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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

30. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Unser Bürgermeister soll ein Schwachkopf sein?

Man kann nicht sagen, dass das Glück in Angoulême vollkommen gewesen wäre, als gestern gleich zwei Große Preise verliehen wurden. Nur merkte man davon nichts, denn die eigentliche Preisübergabe fand wetterbedingt nicht wie üblich auf dem Rathausbalkon, sondern in den repräsentativen Innenräumen statt, wodurch nur geladene Gäste etwas von dem mitbekamen, was geschah. Und das, was da geschah, erregte heute die Gemüter in der südwestfranzösischen Stadt, die sich viel auf zwei Dinge zugute hält: auf ihre illustre Vergangenheit als Sitz eines bedeutenden Grafengeschlechts und auf ihre Rolle als Comichauptstadt Europas. Deshalb wurden die beiden Preisträger nur sehr eingeschränkt gutgeheißen.

Bei „Charlie Hebdo“, der Satirezeitschrift, die drei Wochen nach dem Attentat auf ihre Redaktion, als erste in den Genuss eines Spezial-Grand-Prix kam, war an der Entscheidung nicht zu rütteln – alle in Angoulême stehen hinter dem Blatt. Aber das Blatt steht nicht hinter Angoulême. Deshalb entsandte die Redaktion keinen eigenen Mitarbeiter zur Preisverleihung, sondern ließ die Auszeichnung durch Jean Christophe Menu stellvertretend entgegennehmen. Menu ist als Zeichner und Verleger einer der streitbarsten Geister des französischen Comics und hatte als Aufgabe laut eigener Aussage nur eine Aufgabe: er selbst zu sein. Dann würde sich „Charlie Hebdo“ durch ihn blendend repräsentiert fühlen.

Bei seinen Dankesworten nahm Menu entsprechend kein Blatt vor den Mund. Keineswegs fühle sich „Charlie Hebdo“ von allen geschätzt, die sich nach den Morden als solidarisch erklärt haben. Man nehme nur den Bürgermeister von Angoulême. Das sei ein Schwachkopf, der die öffentlichen Bänke in seiner Stadt mit Heizstrahlern versehen habe. Der auf diese Weise wenig schmeichelhaft bezeichnete Würdenträger, der den Preis immerhin gerade erst an Menu übergeben hatte, machte offenbar gute Miene zum sarkastischen Spiel, doch die Lokalpresse schäumte am Freitag über diesen dreisten Dank. Wobei Menu abermals nur die Anregungen seiner Freunde von „Charlie Hebdo“ befolgt haben wollte, die sich über die Beheizung von Straßenbänken im Winter beklagt und ihn beauftragt hätten, diese anzuprangern. Dass es sich dabei um Satire der Redaktion eines Satiremagazins handeln könnte, kam in Angoulême wohl niemand in den Sinn.

Gravierender ist da die bereits einsetzende Kritik am eigentlichen Großen-Preis-Gewinner dem Japaner Katsuhiro Otomo. Die wichtigste europäische Comicauszeichnung gilt einem Lebenswerk, und der Sieger wird gleichzeitig zum Präsidenten des nächstjährigen Comicfestivals. In diesem Jahr war in Angoulême allerdings vom Präsidenten nichts zu sehen, denn Bill Watterson, Schöpfer der Comic-Strip-Serie „Calvin & Hobbes“, dachte gar nicht daran, sein selbstgewähltes und seit einem Vierteljahrhundert konsequent gewahrtes Inkognito zu lüften. Und 2016 droht wohl etwas Ähnliches. Niemand erwartet, dass Otomo, der sich nach dem Erfolg seines Manga „Akira“ in den achtziger Jahren ähnlich wie Watterson von den Comics weitgehend zurückgezogen hat, nach Frankreich kommen wird, um dem Festival vorzustehen. Dieses Desinteresse der Ausgezeichneten verletzt den Stolz der Menschen in Angoulême.

Deshalb werden wieder einheimische Preisträger verlangt (wobei man daran erinnern könnte, wie aktiv die beiden Amerikaner Robert Crumb und Art Spiegelman ihre jeweiligen Präsidentschaften betrieben haben). Aber unter den drei Finalisten um den Großen Preis gab es diesmal keinen einzigen Franzosen, und der Brite Alan Moore wäre im Falle seines Sieges gewiss auch nicht gekommen (der Belgier Hermann dafür umso sicherer, aber er gilt als politisch heikler Fall). Kurt gesagt: Früher war beim Festival alles besser. Und so sollte es nach dem Willen der Öffentlichkeit bitte wieder werden.

Doch was passieren kann, wenn man sich zu sehr an die Vergangenheit klammert, das war am heutigen Freitag im Theater der Stadt zu erleben. Dort war die neueste Ausgabe einer Besonderheit des Comicfestivals von Angoulême zu erleben: Um 14 Uhr stand ein Concert de dessins auf dem Programm. Diese Bezeichnung hatte Angoulême sich schützen lassen, als es das Prinzip vor zehn Jahren erfand: Comickünstler zeichnen auf der Bühne zu live gespielter Musik, und die Entstehung ihrer Bilder wird durch Kameras auf eine große Leinwand übertragen, so dass das Publikum im Saal ein synästhetisches Vergnügen hat. So weit so gut.

Ich erinnere mich an meine ersten Besuche von Concerts de dessins, damals bestritten von Blutch als alleinigem Zeichner beziehungsweise Dupuy & Berberian, einem Künstlerduo, das damals noch als untrennbar galt – und als ununterscheidbar in der jeweiligen Arbeit. Das Konzert bewies, dass die beiden durchaus unterschiedlich zeichneten, aber da stand eben ein eingeschworenes Team auf der Bühne; beide wussten, was der jeweils andere wollte, und so ergänzten sich ihre Bilder perfekt. Und Blutch duldete erst gar nicht jemanden anderen als Zeichner auf der Bühne. Zudem waren es damals Abendveranstaltungen. Auch das hat seine Bedeutung.

Diesmal standen nicht eine oder maximal zwei, sondern gleich acht Zeichner auf der Bühne, die in zwei Gruppen zu jeweils vier Personen kollektiv an ihren Bilder arbeiteten. Wirkte früher alles spontan aus dem Erlebnis der Musik geschaffen, so war diesmal alles bis ins Kleinste abgesprochen, was man sofort daran merkte, dass es einen vorproduzierten und zu Beginn des Konzerts eingespielten Film gab, der den Diebstahl eines Huts durch einen maskierten Herrn zeigte. Bestohlen wurde der Musiker Aleski Belkacem, und zwar in der Garderobe des Theaters von Angoulême (http://www.bdangouleme.com/571,concert-de-dessins).

Das war die Ausgangsbasis für das Konzert. Vier weitere Musiker (für Keyboard, Bass, Schlagzeug und Gitarre) kamen nacheinander auf die Bühne, doch noch bevor man sie überhaupt sah, wurden sie schon gezeichnet, und zwar täuschend echt, also vorher eingeübt. Aleski trat dann als Letzter auf, aber nur um sich zu weigern, seine Aufgabe als Sänger zu erfüllen, ehe sein Hut wieder da sei. Und so spielte seine Band dann eben allein, während Aleski mit dem Rücken zum Publikum schmollte und die beiden Zeichnergruppen auf ihren Bildern zur flotten Instrumentalmusik eine Verfolgungsjagd auf den Dieb inszenierten, die natürlich am Ende erfolgreich sein musste, damit das letzte Stück doch noch gesungen werden konnte. Ein in seiner Schlichtheit geradezu kindisches Konzept.

Das liegt daran, dass um 14 Uhr natürlich ein Großteil des Publikums aus Kindern besteht. Früher waren die Concerts de dessins ästhetische Erlebnisse, jetzt sind es reine Spektakel, auch wenn mit den Franzosen Jean-Louis Tripp und Alfred, dem Amerikaner Derf Backderf und dem Engländer Luke Pearson gleich vier international berühmte Zeichner agierten. Und Nie Jun aus China stahl allen die Schau, weil er binnen Sekunden Figuren auf dem Papier zum Leben erwecken konnte. Doch was hilft das, wenn die Handlung der zu erzählenden Geschichte so banal ist? Es war zwar bemerkenswert zu beobachten, wie einige Zeichner selbst für sie auf dem Kopf stehende Elemente eines Bildes ergänzen konnten, ohne dass es einen Bruch in den Linien gegeben hätte, doch das war mehr Artistik als Beseeltheit. Das Festival von Angoulême hat einen Mythos zugunsten größerer Popularität geopfert. Darüber aber beklagt sich niemand.

30. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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29. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Vergnügen ist gut, Sicherheitskontrolle ist besser

In Angoulême geht die Welt unter, es regnet in Strömen. Das treibt die Besucher in die Zelte mit den Ständen des Comicfestivals und in die Ausstellungen, doch vor deren jeweiligen Besuch sind Sicherheitskontrollen zu absolvieren, denn natürlich steht diese 42. Ausgabe des größten europäischen Comicfestivals unter einem ganz anderen Stern als alle seine Vorgänger: Seit dem Attentat vom 7. Januar steht die ganze Branche im Zentrum der Aufmerksamkeit und gilt als Speerspitze im Kampf der Kulturen. Und folglich gilt sie als höchst bedroht.
Zugleich bekommt sie mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor. Als am Donnerstag, dem ersten Tag des Festivals, ein kleiner Fehlalarm im Musée de la Bande Dessinée ausgelöst wurde, war der große Komplex binnen Minuten geräumt, inklusive der deutschen Botschafterin, die aus Paris gekommen war, um dort eine technische Errungenschaft zu präsentieren, die mit Comics gar nichts zu tun hatte, aber im selben Gebäude gefeiert werden sollte. Der Übereifer bei der Räumung hatte seinen Grund darin, dass am selben Ort auch die „Charlie Hebdo“-Ausstellung zu sehen ist, die in einer wahren Herkulesarbeit in kaum zwei Wochen organisiert wurde und hervorragend geraten ist.
In langen gewundenen Tischvitrinen liegen sämtliche Ausgaben der Satirezeitschrift aus, aber auch deren Vorgeschichte – also die des Magazins „Hara-Kiri“, für das fast alle Mitarbeiter des 1970 gegründeten Blatts gearbeitet hatten – wird präsentiert. Hier zeigt sich, was für ein Zentrum des französischsprachigen Comics Angoulême mittlerweile ist. Nicht nur das Museum steht hier, sondern auch eine gigantische Spezialbibliothek, deren Beständen sich der Großteil der Ausstellung verdankt. Private Leihgeber steuerten dann noch ein paar Plakate und Originalzeichnungen der „Charlie“-Zeichner bei, Interviews mit den Künstlern wurden für Bildschirme aufbereitet  – fertig war die Schau.
Wie lange sie gezeigt wird, weiß niemand in Angoulême. Zu rasch musste sie konzipiert werden, als dass man sich darüber bislang hätte Gedanken machen können. Es steht zu hoffen, dass sie nicht nach den vier Festivaltagen schon wieder abgebaut werden muss; normalerweise erlaubt der Standort im Museum mehrere Monate Laufzeit, so wie im Fall der parallel gezeigten, aber natürlich auch viel länger vorbereiteten Ausstellung zu Tove Janssons „Mumins“, die ein großer Erfolg bei den jungen Besuchern ist. Allerdings müssen auch sie durch die gleich doppelten Kontrollen der „Charlie“-Schau. Und es macht wenig Vergnügen, in den entsprechenden Schlangen zu stehen, während es von oben schüttet.
Abends am ersten Festivaltag war der Regen dankenswerterweise etwas weniger grässlich, als traditionell vom Rathausbalkon herab der Gewinner des Großen Preises von Angoulême verkündet wurde: Katsuhiro Otomo (http://grandprix.bdangouleme.com/). Der japanische Mangaka, berühmt vor allem durch „Akira“, ist der erste asiatische Künstler, dem diese Ehre widerfährt, erstaunlicherweise noch vor seinem Landsmann Jiro Taniguchi, der diesmal einer Stargäste in Angoulême ist und von den Franzosen vergöttert wird. So sehr, dass er sich bei einem bis auf den letzten Platz gefüllten kurzen öffentlichen Gespräch am Nachmittag aus dem Publikum fragen lassen musste, wann er denn endlich in seiner Heimat so bekannt werde wie in Frankreich. Taniguchi lächelte, nannte das eine interessante Frage, und verwies darauf, dass er Manga zeichne, die eine langsame Lektüre erforderten. Das sorge dafür, dass sie in Japan schnell wieder aus den Verkaufsregalen genommen würden.
Wenn der Wirbel um Taniguchi, dem jede französische Zeitschrift, die sich überhaupt für Comics interessiert, ihre Januar-Titelstory gewidmet hat, ein Indikator sein kann, was im kommenden Jahr blüht, wenn Otomo nach Angoulême kommt, dann dürfte das Comicfestival endgültig für den Manga gewonnen sein. Immerhin nahm Otomo die Preisverleihung im fernen Frankreich so wichtig, dass er schon drei Stunden nach Verkündigung aus Japan eine Videobotschaft zum Dank schickte. Dabei war ihm auf dem Balkon sogar noch die Schau gestohlen worden. Es gab nämlich erstmals zwei Große Preise, denn an „Charlie Hebdo“ wurde eine Spezialauszeichnung verliehen (http://grandprix.bdangouleme.com/14/grand-prix-special.html). Damit hat die aus ehemaligen Siegern und Vertretern der Stadt bestehende Jury des bedeutendsten Comicpreises der Welt ein wenig Terrain zurückgewonnen.
Denn sie war entmachtet worden – was ich bislang noch gar nicht wusste. Mittlerweile erfolgt die Vergabe des Grand Prix über ein Votum von mehr als 3500 französischsprachigen Comicschaffenden, mit dem erst einmal drei Finalisten und dann der Gewinner festgelegt werden. Diesmal standen neben Otomo der englische Szenarist Alan Moore und der belgische Zeichner Hermann zur Wahl. Für den Japaner stimmten dann 38 Prozent, also eine ziemlich dünne Mehrheit. Aber der über Jahrzehnte aktiven Jury blieb gar nichts mehr – bis das Massaker von Paris sie noch einmal forderte. Hoffentlich zum letzten Mal, wenn es dazu solcher Anlässe bedarf.
Und in einer der Kategorien für die besten Publikationen des vergangenen Jahres wurde auch schon der Gewinner bestimmt: Als bester Comic für junge Leser ist der erste Band der Serie „Les Royaumes du Nord“ (Die Königreiche des Nordens von Clément Oubrerie und Stéphane Melchior ausgezeichnet worden. Wie es der Zufall wollte, saß ich gerade im „Chat Noir“, der Stammkneipe der deutschen Festivalgäste, als sich ein junger Mann mit stolzgeschwellter Brust und drei hochgestimmten Begleitern nebenan niederließ und eine „Fauve“ (den von Lewis Trondheim gestalteten Hauptpreis in Form einer Cartoon-Katze) auf den Tisch stellte. Das war Stéphane Melchior, und näher werde ich wohl keinem anderen Preisträger des Festivals mehr kommen. Denn wenn die anderen Auszeichnungen am Sonntag Nachmittag vergeben werden, dürfte ich schon wieder auf dem Heimweg sein.

29. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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28. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Ein Comicfestival, das ganz Charlie sein wird

Dieser Eintrag wird in Tours geschrieben, einer französischen Stadt 210 Kilometer vor Angoulême, wo von morgen (Donnerstag) an vier Tage lang zum 42. Mal das größte europäische Comicfestival ausgerichtet wird. Natürlich steht es ganz im Schatten des Attentats auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ vom 7. Januar in Paris. Einer der dabei ermordeten fünf Zeichner war Georges Wolinski, der 2005 in Angoulême den Großen Preis der Stadt zuerkannt bekommen hatte und deshalb im Folgejahr Präsident des Festivals war. An ihn und an seine mit ihm gestorbenen Kollegen Jean Cabut, Stéphane Charbonnier, Philippe Honoré und Bernard Verlhac erinnert man sich in diesem Jahr in Angoulême besonders.

Die Preisträgerkollegen von Wolinski haben eine eigene Stellungnahme zu dem Attentat verfasst, und das Festival hat auf Facebook ein eigenes Hommage-Album angelegt (http://www.bdangouleme.com/648,le-dessin-et-ses-dessinateurs-sont-eternels), auf dem Zeichner ihre Arbeiten zu dem Pariser Massaker einstellen können. Und keine Geringere als „la fauve“, jene Katze, die Lewis Trondheim (Grand-Prix-Gewinner im Jahr nach Wolinski) als Maskottchen des Festivals gezeichnet hat, trägt das Schild „Je suis Charlie“.

Trondheim hat auch das erste Comic-Meisterwerk des neuen Jahres vorgelegt, das ich heute Nachmittag in einem Comicladen in Tours gekauft habe: „Capharnaum“, verlegt bei L’Association, dem Verlag, den der Zeichner selbst Anfang der neunziger Jahre mitbegründet hatte und den er mit fünf weiteren Kollegen vor drei Jahren vor der Pleite bewahrte. „Capharnaum“ ist das erste neue Trondheim-Werk, was seitdem dort erschienen ist, wobei es so neu gar nicht ist. „Récit inachevé“ (unvollendete Erzählung) steht auf dem Cover, denn die 275 jetzt publizierten Seiten sind der Torso einer ursprünglich angeblich auf fünftausend Seiten angelegten Geschichte, die Trondheim 2003 begann und 2005 abbrach. Damals begann just der Ärger um L’Association, der ihn für einige Jahre aus dem Verlag vertrieb.

Der Titel ist der Name einer fiktiven Stadt, in der sich eine aberwitzige Geschichte um eine Mörderbande abspielt. Sie wird von einer Spezialeinheit gejagt, die vor allem als Comic-Helden berühmt sind. Einer ihrer größten Fans ist Herr Hase, der unfreiwillig in die ganze Sache hineingezogen wird. Trondheim vermengt hier wieder etliche Genres, und wer das Ganze vor der Folie der “Charlie Hebdo”-Morde lesen will, der kann das tun, auch wenn alles schon vor zehn Jahren gezeichnet wurde.

