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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Nostalgie im Westen: Prinz Eisenherz

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"Prinz Eisenherz" (im Original "Prince Valiant")ist eine der berühmtesten Comic-Serien der Welt. Hal Foster zeichnete sie von 1937 an. In Deutschland wurde sie unter den als "Prinz Waldemar" germanisiert - bis Valiant im Jahr 1940 gegen die Hunnen kämpfte, was man als deutliche Anspielung auf die Deutschen verstand. Da war es aus mit Waldemar, und als er nach dem Krieg wiederkam, hieß er endlich Eisenherz. Jetzt ist eine neue deutsche Gesamtausgabe auf dem besten Weg zur internationalen Referenz.

Bild zu: Nostalgie im Westen: Prinz Eisenherz

 

Als vor etwas mehr als zwei Jahren der erste Band einer neuen „Prinz Eisenherz“-Gesamtausgabe erschien, konnte ich mich eines lauten Seufzers nicht erwehren, denn die leisen hatte ich schon auf all die anderen ersten Bände von „Prinz Eisenherz“-Gesamtausgaben verwendet, die in meinem Regal stehen. Beginnend mit den Pollischansky-Ausgaben der siebziger Jahre, die seitdem munter vor sich hin zerfallen, über die immerhin zu Ende geführte, aber farblich höchst zweifelhafte Edition des Carlsen-Verlags bis zur konkurrenzlos prachtvollen Splitter-Luxusreihe, die als Vorlagen die Original-Zeitungsseiten gewählt hatte und entsprechend groß (wenn auch nicht so groß wie die kürzlich im Comicblog gefeierte Reprint von „Little Nemo in Slumberland“, dafür aber umso teurer bei nur 52 Seiten Inhalt) daherkam, was aber auch nicht davor schützte, daß die Serie unabgeschlossen blieb – genauso wie eine wohlfeile kleinere Ausgabe, mit der Splitter sich refinanzieren wollte. Abi Melzer versuchte vor ein paar Jahren dann auch noch einmal sein Glück, ausgerechnet in Schwarzweiß bei einer Serie, die von Anfang an farbig gedruckt worden war. Entsprechend schnell scheiterte auch diese Gesamtausgabe. Es dürfte also kaum einen Comic geben, der in Deutschland häufiger nachgedruckt wurde, als das erste Jahr des „Prinz Eisenherz“-Strips, also die Folgen von 1937. Und immer waren die Neuausgaben als ultimative Vorhaben angekündigt worden. So geschah es natürlich auch im Falle der bislang jüngsten vor ebenjenen zwei Jahren. Und wer da so stolz posaunte, das war ein Verlag, der den mir zuvor nie zu Ohren gekommenen Namen Bocola trägt. Was habe ich gelacht!

Heute ist es mir vergangen. Oder besser gesagt: Es hat einem breiten Glückslächeln Platz gemacht. Denn Bocola (was übrigens für Bonner Comic Laden steht) hat mit unbeirrbarem Fleiß seitdem alle vier, fünf Monate einen neuen Band herausgebracht, und so sind wir jetzt, da jedes Album die Episoden gleich zweier Jahrgänge umfaßt, schon bei Band 7 und im Jahr 1949/50 angelangt. Damit sind die ersten Lücken, die Splitter gelassen hatte, bevor deren Reihe ganz eingestellt wurde, bereits gefüllt, und zwar mit dem bislang wirklich schönsten Nachdruck, den „Prinz Eisenherz“ erlebt hat. Gut, die Bände sind nur etwa halb so groß wie die Splitter-Luxusalben. Aber dafür kosten sie bei doppeltem Umfang nicht einmal ein Drittel, nämlich 19,90 Euro. Gut, es handelt sich nicht um einen genauen Nachdruck der alten farbigen Sonntagsseiten. Aber das ist nur gut so, denn die waren zwar famos, aber bisweilen auch zu bunt für den subilen Zeichenstil von Hal Foster, der in „Prince Valiant“, wie Eisenherz im Original heißt, all sein graphisches Können steckte – und das war beträchtlich. Bocola hat seine Druckvorlagen zwar auch von den alten Zeitungsseiten gescant, aber dann am Computer nachbearbeitet und so die Farbpalette gedämpft, ohne sie zu verringern. Das Resultat sieht großartig aus.

