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Klickeradoms!

04.12.2008, 18:45 Uhr  ·  Mein neuer Comic-Blog beginnt mit einer tristen Nachricht: Volker Reiche beendet im Januar 2009 seine werktägliche Comic-Serie "Strizz". Warum, das wird hier ausgiebig verraten. Wie es weiter geht, dagegen erst einmal nur angedeutet. Fortsetzung folgt!

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Das erste Wort muß natürlich aus Entenhausen sein, und weil Erika Fuchs mit dem berühmten “Klickeradoms” – jenem Geräusch, das ein Waschzuber voller Glühbirnen erzeugt, wenn der von einem auf der Lehne eines Küchenstuhls balancierenden Donald Duck auf den Fußboden entleert wird – ihrerseits Wilhelm Busch zitierte, in dessen “Frommer Helene” diese Lautmalerei zum erstenmal zu finden war (bei Busch beschreibt sie das Geräusch einer zerschellenden Gipsreplik der Venus von Medici), ist mein Zitat nun ein doppeltes, das einen bedeutenden Vorläufer des Comics mit einem Höhepunkt des Genres verbindet.

Nun ist Klickeradoms bei aller Schönheit seines Klangs doch Resultat einer Zerstörung. Somit werde ich diese Überschrift fortan immer dann in diesem Blog verwenden, wenn es destruktive Dinge zu berichten gibt. Das heißt im Falle von Desastern, also zum Beispiel angesichts missratener Comics, peinlicher Erlebnisse, Dummheiten, Arroganzen und Vulgärdonaldismen. Was letzteres meint, wird sich im Laufe der Zeit zwangsläufig auch jenen Lesern erschließen, die keine donaldistischen Grundkenntnisse besitzen.

Warum steht dann dieses Warnwort “Klickeradoms” gleich über dem ersten Eintrag des Comic-Blogs? Weil es eine Enttäuschung zu vermelden gibt, von der außer mir noch niemand weiß. Vor mehr als sechs Jahren, im April 2002, begann Volker Reiche für die F.A.Z. seinen werktäglichen Comic-Strip “Strizz”. Am 2. Januar 2009 wird er ihn in dieser Form beenden. Das ist nicht nur der Qualität der Episoden wegen bedauerlich, die “Strizz” und damit auch der Zeitung und faz.net ein treues Stammpublikum beschert haben, sondern auch aus einem sportlichen Aspekt: Kein anderer Zeichner in der mittlerweile mehr als hundertzehnjährigen Geschichte des Comics hat mit derart heißer Feder gezeichnet wie Volker Reiche. Mit der Ausnahme einiger weniger der mehr als tausendfünfhundert Folgen enstand “Strizz” immer tagesaktuell (und wenn ich mich recht erinnere, ist die Zahl der Ausnahmen wohl eher an den Fingern einer Hand denn an denen von zweien abzuzählen). Deshalb konnte Volker Reiche in seinem Strip so aktuell sein wie die Zeitung – und manches Mal war er gar aktueller. Das erforderte aber auch eine stete Wachsamkeit und die Verfolgung der Geschehnisse des Tages von morgens bis in den frühen Nachmittag hinein, um sie noch in die jeweilige Folge des nächsten Tages einarbeiten zu können. Dieser Mühe hat sich kein Kollege von Reiche unterziehen wollen, auch nicht so dezidiert politisch kommentierende Zeichner wie Gary Trudeau oder Walt Kelly.

Im Gegenteil: Im Normalfall haben Comic-Strips Vorlaufzeiten von mehreren Tagen, wenn nicht Wochen, damit man auf Seiten der Zeitung sicher sein kann, daß auch niemals eine Folge ausfällt. Dieses Risiko ist die F.A.Z. mit “Strizz” eingegangen, und mit Ausnahme einer einzigen Woche, in der Volker Reiche erkrankt war, war es nie die Schuld des Künstlers, wenn einmal etwas schiefging. Was ohnehin erfreulich selten vorkam. Diesen wechselseitigen Ehrgeiz von Zeichner und Redaktion werden beide wohl zukünftig noch vermissen, aber Reiche möchte nach sechseinhalb Jahren steter Fron am Leuchttisch auch einmal wieder länger Urlaub machen können, Freunde und Opern besuchen und vor allem lesen. Ihm winkt ein schönes Leben, das ihn jauchzen lassen dürfte. Wir dagegen empfinden diesen Einschnit eher als ein Ereignis, das sich wie “Klickeradoms” anhört – keine Peinlichkeit, kein Fehler, aber ein echter Verlust.

Natürlich werden wir deshalb Volker Reiche auch nicht ganz aus den Klauen der Zeitung lassen; schließlich können wir auch nicht die zahllosen “Strizz”-Freunde enttäuschen. Im Lauf der kommenden Wochen wird es an dieser Stelle und in “Strizz” selbst dazu mehr Konkretes zu lesen geben. Aber es stellt sich ja auch die Frage: Womit füllen wir die Lücke? Das sei noch nicht verraten. Oder zumindest nicht vollständig. Aber doch soviel, damit der erste Eintrag des Comic-Blogs auf einer positiven Note endet: Vom 6. Januar an wird Ralf König zurückkehren, der 2007 schon einmal als Urlaubsvertretung für “Strizz” agierte und mit seinem Comic “Prototyp” ein kleines Meisterwek schuf. Jetzt wird er genug Zeit und Platz haben für ein großes. Heißen wird es “Archetyp”, aber mehr sei nun wirklich nicht ausgeplaudert. Auch schönste Erwartungen könnten ja Geräusche wie “Klickeradoms” hervorbringen, wenn sie dann enttäuscht werden. 