Seitdem aber haben einige Vertrauenspersonen die in Notizbüchern gezeichneten Seiten von „Carphaneum“ gesehen und Trondheim zur Veröffentlichung geraten. Zu Recht. Es taucht darin nämlich das klassische Personal seiner Erfolgsserie „Lapinot“ (auf Deutsch: „Herrn Hases haarsträubende Abenteuer“) auf, und „Capharnaum“ ist überdies nicht weniger als die Fortsetzung jenes fünfhundertseitigen Albums „Lapinot et les carottes de Patagonie“, das Trondheim 1992 den Durchbruch beschert hatte. Zwar nicht die inhaltliche Fortsetzung, aber immerhin eine strukturell-ästhetische – „Capharnaum“ ist ein ähnlich frei erzähltes Abenteuer, auch wieder schwarzweiß gezeichnet und mit langen wortlosen Passagen.

Mit L’Association begann vor einem Vierteljahrhundert die Erneuerung des französischen Comics. Kein Wunder, dass der erfolgreichste französische Comic des vergangenen Jahres, „L’Arabe du futur“, von einem Zeichner stammt, der mit den Comics von Trondheim und Co. aufgewachsen ist und dann selbst bei L’Association publizierte: Riad Sattouf. Er ist mit seinem Bestsellercomic der heiße Kandidat für den Hauptpreis des besten Albums auf dem diesjährigen Festival, aber er käme auch als neuer Gewinner der Grand Prix in Frage, denn die Jury, die diese Auszeichnung verleiht (die früheren Preisträgern und Vertreter der Stadt), trifft sich erst auf dem Festival selbst. Und was könnte man sich als stärkere Reaktion auf die Pariser Morde vorstellen als die Auszeichnung eines Mitarbeiters von „Charlie Hebdo“?

Das ist Riad Sattouf. In der Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Novel Observateur“ von letzter Woche erzählt er auf zwei Seiten in einem kurzen Comic, wie er zu den „Charlies“ stieß. Er war 2004 wegen der Publikation seines Albums „La circoncision“ (Die Beschneidung) vor eine französische Kontrollkommission geladen worden, die über Verbote von Büchern entscheidet. Konkret machte man Sattouf den Vorwurf, mit seinem Vater (einem Syrer, der den Sohn gemäß muslimischen Regeln beschneiden ließ) in dem Buch zu respektlos umgesprungen zu sein. Der Zeichner suchte Beistand von Kollegen, die Erfahrungen mit dieser Kommission hatten, und wo hätte er diesbezüglich kenntnisreichere Leute treffen können als bei „Charlie Hebdo“, einem Magazin, dem bekanntlich nichts heilig ist? Man half ihm, und Sattouf wurde danach zum regelmäßigen Mitarbeiter, der im Heft wöchentlich seine Serie „La vie secrète des jeunes“ (Das geheime Leben der Jugend) veröffentlichte. Da er Redaktionssitzungen hasst, war er glücklicherweise am 7. Januar nicht dabei, als das Magazin ausgelöscht werden sollte.

Spannung ist also garantiert auf diesem Festival: Wie wird Angoulême der Toten gedenken, wie die Überlebenden feiern? Niemand konnte ahnen, wie brisant die diesjährige Veranstaltung werden würde. Ich selbst hatte sofort nach dem letztjährigen Festival nach mehrjähriger Pause wieder mal eines der raren Hotelzimmer gebucht, denn der Gewinner des Großen Preises 2014 und damit der Präsident des Festivals von 2015 heißt Bill Watterson. Mit „Calvin & Hobbes“ wurde der Amerikaner zu einem der berühmtesten Comiczeichner aller Zeiten, doch niemand kennt ihn persönlich, weil Watterson seit mehr als zwanzig Jahren völlig zurückgezogen lebt, keine Interviews gibt und keine Fotos von sich publizieren lässt. Traditionell wird dem letztjährigen Preisträger in Angoulême eine Sonderausstellung ausgerichtet, und schon das lohnt den Weg in den Südwesten Frankreichs. Und vielleicht wird Watterson ja wirklich da sein. Wobei ihn dann ja niemand erkennen würde. Aber allein die Hoffnung, dieser Legende einmal nahezukommen, sorgt für weitere Spannung. In den nächsten vier Tagen werde ich berichten, was in Angoulême geschieht.

 

 

28. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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26. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Was hat denn die für einen Kopf?

Seit fünf Jahren gibt der Louvre eigene Comics heraus, elf Bände sind mittlerweile erschienen. Die Reihe hat zwei programmatische Bedingungen: Die Geschichten müssen im Louvre selbst spielen, und es sollen gestandene Comickünstler sein, die sie erzählen. Klar, das größte und berühmteste Museum der Welt ist auf seinen Ruf bedacht.

Neun der bislang elf Comics stammen von französischen Zeichnern (nein, Frauen sind bislang nicht vertreten, auch wenn Loo Hui Phang für Philippe Dupuy immerhin ein Szenario verfassen durfte), darunter solch Berühmtheiten wie Enki Bilal, Nicolas de Crécy, Bernard Yslaire, David Prudhomme oder Marc-Antoine Mathieu. Die beiden Ausnahmen sind Japaner: Hirohiko Araki, der einen klassischen Manga für den Louvre zeichnete, und jetzt als elfter und somit aktuellster in der Serie Jiro Taniguchi. Über ihn habe ich schon mehrfach an dieser Stelle geschrieben, und somit kann ich meinerseits zwei Dinge wohl als bekannt voraussetzen: Taniguchi ist der angesehenste lebende Mangaka, und er zeichnet im Vergleich mit seinen japanischen Kollegen eher westlich, weil seine Liebe dem französischen Comic gehört. Deshalb ist er vom kommenden Donnerstag (29. Januar) an auch einer der Ehrengäste beim diesjährigen Comicfestival von Angoulême. Mal sehen, ob er mir da begegnen wird … Aber der französischen Fachpresse entnehme ich, dass die Plätze für seine Signierstunden verlost werden. Und Taniguchi soll sehr scheu sein.

Aber eben ein Frankophiler und in diesen Tagen zu Gast in Frankreich. Beste Voraussetzungen also für eine Zusammenarbeit mit dem Louvre (und dem Pariser Verlag Futuropolis, der die Bände vertreibt). Taniguchis Band heißt „Les Gardiens du Louvre“ (Die Schutzgeister des Louvre) und kommt im klassischen französischen Albenformat daher. Aber dann schon die erste Überraschung: Er will von rechts nach links gewesen sein, also so, wie Manga im Original gedruckt werden, und das hat man bislang bei Taniguchi-Publikationen im Westen stets vermieden. Der Louvre setzt damit ein Signal: Wir wollen so authentisch japanisch sein wie möglich (und wie das Manga-Publikum es liebt).

Worum geht es? Wie fast immer bei Taniguchi um einen einsamen Mann, einen Japaner, der im Mai 2013 zu einem spanischen Comicfestival gereist ist und auf der Rückreise ein paar Tage in Paris Halt macht, um sich dort die Museen anzusehen (Leseprobe: http://www.futuropolis.fr/planche.php?id_article=790344). Leider ist er krank, nur mit Mühe schleppt er sich aus seinem Hotelzimmer zum Louvre, wo er auch prompt einen Anfall erleidet. Als er aus seiner Benommenheit wieder erwacht, ist das zuvor überfüllte Museum leer, und eine seltsam in Rosaweiß gewandete Frau spricht ihn an, die sich als einer der Schutzgeister des Louvre vorstellt. Taniguchi lässt in seiner Erzählung bewusst offen, ob es sich bei allem, was dann folgt, nicht nur um Fieberhalluzinationen seines Protagonisten handelt.

Was konkret folgt, sind Streifzüge durch einen Louvre, wie ihn keiner kennt (nämlich weiterhin menschenleer) und Ausflüge in die Geschichte des Museums und der Malerei. Zum Beispiel trifft der japanische Gast den Landschaftsmaler Jean-Baptiste Camille Corot, Vincent van Gogh und den für die Räumung der Louvre-Bestände im Zweiten Weltkrieg zuständigen Mitarbeiter – und das jeweils in ihrer Epoche. Der gute Schutzgeist, der diese Zeitreisen ermöglicht, entpuppt sich als Nike von Samothrake, deren weltberühmte Skulptur im Treppenhaus des Museums steht. Dass Taniguchi aus der reichen Auswahl an Artefakten des Louvre  ausgerechnet ein Objekt wählt, dem der Kopf und die einstige Bemalung fehlen, so dass man nicht sofort auf die Identität der jungen Dame in Rosaweiß kommt, ist ein geschickter Kunstgriff – andererseits aber habe zumindest ich mir die Nike (zugegebenermaßen mein Lieblingsobjekt im Louvre) ganz anders vorgestellt. Sie ist dann doch nur eine der vielen Taniguchi-Frauen, die bewusst ähnlich austauschbar gehalten sind wie seine männlichen Helden.

