Rechte drin hausen, aber um die kümmert sich ja der Feldmann morgen, und dann gibt es noch die anderen Länder, da landen Leute im Gefängnis und schlachten sich ab, und die Diktatoren hassen Bücher, weil die gefährlich sind, also sind wir hier ja sicher. Hier ist Frieden und Marktwirtschaft und demokratische Grundordnung, hier gibt es geistigen Austausch, hier beseelen wir einander, das sagt Franzobel, oder zumindest sagt Buchmesse-Chef Juergen Boos, dass er das sagt. Eine schöne Vorstellung ist das: Große Hallen voller Bücher, und alle, die dort durchlaufen, beseelen einander, leuchten ein bisschen auf, während sie aneinander vorübergehen, und sogar dieser rechte Stand da, der wird ein bisschen angeseelt, zumindest ganz zart am Rande. Das macht Europa, das machen Goethe und Voltaire und die Übersetzer und all die vielen unbekannten französischen Philosophen. Spüren Sie mal genau hin die nächsten Tage, vielleicht merken Sie es ja.

10. Okt. 2017
von Andrea Diener
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10. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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La Grande Bühne frei!

Très bien. Im Pavillon des diesjährigen Gastlandes kann man schnell den großen Marcel Proust zu Fall bringen. Dazu bedarf es aber nicht mal großer Anstrengung, Vorsätze, Kanonverachtung oder andere Literaturkritik – es reicht, sich nah an eines der vielen offenen Regal zu stellen und eine unachtsame Bewegung auszuführen. Eine kurze Drehung im Gespräch und – oh pardon! – ein Band der „Recherche“ geht mit einem Knall zu Boden. Hebt man das Buch wieder auf, um es zurück ins Regal zu stellen, erkennt man: Die großen Franzosen, alle sind sie da, alle beieinander. Proust, Hugo, Balzac und sogar der große, aber geächtete Louis-Ferdinand Céline stehen dort Spalier.

Frankreich als Literaturland muss man in Deutschland wirklich nicht mehr „entdecken“ – man kennt sich, man schätzt und übersetzt sich. Und als Land ist es mit der Grande Nation so wie auch mit den Nachbarn im eigenen Haus: Man bekommt oft mehr von ihnen mit, als sie glauben. Daher ist die Ausrichtung des französischen Pavillons auch eine andere als beispielsweise in den Vorjahren, in denen die Gastländer genuin sich selbst präsentiert haben.

Unter dem Motto „Francfort en français“ scheint der Auftritt des diesjährigen Gastlandes viel mehr ein buchmessenlanger Handshake zu sein. Hier geht es um Frankreich und Deutschland. Und in diesem Pavillon wird die deutsch-französische Freundschaft geknüpft und geknotet wie ein alles überstehendes Freundschaftsbändchen. Auch sprachlich rücken diese beiden Länder näher aneinander: Es wurde in der Halle auf ein gewisses Wording gesetzt, dass man als „francofiziert“ bezeichnen könnte. Wenn man beispielsweise die Bühne sucht, auf der ein großer Teil des Gastland-Programms stattfindet, dann muss man nur das Schild finden, an dem in dicken Lettern  „La Grande Bühne“ zu lesen ist. Weiterlesen →

10. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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