 

Veröffentlicht unter: Comic, Strizz, Volker Reiche, Ralf König

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (25)
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0 HanniIII 16.12.2008, 22:25 Uhr

Ich freue mich auf Ralf König...

Ich freue mich auf Ralf König

0 HanniIII 16.12.2008, 17:42 Uhr

Reiches Weltsicht war schon...

Reiches Weltsicht war schon sehr schlimm - ich trauere ihr (und Strizz) keine Träne nach. Gut, dass er (endlich) weg ist!
Sehr freue ich mich auf Ralf König !
Guter Tausch.

0 RLampe 15.12.2008, 15:27 Uhr

Und im siebten Jahr sah er...

Und im siebten Jahr sah er an alles, was er gemacht hatte und siehe: Es war sehr gut! Volker Reiche sei das Ausruhen vom täglichen Schöpfungwerk gegönnt, er hat Großes geleistet - aber das Werktags-Paradies ist dahin. Wozu nun noch die Wirrnis der Tagesnachrichten verfolgen, wenn die klärende Deutung durch Strizz, Herrn Paul und Co. fehlt? Und werden wir je wieder Strizz im Büro erleben? Am Wochenende? Da sitzt dort höchstens Berres vorm Computer.

0 knisterhut 08.12.2008, 19:45 Uhr

Hm - mir werden Raffael und...

Hm - mir werden Raffael und die Zwillinge fehlen. Obschon ich sagen muss, dass ich meinen Trennungsschmerz schon hatte. Kaum, dass Raffael plötzlich und unerwartet in die Höhe schoss und auch die Zwillinge einen Entwicklungssprung machten, ging mir Heimat verloren. Volker Reiche vermochte es doch tatsächlich, mich mit wenigen Strichen in eine Welt zu holen, in der ich zuletzt vor 50 Jahren war, geleitet und begleitet von Carl Barks und Dr. Erika Fuchs. Ach, was soll's - die Donaldisten sind nun in der FAZ zu finden und es bleibt kein Grund zur Klage. Im Gegenteil: Schöne Schriften, unter Bildern und als Balken und Strizz nun doch noch zum Wochenende, dazu noch mehr Comics - wie könn't mir da bang werden? Knisterhut

0 FeldmannR 08.12.2008, 17:05 Uhr

Es jauchzt auch der...

Es jauchzt auch der Haustier-Rat. In welchem allerdings die Hervorhebung Pauls keine Mehrheit gefunden hätte. Tassilo meinte aber, es gebe schlimmeres, als Pauls Ego so mutwillig zu massieren. „So? Was denn?“ „Jo, öh…“

0 Stefan_Pannor 06.12.2008, 17:02 Uhr

Keine Panik: "Liebe...

Keine Panik:
"Liebe STRIZZ-Freundinnen und -Freunde!
Bitte keine voreiligen Tränen um das Ende von STRIZZ, denn STRIZZ geht auch im neuen Jahr weiter! Zwar nicht mehr von Montag bis Freitag, sondern “nur” am Samstag, dort aber mit einer für einen Zeichner wunderbar großzügigen halben Zeitungsseite. Vielleicht bekommt dann Herr Paul sogar seinen eigenen Strip. Mal sehen... Wer also will, kann STRIZZ die Treue halten und das ganze Wochenende nichts anderes machen, als STRIZZ zu studieren. "
http://www.strizz.de/
:-)

0 Lmattes 05.12.2008, 23:44 Uhr

Danke Herr Reiche. Strizz...

Danke Herr Reiche. Strizz und all die anderen werden mir sehr fehlen. Humor mit Niveau, wo findet man das heute noch!

0 d0501759 05.12.2008, 16:24 Uhr

Lieber Volker...

Lieber Volker Reiche,
vielen Dank für 6 Jahre aufopfernde Arbeit für Ihre Leser. Auch wenn ich mich an Strizz und Co. erst gewöhnen mußte - den Comic vor Ihnen fand ich damals besser - inzwischen beginne ich wegen Ihnen die FAZ von hinten, auch Samstags und Sonntags.
Viel Erfolg die nächsten Jahre, Gesundheit und mehr Ruhe - denn die Verpflichtung zur Tagesaktualität über 6 Jahre ist eine Bürde, die heute kaum noch einer auf sich nehmen würde. Machen Sie mal ausgiebig Urlaub - und die große farbige Weihnachtsillustration sowie alle Urlaubsvertretungen sollte Herr König auf jeden Fall Ihnen überlassen.
Herzlichst Ihr Gerry Arnolds

0 jeibe 05.12.2008, 16:18 Uhr

...

>>Klickeradoms<< Ich habs auch gehört, als ich den Blog gelesen habe. Keine Folge habe ich verpasst, Herrn Paul ins Herz geschlossen (mein Kater hat die gleiche Attitude, meine ich), Rafael wächst und ich will wissen, ob Klara ihn zur Mode missionieren kann und schafft es Rafael aus den Zwillingen würdige Nachfolger zu machen?
Ich war immer beeindruckt von der Tagesaktualität der Beiträge. Ach bitte Herr Reiche, zeichnen Sie doch wenigstens sonntags in der FAS.>>Klickeradoms<<

0 joergDohnke 05.12.2008, 16:05 Uhr

An die FAZ: Bieten...

An die FAZ:
Bieten Sie Herrn Reiche die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung an und zahlen Sie ihm mehr, viel mehr!!
Joerg Dohnke

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton der F.A.Z., zuständig für „Bilder und Zeiten“.