Immer, wenn Taniguchi farbig arbeitet, verliert seine Graphik an Charme. Das ist auch hier so. Was wäre das in Schwarzweiß für ein Fest gewesen, aber so etwas kauft der Louvre-Besucher wohl eher nicht. Man kann es sich – wenn auch in anderem Format – exemplarisch in seiner jüngsten deutschen Publikation ansehen: der Kurzgeschichtensammlung „Der Gourmet“ (erschienen bei Carlsen). Alles wie gehabt – ein Japaner mittleren Alters durchstreift Tokio, diesmal auf der Suche nach gutem Essen. Und natürlich ist alles schwarzweiß, weil die Geschichten ursprünglich für japanische Manga-Anthologien gezeichnet wurden. Das übrigens schon in den neunziger Jahren. Weshalb der dokumentarisch-klare Stil von Taniguchi eine Stadt rekonstruiert, die es heute kaum noch so gibt, mit den Straßenzügen, Menschen und vor allem Accessoires von damals.

Farbe kleistert solche Genauigkeit zu, oder um es brutal zu sagen: Der Louvre sieht nicht so aus, wie Taniguchi ihn koloriert. Er wird zur Fantasywelt, und das passt ja auch zur Geschichte, die erzählt wird, aber die wahre Stärke von Taniguchis Zeichnungen, ihr Realismus, kommt dadurch nicht zur Geltung. Die Farben unterstützen die elegisch-romantisierende Stimmung, die in allen Manga dieses Autors herrscht, zusätzlich, und das tut der Sache nicht gut, weil es zu viel des Wehmütigen ist. Zumal Taniguchi die Geschichte in einer Apotheose gipfeln lässt, die mit „Kitsch“ wohl noch freundlich umschrieben ist.

Aber natürlich muss man alles lesen, was man von ihm kriegen kann. Selbst weniger gute Geschichten von Taniguchi sind immer noch besser als fast alles andere. Und so ist meine Vorfreude auf Angoulême, wo es eine Ausstellung seiner Werke geben wird, immens. Von Donnerstag an, wenn alles klappt, zu ihm und allem anderen auf dem Festival mehr an dieser Stelle.

26. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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18. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Das furiose Doppelspiel des Königs

Als Ralf König vom Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ erfuhr, machte ihn das sprachlos. Er, der wie kein zweiter prominenter deutscher Comicautor in Wort und vor allem Bild für die Meinungsfreiheit eingetreten ist, flüchtete sich in die Arbeit und gab keinen Kommentar zum Ereignis ab. Mit  „Prototyp“, „Archetyp“ und „Antityp“, seiner Comictrilogie nach Bibelmotiven, hat König erfahren müssen, was für einer Kritik man sich in religiösen Kreisen aussetzt, wenn man die Kraft des Lachens gegen die des Glaubens setzt. Dass solche Kritik in Mord umschlagen kann, hat König nicht überrascht; das Ausmaß des Massakers schon.

Aber er hat es auch satt, sich von Fanatikern das Leben und die Kunst vergällen zu lassen. Nach dem religiösen Furor hatte König sich deshalb zuletzt wieder auf seine langlebigsten Figuren, auf die seit 1989 immer wieder von ihm gezeichneten (und seit 1993 als eigene Comicalbenreihe veröffentlichten) Konrad und Paul, zurückgezogen. Und das diesmal gleich mit einer doppelten Publikation: Im vergangenen Frühjahr erschien bei Rowohlt, Königs Stammverlag fürs Populäre, der Band „Raumstation Sehnsucht“, jetzt legte König noch nach mit „Barry Hoden – Im Weltall hört dich keiner grunzen“, einem homoerotisch expliziteren, oder sagen wir besser: drastischeren Comic, der deshalb seinen Platz im einschlägigen Männerschwarm-Verlag gefunden hat.

Zwei Comics innerhalb eines Jahres, das ist bei König nichts Ungewöhnliches. Eine Besonderheit aber ist die Verknüpfung der beiden Bände, denn „Barry Hoden“ ist die Fortsetzung von „Raumstation Sehnsucht“, allerdings nicht vorrangig  in dem Sinne, dass darin etwas zu Ende gebracht würde, das der Vorgängerband  offen gelassen hätte. Vielmehr wechselt König die Schwerpunkte aus: Im Rowohlt-Band (Leseprobe unter http://www.rowohlt.de/fm90/131/Koenig_Konrad_Paul_Raumstation_Sehnsucht.pdf) steht Paul im Mittelpunkt, der gerade an einem schwulen Science-Fiction-Epos schreibt, dann aber wegen familiärer Probleme aus Köln zu seiner schwangeren Schwester nach Frankfurt am Main reist und dort seinen Schwager trifft, der, gelinde gesagt, Pauls sexuellem Beuteschema entspricht. Gleichzeitig verliebt sich der in Köln zurückgelassene Konrad in seinen schüchternen Klavierschüler. Und zwischen all diesen Irrungen und Verwirrungen sind Kapitel aus Pauls Weltraum-Roman eingeschoben, dessen Held den Namen Barry Hoden trägt.

Man kann sich also denken, was sich nun in dem nach dieser Figur benannten Band (zu dem es leider keine Leseprobe gibt) ändert: Hier steht das Raumfahrtabenteuer im Mittelpunkt, während die Liebes- und Schreibprobleme von Konrad und Paul die Funktion von Intermezzi annehmen. Hatte König in „Raumstation Sehnsucht“ die Barry-Hoden-Kapitel meist  noch in Prosa erzählt und zunächst nur durch Einzelillustrationen ergänzt, die zudem schwarzweiß gehalten waren, wird das Ganze nun zum durchweg farbigen Comic, was die bisherigen Genregrenze innerhalb der Handlung einreißt. Das allerdings wr im ersten Teil schon dadurch angelegt, dass auch hier der gezeichnete Anteil am „fiktiven“ Erzählen immer größer wurde. Subtiler also war „Raumstation Sehnsucht“, schon allein deshalb, weil der Titel des Buchs nicht einfach eine Persiflage auf das Theaterstück „Endstation Sehnsucht“ ist, sondern tatsächlich einige Strukturen des Geschehens ihren Ursprung in Tennessee Williams‘ Drama haben.

Dafür ist „Barry Hoden“ lustiger, weil Ralf König hier seiner Phantasie (und nicht nur der sexuellen) freien Lauf lässt. Auch dieser Titel persifliert: die deutsche Science-Fiction-Serie „Perry Rhodan“, doch mit diesem Vorbild hat die Handlung im zweiten Buch nichts gemein. Der Paul nicht ganz zufällig sehr ähnlich sehende Barry Hoden wird durch ein Schlurchloch in einen weit entfernten Teil der Galaxis verfrachtet, in dem eine seltsam entsexualisierte Gesellschaft lebt, die ihm den Wissenschaftler Gon Rath als Betreuer zuteilt, der ebenfalls nicht ganz zufällig wie Konrad klingt und aussieht (wenn auch ohne Brustwarzen und Testikel). Was im ersten Teil mangels zahlreicher Bilder noch rein durch Text vermittelt wurde – die Überführung von Pauls und Konrads Eheproblemen in den Science-Fiction-Roman des Ersteren –, das ist hier Auslöser einer wilden Parodie, in die jetzt das ganze Personal aus der „realen“ Welt miteinbezogen wird, also auch Konrads alte Freundin Brigitte, Pauls Schwester und der angebetete Schwager sowieso.

König zeigt sich auf der Höhe seines erzählerischen Könnens – und im Verteilen der beiden Bücher auf die jeweils passenden Verlage auch auf der Höhe seiner strategischen Werkplanung. „Barry Hoden“ dürfte er Rowohlt gar nicht erst angeboten haben, und so kommt Männerschwarm (als gleichfalls langjähriger König-Verlag) auch noch zum dickeren der beiden Teile (223 vs. 155 Seiten). Was sich in „Raumstation Sehnsucht“, aber auch in „Archetyp“ schon andeutete – die Einbeziehung von Fotos in die Hintergründe der Panels –, hat König hier vor allem bei Planetenansichten ebenso rigoros wie virtuos gehandhabt: So bekommen seine Himmelskörper durchaus anzügliche Oberflächen. Es dürfte dem Zeichner einen Heidenspaß gemacht zu haben, sich die geeigneten Partien dafür auszusuchen.

Großartig auch der Bogen, den die Handlung bei allen Unterschieden im Aufbau über die beiden Bände hinweg schlägt. Viele Leitmotive der Figurenkonstellationen kehren wieder, werden zart (soweit dieses Wort bei König angebracht ist) variiert und münden am Schluss von „Barry Hoden“  in einem Finale, das so wunderbar konstruiert ist, dass man endgültig bestätigt sieht, was König ja schon immer behauptet hat: dass in Paul wie auch in Konrad vor allem er selbst steckt. Also sind beide trotz allen Kapriolen ihrer Partnerschaft untrennbar. Und ihnen folgen wir tatsächlich noch lieber als auch dem schärften politischen Kommentar ihres Schöpfers. Denn der wäre nicht überraschend. Das Leben von Konrad und Paul dagegen ist es.

18. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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13. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Der Mann, der New York umkrempelte

Kurz vor Silvester bin ich durch Brooklyn gegangen, zum Hafengelände hinab, dem alten Herz des New Yorker Stadtteils mit fast drei Millionen Einwohnern. Oberhalb des Gowanus Expressways, der sich auf hohen Stelzen quer durch das Viertel zieht und sich dann auch noch verzweigt, links in die Zufahrt zum Hugh-L.-Carey-Tunnel, rechts in den Brooklyn-Queens-Expressway, ist das Stadtbild kleinteilig und lebendig, dahinter folgen die Red Hook Houses, für die 1938 radikal alle Altbebauung abgebrochen wurde, damit hier in jeweils uniformen Backstein-Sechsgeschossern neuer Wohnraum für mehr als 2500 Familien geschaffen werden konnte. Der Abriss veränderte das Viertel unwiderbringlich, und der Expressway sorgte zusätzlich für die Abtrennung und Isolierung der Südspitze des alten Brooklyns.

Verantwortlich dafür war Robert Moses, ein 1888 geborener Stadtplaner deutschjüdischer Abstammung, der ununterbrochen von 1924 bis 1968 für die Entwicklung New Yorks verantwortlich war. Er machte die Stadt autogerecht, erschloss Naherholungsgebiete in der Umgebung für die Mittelschicht, ließ Hunderte von kleinen Spielplätzen auf Grundstücksbrachen errichten und genehmigte Bauten wie das Rockefeller Center, die Verrazano Bridge oder eben die Expressways. Er arbeitete neben (nicht unter) fünf Bürgermeistern, sechs Gouverneuren und sieben Präsidenten, und als der Gouverneur Nelson Rockefeller ihm die Einnahmen aus den Straßengebühren wegnahm, mit dem Moses sein Planungs- und Bauamt finanziell autark hatte halten können (was den Bau weiterer Expressways, Brücken oder Tunnel begünstigte), war der Stadtplaner entmachtet.

Ein Leben so groß wie die Stadt, in der es sich abspielte. Und eines, bei dem man die Bilder schon vor sich sieht: riesige Horizontalen für die Strände, Brücken und Straßen, die Moses gestaltete, gewaltige Vertikalen für die New Yorker Hochhäuser, die dafür den Rahmen boten. Ein idealer Stoff also für einen Comic, und das konnte jemandem wie Pierre Christin nicht entgehen, der für diverse französische Zeichner wie Bilal, Mezières, Boucq und andere Große Szenarien mit bisweilen phantastischen Architekturvisionen (vor allem in Mezières “Valerian und Veronique”) geschrieben hat. So fand ein amerikanischer Stadtplaner seinen Biographen in einem Franzosen.

Natürlich gab es schon zuvor Bücher über Moses, dessen Schaffen schon zu Lebzeiten (er starb 1981) kontrovers beurteilt wurde. Der mittlerweile sechsundsiebzigjährige Christin aber hat in mehrfacher Hinsicht einen attraktiv fremden Blick auf den New Yorker: nicht nur als Franzose, sondern auch als Philosoph, Historiker, Ästhet, und das alles merkt man seinem Szenario zur gezeichneten Biographie von Robert Moses an. Es ist akribisch recherchiert, auch durch mehrfache Besuche in New York. Der einzige Wermutstropfen ist, dass nicht jemand wie Francois Schuiten (der gemeinsam mit Benoit Peeters die Sereie “Die geheimnisvollen Städte” als Idealbild aller urbanistischen Comics geschafen hat und die Realität hasst, aber den Visionär Moses geliebt hätte), sondern der zweiundvierzigjährige Zeichner Olivier Balez das Szenario umgesetzt hat.

Wobei das gar nicht schlecht aussieht (eine ungewöhnliche Einsichtmöglichkeit unter http://www.nobrow.net/16678), nur mangelt es am Schuiten-typischen Pathos (das auch Mezières hat) und Aberwitz, der zu Moses so gut gepasst hätte, auch in dessen Betonung von Modernität. Balez nämlich taucht seine Seiten in eine dunkle Kolorierung, die viel eher das New York des frühen zwanzigsten Jahrhunderts heraufbeschwört, als die vibrierende Stadt nach Überwindung der Depression (durch die Moses etliche Projekte genehmigt bekam, die dann die Basis für seine Hausmacht bildeten). Nicht einmal in den sechziger Jahren, als sich Bürgerprotest gegen Moses‘ rücksichtslosen Umgang mit den alten Strukturen regte, hellt es sich im Comic auf. Dabei tritt im vierten und letzten Kapitel mit der Aktivistin Jane Jacobs erstmals ein ernstzunehmender Gegner auf, die für eine menschen- statt autogerechte Stadt eintrat.

Natürlich hätte man diesen Comic auch vorstellen können, als er im französischen Original oder auf Deutsch bei Carlsen erschien (beides im letzten Sommer). Aber nun, kurz danach, ist er auch auf Englisch herausgekommen, noch dazu im fabelhaften Nobrow Verlag, dessen Bücher zum Schönsten gehören, was es zu lesen gibt. Und da es ja um einen Amerikaner geht, ist es nur passend, sich dieser Übersetzung anzunehmen. Die Nobrow-Gestaltung macht (obwohl sie bildidentisch mit dem französischen Original ist) durch besseren Druck aus Balez‘ dunkler Graphik eine Tugend und bietet das ganze dar wie einen Noir-Film. Und das passt dann auch wieder, obwohl man Christin nicht den Vorwurf machen kann, Moses dämonisiert zu haben. Was ich tun würde, wenn ich an seine gewaltsame Teilung Brooklyns denke.

13. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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05. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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Als man den Vater von „Vater & Sohn“ in den Tod trieb

Als ich irgendwann im abgelaufenen Jahr nachts über einem Aufsatz zu e.o.plauen saß, lenkte ich mich mit einer E-Mail an eine Freundin in Neuseeland ab. Sie fragte zurück, was mich zu dieser tageswachen neuseeländischen Zeit noch arbeiten ließe, und ich schrieb es ihr. Sie kannte e.o.plauen nicht, doch als ich ihr ein paar Bilder aus „Vater & Sohn“ schickte, war sie begeistert und meinte, man sehe den Zeichnungen die Menschenfreundlichkeit ihres Schöpfers an. Da wusste sie noch nicht, wann Erich Ohser alias e.o.plauen gezeichnet hat und wie er gestorben ist.

Aber sie hatte ja recht: Ohsers „Vater & Sohn“ ist ungeachtet dessen, dass er von 1934 bis 1937 erschien, also im nationalsozialistischen Deutschland, der Inbegriff eines humanistischen Comics. Der allerdings den Nazis durchaus gefiel, so gut, dass Goebbels persönlich den Künstler im Jahr 1940 als Karikaturisten in sein Renommierblatt „Das Reich“ holte, nachdem er es dem 1903 geborenen Ohser schon 1934 ermöglicht hatte, überhaupt wieder als humoristischer Zeichner zu arbeiten, obwohl der in der Weimarer Republik als scharfer Gegner des Nationalsozialismus  aufgefallen war. 1944 jedoch war der künstlerische Kredit beim Propagandaminister  aufgebraucht: Als Ohser vor dem Volksgerichtshof in Berlin der Wehrkraftzersetzung angeklagt wurde, weil er angeblich die NS-Führung geschmäht hatte, setzte Goebbels persönlich den Blutrichter Roland Freisler für die Verhandlung an und stimmte sich vorab mit diesem über das Todesurteil ab. Der verzweifelte Ohser brachte sich in der letzten Nacht der Untersuchungshaft in der Zelle um.

Es ist eine grässliche Episode der Comicgeschichtsschreibung, auch wenn das schlimme Schicksal Ohsers nach dem Krieg dazu beigetragen hat, dass seine Figuren weltberühmt wurden. Aber das war sein Leben nicht wert und „Vater & Sohn“ als Serie allemal gut genug, um sie vor dem völligen Vergessen zu bewahren. Zumal die meisten Episoden wortlos waren, was ihre internationale Verbreitung natürlich begünstigte. Auch die neuseeländische Freundin hatte ja sofort einen Zugang zu dem deutschen Comic.

Nach seinem Freitod wurde Ohsers Leiche seiner Witwe übergeben – die Überreste seines Mitangeklagten Erich Knauf, der verurteilt und hingerichtet wurde, sind auf Anordnung des Gerichts an unbekanntem Ort verstreut worden; dieses Regime war perfide bis zum Letzten – und in seiner sächsischen Heimatstadt Plauen, nach der er auch sein Pseudonym gewählt hatte, bestattet. Doch Frau und Sohn blieben nach 1945 erst in Westdeutschland und gingen dann nach Amerika, weshalb Ohsers Grab nahezu vergessen wurde. Erst nach 1989 besann sich die Stadt wieder auf ihren prominenten Bürger, und auch die Nachfahren nahmen aus den Vereinigten Staaten Kontakt zur früheren Heimat Erich Ohsers auf. So kam dessen Nachlass spät, aber doch noch nach Deutschland, nicht zuletzt dank der Mithilfe etlicher Sponsoren der öffentliche Hand.

Eine lange Einleitung, die aber nötig ist, um zu verstehen, was das Besondere an einem Buch ist, dass die Kunsthistorikerin Elke Schulze jetzt veröffentlicht hat. „Erich Ohser alias e.o.plauen – Ein deutsches Künstlerschicksal“ (Südverlag, Konstanz) ist zwar mit 144 Seiten schmal, aber es beruht auf den Beständen des Nachlasses, weil Elke Schulze die Leiterin des Erich-Ohser-Hauses in Plauen ist. Dort habe ich sie kennengelernt, denn ich wiederum gehöre dem Wissenschaftlichen Beirat der e.o.plauen-Stiftung an, die sich um den Nachlass kümmert. Die Bestände schreien danach, konsequent ausgewertet zu werden, und Elke Schulze macht das mittlerweile mit halbjährlich wechselnden Ausstellungen in der Galerie genauso wie nun mit ihrem Buch.

Darin kann sie naturgemäß viel Unbekanntes zeigen und vor allem auch Archiv und Korrespondenz des Künstlers – soweit erhalten – auswerten. Daraus sind keine spektakulär neuen Erkenntnisse erwachsen, aber das Buch ist gut erzählt und gerade seines knappen Umfangs wegen geschickt konzentriert. Was man über Erich Ohser wissen muss, ist hier nachzulesen (ein Eindruck unter http://issuu.com/suedverlag/docs/ohser_biografie-zum-blaettern2/0).

Der traurige Höhepunkt der Schilderung ist natürlich die Zeit von Verhaftung, Verhören und Suizid, Ende März und Anfang April 1944. Denunziation und Manipulation werden überdeutlich, obwohl kein Zweifel daran besteht, dass Ohser mit den Nazis nichts anfangen konnte, auch wenn er für sie arbeitete. Eine Tragik seines Lebens bestand darin, dass er mangels Fremdsprachenkenntnissen nicht an Emigration denken mochte. Zudem liebte er sein Land, was wiederum zu panischer Angst vor den Russen führte und Ohser leider seine Aufgabe als politischer Karikaturist ernster (und damit auch brillanter) nehmen ließ, als man es sich für NS-Blätter wünschte. Diese Meisterschaft im Dienst des Bösen spielt bei Schulze keine große Rolle.

Wer aber ein zentrales Kapitel der Comic-Historiographie klug und prägnant präsentiert bekommen möchte, der greife zu diesem Buch. Zeitgeschichte steckt darüber hinaus sowieso reichhaltig mit drin. Hoffentlich wird es mal ins Englische übersetzt, das sollte jemand in Neuseeland freuen.

05. Jan. 2015
von Andreas Platthaus
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22. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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Punkerin in der Nonnenschule

So ein Comic kann wohl nur aus Japan kommen, denn die Verhaltensweisen der Protagonisten sprechen allen westlichen Erwartungen Hohn. Da ist ein junges Mädchen namens Hanami, noch nicht volljährig, die bei ihrem greisen Großvater aufwächst, weil die alleinerziehende Mutter ihre internationale Karriere als Sängerin verfolgt. Natürlich gibt es potenzierte Generationenkonflikte, und natürlich raufen sich Opa und Enkelin auch immer wieder zusammen, gerade weil sie doch besser miteinander klarkommen als Mutter und Tochter. So weit, so absehbar.

Keineswegs absehbar ist für uns als westliche Leser die groteske Seite des Alten. Er ist ein Leichtfuß, der das von der Mutter zurückgelassene Haushaltsgeld verzockt. Er begibt sich auf Freiersfüßen und fällt dabei auf eine Betrügerin herein. Und er pflegt seine Beschützerrolle und folgt der Enkelin zu deren abendlichen Treffpunkten, wo sich die Punk-Szene von Tokio trifft (das Ganze spielt in den achtziger Jahren), und erntet dort durch seine englischen Sprachkenntnisse und die Erinnerung an einen London-Aufenthalt in den zwanziger Jahren höchsten Respekt. Immer aber erweist sich dieser alte Herr als höchst kindisch oder zumindest kindlich.

Wie viel von diesem Stoff, den die 1967 geborene Zeichnerin Mari Yamazaki da erzählt, autobiographisch grundiert ist, können wir nur ahnen. Immerhin spricht sie selbst von ihrer Begeisterung für Punk-Mode und –Musik, und nicht ganz zufällig ist ihre aus fünf Episoden bestehender Manga „PiL“ betitelt (erschienen bei Carlsen). Also wie die Band, die Johnny Lydon nach den Sex Pistols gegründet hat: weichgespülter Punk mit allerdings immenser Breitenwirkung über die enge Szene hinaus. Genau so ist auch der Manga konzipiert.

Denn es ist auch kein Zufall, dass kein Geringerer als Jiro Taniguchi ein lobendes Vorwort für den Band beigesteuert hat. Er gilt als der westlichste aller Mangaka, und dass ihm die kulturelle Grenzüberschreitung von Mari Yamazaki hin zum englischen Punk gefällt, ist klar, zumal auch die eher eine atypisch ruhige Manga-Ästhetik pflegt. Es gibt zwar bisweilen expressive Gesten, und die weiblichen Mädchenfiguren entsprechen teilweise dem Shojo-Ideal, aber in dem Moment, in dem Hanami sich die langen Haare zugunsten einer Skinhead-Frisur abrasiert (die dann in der christlichen Nonnenschule, die sie besucht, durch eine Perücke kaschiert werden muss), verabschiedet sich „PiL“ vom japanischen Mainstream.

Nur ist der Band damit noch nicht ungewöhnlich genug, um zu überzeugen. Denn wenn man denn doch den japanischen Blick annimmt, dann entspricht die Verhaltensweise des Opas gerade der Leichtfertigkeit etlicher einschlägiger Figuren von Taugenichtsen aller Altersgruppen, die in Japan vom Publikum geliebt werden. So dass nach der ersten Überraschung auch wieder eine gewisse Langeweile einschleicht, zumal Mari Yamazaki darauf verzichtet, ein graphisches Zeitfenster in die Handlung zu öffnen, die uns zeigte, wie Japan in den achtziger Jahren aussah. Dazu ist ihr Manga viel zu stilisiert – der deutsche Verlag bietet keine Leseprobe an, aber durch den italienischen kann man sich zum Beispiel ein Bild davon machen: http://www.rizzoli-lizard.com/pil-mari-yamazaki/ –, und gerade Taniguchi ist geradezu das Gegenmodell, weil seine akribisch rekonstruierten Dekors genau das leisten: eine Epoche zu vergegenwärtigen. Das hat gerade sein Manga „Der Gourmet – Von der Kunst, allein zu genießen“ wieder gezeigt. Aber zu dem in ein paar Wochen mehr. Von „PiL“ dagegen nichts weiter.

 

22. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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15. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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China baut einfach Zürich nach

Wenn das Resultat so aussieht, dann mögen bitte noch ganz viele Crowdfunding-Projekte für Comicpublikationen gelingen! Matthias Gnehms Album „Die kopierte Stadt“ ist ein wunderschöner Band geworden, und erzählt wird auch noch gut. Dass es allerdings dem hochtalentierten Zürcher Zeichner nicht möglich scheint, ohne finanziellen Beistand von Sympathisanten seiner Kunst bei einem Verlag unterzukommen, muss bedenklich stimmen. Denn viele kluge Comicautoren seiner Art haben wir im deutschen Sprachraum nicht.

Mit „Die kopierte Stadt“ begibt sich der ausgebildete Architekt einmal mehr auf sein ureigenes Feld. Die Grundkonstellation ist ebenso spektakulär wie nachvollziehbar: In Südchina errichtet ein dortiger Oligarch eine Retortensiedlung und baut dazu die komplette Stadt Zürich nach. Als Planer holt er sich Beistand aus der Schweiz: den Architektenstar Hans Romer, der sich wiederum an einen alten Studienfreund erinnert, Leo Lander, den Protagonisten des Comics. Wir begleiten Lander auf dem Flug nach China und werden mit ihm eingeführt in die seltsame Welt eines entfesselten Kapitalismus in einem pseudosozialistischen System. Und in die entsprechenden Intrigen.

Die drehen sich um dieselbe Frage, die schon der Nachbau von Zürich aufwirft: Was ist echt? Und was für einen Reiz hat das Echte überhaupt? Man könnte „Die kopierte Stadt“ auch einen Thesencomic nennen, aber das würde ihm nur intellektuell gerecht. Verpackt sind Gnehms Überlegungen zum Verhältnis von Authentischem und Reproduziertem in eine klug verwickelte Handlung und atemraubend schöne Zeichnungen in Pastellkreide, die ihr Vorbild in dem französischen Zeichnerstar Blutch haben (Leseprobe unter http://www.hochparterre.ch/publikationen/editionhochparterre/neuerscheinungen/shop/artikel/detail/die-kopierte-stadt-erscheint-am-12-november-2014/).

Erzählt wird im Rückblick, und man könnte das für manieriert halten, wenn Gnehm nicht für den Schluss, der siebzehn Jahren nach den geschilderten Ereignissen angesiedelt ist, eine bitterböse Pointe parat hätte. Das ist ein Finale, das noch einmal bestätigt, was man die ganze Zeit schon dachte, aber nicht so einfach einzuräumen bereit war, ehe das letzte Bedenken durch diese konsequente Wendung ausgeräumt wurde: dass Gnehm gerade narrativ zu den Großen seines Metiers gehört. Damit erfüllt sich die Erwartung, die er mit dem auch schon höchst beachtlichen Vorgängerband Die ewige Porträtgalerie“ aufgebaut hatte (http://blogs.faz.net/comic/2013/06/17/das-neue-ewigkeitsmodell-370/). Zeichnerisch war da schon alles perfekt; allein die Geschichte ließ noch ein paar Wünsche offen. Das sind mit „Die kopierte Stadt“ nun alle erfüllt.

Die Publikation im Zürcher Architekturverlag Edition Hochparterre (Zürich) schließt einen Kreis für den Autor. Denn vor sechzehn Jahren erschien dort schon sein Debütcomic „Paul Corks Geschmack“. Wer sehen will, welche Entwicklungen ein Zeichner machen kann, der vergleiche beide Bände. Nicht, dass „Paul Cork“ schlecht gewesen wäre, aber „Die kopierte Stadt“ gehört nun zum Besten. Zeit, dass es das deutsche Publikum merkt. Und die Verlage dürfen da gern mittun.

 

 

15. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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08. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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Vordergründig fröhlicher Rassismus

Nein, die Rechteinhaberin von Hergé, eine nach dem belgischen Zeichner benannte Stiftung, die als wenig zimperlich gilt, wenn es um Verbotsanträge geht, hat sich noch nicht bei Anton Kannemeyer gemeldet (oder wenn doch, hält er es geheim). Immerhin warf eine Mitarbeiterin der Fondation auf der Frankfurter Buchmesse einen fragenden Blick auf das gerade vom Avant Verlag ins Deutsche übersetzte Kannemeyer-Album „Papa in Afrika“. Dessen Umschlag zitiert „Tim im Kongo“, doch sobald man genauer hinschaut, ist alles ganz anders

Die harmonistische Welt des Hergé-Bandes von 1931, der von einem tapferen Belgier erzählt, der dem dunklen Afrika Sitte und Anstand beibringt, ist hier einem Schlachthaus gewichen, in dem Leichen vor einem klapprigen Oldtimer liegen, den im Original natürlich Tim steuert. Bei Kannemeyer tut das ein dicklippiger Schwarzer, und der Zeichner selbst sitzt neben ihm – auf dem Platz also, den bei Hergé Tims schwarzes Faktotum innehat. Die Rollen sind vertauscht. Doch Kannemeyer – dem Namen merkt man seine Burenherkunft schon an – macht daraus keine Lehre, sondern eine Satire. Denn viel geändert hat sich in seinem Heimatland Südafrika nicht am Machtverhältnis und gegenseitigen Verständnis von Weißen und Schwarzen.

Dass Kannemeyer zur Illustration dieses Sachverhalt ausgerechnet die von Hergé begründete Klare Linie nutzt, ist kein Raub der Unschuld, wie es Jonas Engelmann in seinem Nachwort behauptet. Welche Unschuld hätte denn da geraubt worden sollen, nachdem gerade „Tim im Kongo“ immer wieder zum Gegenstand heftigster Rassismus-Vorwürfe gemacht wurde, bis hin zu – abgewiesenen – Klagen vor belgischen Gerichten? Vielmehr raubt Kannemeyer Hergés Ästhetik die Schuld, denn seine Schilderungen aus dem Südafrika der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass man eben immer Kind seiner Zeit ist und sich Veränderung günstigenfalls in Jahrzehnten bemisst. Dass Hergé Zerrbilder von Schwarzen gezeichnet hat, ist aus heutiger Sicht eindeutig. Damals aber fand man seine Darstellungen urkomisch, und gewiss nicht nur aus rassistischer Voreingenommenheit. Das Bild von Schwarzen wurde ja eher von den geschminkten Akteuren des Minstrel-Shows bestimmt als von eigener Anschauung.

Just diese Anschauung ist seit der Aufhebung der strengen durch die Apartheid vorgeschriebenen Rassensegregation in Südafrika vor bald einem Vierteljahrhundert dort nun möglich. Doch Kannemeyer zeigt, wie die Vorurteile munter fortwuchern. Er packt dabei auch solch unschöne Themen an wie den Vergewaltigungsversuch eines Schwarzen an einer weißen Joggerin, die aber das Phantombild dann nur im Stil einer Farbigen-Karikatur hinbekommt. Die Episode ist ausgewiesen als nach einer wahren Geschichte erzählt. Man hätte das tatsächliche Phantombild gern gesehen.

Die Geschichten, die Kannegießer in „Papa in Afrika“ versammelt hat, sind nicht alle im Stil der Klaren Linie gezeichnet, aber wenn, dann sind seine Parodien besonders grandios. Ganze Seitenarrangements adaptiert er aus „Tim im Kongo“ und steigert deren Geschehen ins Abstruse. Die längeren Erzählungen greifen dann eher amerikanische Einflüsse aus (Leseprobe unter http://www.avant-verlag.de/comic/papa_in_afrika). Immer wieder zwischengeschaltet sind großformatige Acrylbilder im Cartoonstil, die als gigantische Witzzeichnungen einen Sarkasmus vorführen, der keine Tabus kennt – weder sexuelle noch soziale oder religiöse. Kannemeyer würde gut ins Umfeld des deutschen Satiremagazin „Titanic“ passen, das mit dem Belgier Kamagurka einen seelen- und stilverwandten Kollegen publiziert.

Besonders perfide ist jedoch die Sorgfalt, die Kannemeyer der Nachempfindung des „Tim und Struppi“-Looks seines Albums hat angedeihen lassen. Gerade weil alles so grandios nahe am Original, aber doch immer konsequent pervertiert ist, wandelt der Zeichner aus Kapstadt traumwandlerisch auf dem heikelsten Feld der Comic-Rechtstreitigkeiten, ohne belangt zu werden. Das allein ist schon eine großartige Leistung und eine größere Empfehlung, als wir sie hier überhaupt aussprechen könnten. Für sensible Leser ist das aber nichts.

 

08. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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01. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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Planwirtschaftsversagen beim Fall der Mauer

Am 10. November 1989 fuhr ich mit einem Freund von Köln nach Frankfurt am Main. Natürlich war die Öffnung der Berliner Mauer am Vorabend Hauptgesprächsthema (obwohl mich die Nachricht bei einem Geburtstagsfest in einer dunklen Aachener Souterrainwohnung erreicht hatte, in der wir dann zwar im Fernsehen die Bilder verfolgten, aber die Festivität nicht einfach zugunsten der  Weltgeschichte umwidmen lassen wollten). Wir beide hatten gemeinsam eine Banklehre hinter uns gebracht, also erörterten wir die Möglichkeiten, aus der Sache Kapital zu schlagen: Die Mauer auf- und dann in kleinen Portionen als Andenken verkaufen, das war unser Plan. Aber die Idee hatten zweifellos viele, und wir haben sie nicht weiterverfolgt.

Diese Überlegung zeigt jedoch, dass wir schon einen Tag nach dem völlig überraschenden Öffnungsbeschluss von dessen Unumkehrbarkeit ausgingen und nicht damit rechneten, dass es für die DDR noch irgendetwas zu verteidigen gäbe. Wie man mittlerweile weiß, war das falsch. Egon Krenz hatte an jenem Freitag, dem 10. November, die NVA in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Dazu gehörte auch ein standardisierter Angriffsplan auf West-Berlin, für den spezielle Durchbrüche in der Mauer vorgesehen waren, um die Panzer einzusetzen. Die Öffnung hätte sich also auch als Beginn eines militärischen Abenteuers erweisen können, an dessen Ende ein Weltkrieg wahrscheinlich gewesen wäre. Warum es nicht so kam, weiß man in diesem Falle heute noch ebenso wenig wie in dem des geheimen Internierungsplans des Stasi-Chefs Erich Mielke, der kurz vorher noch 85000 unliebsame DDR-Bürger festnehmen und in Lager bringen lassen wollte.

Es waren wohl einfach zu viele geworden, um solche Maßnahmen erfolgreich durchzuführen. Als Mielke seine Idee ausheckte, marschierten auf den Montagsdemonstrationen in Leipzig schon mehr als 85000. Diese Zahl an Inhaftierten aber sollte nach Mielkes Überzeugung für die ganze DDR ausreichen – wieder einmal Planwirtschaft mit wenig Realitätsbezug. Und am 10. November strömten dann zu viele Menschen in Berlin an die Grenzübergänge, als dass man ohne Blutbad hätte Panzer rollen lassen können. Zivilisten als Hindernis waren im militärischen Standardplan zur Besetzung West-Berlins nicht vorgesehen.

Von diesen und anderen Ungereimtheiten im Berliner Herbst 1989 erzählt ein genau zum Jubiläum erschienener Comic namens „Treibsand“. Gezeichnet hat ihn Kitty Kahane, geschrieben wurde er von Max Mönch und Alexander Lahl, alle drei Berliner, die zwei Szenaristen aber wohl zu jung, als dass sie das Geschehen vor 25 Jahren schon aufmerksam hätten verfolgen können. Wem die drei Namen schon etwas sagen, der erinnert sich wohl an den im vergangenen Jahr erschienenen Comic „17. Juni“, der das Trio erstmals vereinte (damals noch erweitert um einen dritten Szenaristen, Tim Köhler, der diesmal immerhin noch in der Danksagung auftaucht). Gefördert wurde dieses Debüt um einen einzelnen Protagonisten des Volksaufstands von 1953 von der Brandenburger Landeszentrale für Politische Bildung. Bei dem neuen Comic ist nun keine Institution mehr finanziell beteiligt. Das ist ein gutes Zeichen: Offenbar traut der Metrolit Verlag, der auch „17 Juni“ herausbrachte, der zweiten Arbeit des Trios zu, aus eigener Kraft die Kosten einzuspielen.

Und in der Tat sollte man ihn kaufen und lesen, denn er ist sehr informativ und dabei auch noch klug erzählt. Protagonist ist der amerikanische Journalist Tom Sandman, der für eine Zeitung arbeitet, die von einem Kommunistenfresser geleitet wird. Im Frühjahr 1989 sollte Sandman auf dessen Geheiß schon in Peking den ersten fallenden Dominostein zum Kollaps des Ostblocks beobachten, doch die Erwartungen des Chefredakteurs erfüllten sich nicht. Im Herbst wird Sandman deshalb nach West-Berlin geschickt, wo ihn die vor Jahren aus ostdeutscher Haft freigekaufte verurteilte Republikflüchtige Ingrid Bärwolf als Informantin erwartet. Beide verlieben sich ineinander, und Sandman lernt auf zahlreichen Einzelbesuchen in Ost-Berlin die DDR kennen.

Der dank des journalistisch erfahrenen Protagonisten nicht naive, aber doch ungläubige Blick von außen verschafft „Treibsand“ eine reizvolle Erzählprämisse. Zumal immer wieder erklärende Informationen oder Zusammenfassungen auf Notizzetteln in die Handlung eingebaut sind – bis hin zu einem neunseitigen Anhang, der als Notizbuch gezeichnet ist, in dem dann noch einmal die wichtigsten Phänomene des zuvor erzählten Stoffs erläutert werden. So erweist sich die Wahl eines Reporters als ideale, weil zwanglose Voraussetzung für einen durchaus auch didaktisch gedachten Comic. Mönch und Lahl haben da ein grandioses Konzept ersonnen.

Seltsam nur, dass sie eines einzelnen (gewiss reizvollen, aber keinesfalls entscheidenden) Gags wegen just diese Prämisse zum Finale am 9. und 10. November opfern. Sandman, dessen Namen sich der Titel des Comics wohl eher verdankt als der recht bemühten Erwähnung von Treibsand als Metapher für die Entwicklung in der DDR in einem seiner Artikel, hegt den Aberglauben, dass immer dann weltumstürzende Ereignisse anstehen, wenn er Zahnschmerzen hat. Die erleidet er tatsächlich dauernd während des Berlin-Aufenthalts, und da er keine Zeit zum Arztbesuch hat, wird es immer schlimmer, bis er asgerechnet während der berühmten Pressekonferenz, auf der Günter Schabowski mehr oder minder aus Versehen die Öffnung der Mauer bekanntgab, kollabiert. Fortan erlebt Sandman nichts mehr direkt mit, weil er im Krankenhaus liegt, aber wieder erweist sich sein Name als Omen: In regelmäßig eingestreuten Träumen, die er akribisch notiert, wird die Entwicklung der Lage kommentiert. Allerdings sind die Fakten, die den Hauptteil des Comicgeschehens ausmachen, fortan nicht mehr durch seine Beobachtung erzählerisch beglaubigt.

So gibt es einen Bruch in der Fiktion, und „Treibsand“ wandelt sich dadurch mehr als nötig zum Sachcomic. Kitty Kahanes bewusst krude gehaltene Art brut als Zeichnerin (leider keine Leseprobe unter http://www.metrolit.de/programm/graphic-novel/treibsand) gleicht das jedoch mehr als nur aus. Ihre schwungvoll-assoziativen Bilder, die nicht selten auch Schemazeichnungen oder Ortspläne bieten, sind extrem passend, weil sie ein bisschen wie Kinderblicke auf die Situation wirken. Damit kommt der eigene Erfahrungshorizont des jungen Szenaristenduos doch noch unangestrengt zu seinem Recht.

Und man lernt so viel aus dieser subjektiven Schilderung. Vor allem, mit was für einem Glücksfall man es am 10. November zu tun hatte. Oder auch, dass die erfolgreichste Grupp von Flüchtlingen sich aus den Grenztruppen selbst rekrutierte, denn die wussten ja, wo die Schwächen im System lagen. Andererseits gibt es auch die unglaubliche Geschichte von zwei Grenzsoldaten, die nur zum Spaß mal in den Westen gingen und auf dem Rückweg ins Minenfeld gerieten. Wie das ausging, muss man selbst nachlesen, und ich habe bewusst nicht nachgeprüft, ob die Sache wahr ist. Aber fürchten muss man es angesichts des Wahnsinns, der 28 Jahre lang an der deutsch-deutschen Grenze herrschte, schon. Dagegen sind die letzten Tage der Mauer geradezu hochvernünftig abgelaufen, weil sich die Verteidiger irgendwann ins scheinbar Unvermeidliche geschickt haben. Von diesem Witz des Weltgeistes erzählt „Treibsand“.

01. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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27. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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Jetzt kommt’s dicker für das Standardwerk

Meine Güte, das ist bereits sechs Jahre her! Damals erreichte mich die Publikation eines kurz zuvor gegründeten Verlags, dessen Initiator, Christian A. Bachmann, ich im Jahr darauf bei einer Comic-Tagung am Freiburger Institut frias kennenlernen sollte. Dort trug auch der Autor des Buchs vor: der Bonner Romanist Rolf Lohse, und er sprach über aktuelle Literaturadaptionen im französischen Comic. Dafür bot ihm der Gegenstand seiner Studie keine Anschauung, denn sie widmete sich dem Comic-Künstler Marc-Antoine Mathieu, der nur nach eigenen Szenarien zeichnet.

Gleichzeitig ist Mathieu einer der experimentierfreudigsten und literarischsten Vertreter des Fachs, und sein wichtigster Protagonist, der stets bebrillte und behutete Julius Corentin Acquefacque, hat in seinem Nachnamen Kafka versteckt – wenn man Acquefacque französisch ausspricht, wird daraus Akfak, also Kafka rückwärts. Und ähnlich mystisch-klaustrophobisch sind auch die Geschichten.

Lohses Studie „Der Ingenieur der Träume“ widmete sich vorrangig den Bänden der Achquefacque-Reihe, die von 1991 bis 2004 auf fünf Teile gekommen war. In Deutschland sind diese Bände beim Reprodukt Verlag erschienen, und auch wenn die Mathieu-Fangemeinde hierzulande sicher übersichtlich ist, wurde doch schon 2009 eine zweite Auflage des Buchs notwendig. Doch 2013 erschien dann ein sechster, „La décalage“, der damals auf meinem Blog auch gewürdigt wurde (http://blogs.faz.net/comic/2013/12/30/mitten-drin-gehts-los-454/), und Lohse nahm das zum Anlass, sein Buch noch einmal für eine dritte Auflage zu überarbeiten.

Wobei dabei ein neues Buch entstanden ist, denn nicht nur fügte er ein umfangreiches Kapitel zu „La décalage“ (hier eine Möglichkeit zum Einblick in die Geschichte: http://www.editions-delcourt.fr/catalogue/bd/julius_corentin_acquefacques_6_le_decalage) hinzu, die Erkenntnisse, die dieser neue Band vermittelte zwangen Lohse auch dazu, die anderen Teile zu ergänzen und die programmatische Einleitung von neun auf vierzehn Seiten zu bringen, so dass „Ingenieur der Träume“ nunmehr 172 statt ehedem 133 Seiten umfasst. Der Preis stieg von 12 auf 16 Euro, aber es wurde auch festeres Papier verwandt, alles neu gesetzt und besser reproduziert.

Man darf es eine Sensation nennen, dass ein deutscher Wissenschaftler sich einer solchen Mühe unterzieht, um seine Studie aktuell zu halten. Und das ist nicht nur in Deutschland unüblich, sondern auf dem immer noch überschaubaren Feld der Comic-Studien auch international. Zu klein ist das Segment, zu wenig lohnend die Beachtung in Fachkreisen, als dass sich großer Aufwand lohnte. Lohse indes ist ein Überzeugungstäter, einer der wenigen wirklich engagierten Comic-Ästhetiker, der sich über Jahre hinweg mit seinem Thema befasst. Gut, dass er nun den Maßstab dafür setzt, wie man in der akademische Welt mit der Comicforschung umzugehen hat: genauso akribisch und ständig aktualisierend wie in den längst etablierten Disziplinen.

27. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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12. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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Zwanzig Seiten Einblick in ein Flüchtlingslager

Ende 2013 reiste der Berliner Comiczeichner Reinhard Kleist in den Nord-Irak. Was er dort sah und hörte, hat er für Arte aufgezeichnet, die diese Reportage jetzt ins Netz gestellt hat. Weiterlesen →

12. Nov. 2014
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03. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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Hitler und Hynkel

Alan Moore macht sich im jüngsten Spin-off seiner „League of Extraordinary Gentlemen“ einen Riesenspaß mit den Deutschen. Der dann ins äußerst Bittere umschlägt. Weiterlesen →

03. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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