An dieser Stelle darf man ruhig einmal betonen, daß die Bände nicht im Ausland gedruckt wurden, sondern in Zwickau. Es geht also auch in Deutschland sowohl preiswert als auch qualitätvoll. Daß die Ausgabe von Bocola auf der diesjährigen Frankfuter Buchmesse  mit dem Sondermann-Preis für den besten deutschsprachigen Import belohnt wurde, ist nur verdient – und irgendwie auch paradox, denn diese Ausgabe gibt es ja sonst nirgends, weil sie von dem Graphikerinnen-Team Heidi Ong und Jasmin Sebastian exklusiv für den Bonner Verlag angefertigt wird. Jeder Band enthält ein Vorwort des Übersetzers Wolfgang J. Fuchs, einem Urgestein der deutschen Comic-Szene, der auch schon die Splitter-Ausgabe mit Texten versorgt hatte. Weniger Abwechslung war nie, aber was sind schon drei Seiten Vorwort gegen mehr als hundert Seiten Foster-Comics?

Die deutsche Rezeptionsgesichte von „Prinz Eisenherz“ ist spannend. Übersetzt worden war er schnell, doch unter den Nazis wurde Prince Valiant zum deutschtümelnden Waldemar. Bis er 1940 gegen die Hunnen kämpfte, wwas seit dem Ersten Weltkrieg eine im englischen Sprachraum gängige Beleidigung für die Deutschen war. Foster hat zwar seiner Serie jegliche politische Implikation abgesprochen, aber die amerikanischen Leser verstanden seine Gegnerwahl als klare Kritik am NS-Deutschland – und die Nazis verstanden es genauso. Die Serie wurde danach nicht mehr geduldet, doch umso triumphaler fiel die Rückkehr nach dem Zweiten Weltkrieg in den deutschen Zeitungen aus – jetzt endlich als Eisenherz. Wer in den fünfziher Jahren aufwuchs, kam an dem Ruhm dieser Figur gar nicht vorbei, und der Film mit Robert Wagner als tapferer Prinz tat 1954 ein Übriges dazu. Foster wardurch sein Drehbuch zu diesem Werk  fortan ein gemachter Mann und zeichnete trotzdem noch bis 1971 ( da war er 78 Jahre at) weiter an seiner jeweils Sonntags erscheinenden Serie.

Die Seitenzählung erfolgt in der Bocola-Ausgabe erstmals nach der originalen Durchnumerierung, die Foster vornahm, also beginnt der aktuelle Band 7 mit Seite 621 der Saga und geht bis 725. Es gibt auf diesen 105 Seiten Wikingerkämpfe, Minnesänger, Belagerungen und sogar ein Ritterduell mit einer Frau, die sich in einer schwarzen Rüstung verborgen hat. Zudem ist Foster graphisch auf der Höhe seines Könnens angelangt, und sein Eisenherz weist hier jene vollendet androgynen Züge auf, die ihn zur Ikone der Schwulenbewegung gemacht haben.  Doch immer mehr bewährt der Prinz sich jetzt auch als treusorgender Familienvater, und so manche Folge widmet sich einem mittelalterlichen Alltagsleben, das Foster in akribischer Recherche rekonstruiert hat – inklusive einiger amouröser Verwicklungen, die dem Zeichner Gelegenheit zu durchaus frivolen Anspielungen gaben (Aufblättertip: Folge 719, drittletztes Bild).

„Pirnz Eisenherz“ jedenfalls ist ein Phänomen, ewig jung seit 1937. Nicht der Held, der beginnt irgendwann auch moderat zu altern und überläßt seinen Söhnen das banale Kampfgeschäft. Aber die Serie, die nun mit mehr als siebzig Jahren ihr bestes Ausshene erreicht hat. Um das Resultat dieser Nostalgie kann uns die Comic-Welt beneiden.

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1 Lesermeinung

  1. <p>Die lobenden Worte über...
    Die lobenden Worte über unsere Prinz Eisenherz-Gesamtausgabe haben uns sehr gefreut. Zu einigen Punkten möchte ich mich an dieser Stelle kurz äußern. Bocola setzt sich – wie Sie zurecht erwähnen – aus den Anfangsbuchstaben von Bonner Comic Laden zusammen. Eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für diesen Verlagsnamen spielte allerdings auch die Tatsache, daß Bocola ein alter italienischer Familienname – vorwiegend aus der Region Apulien – ist und hierdurch meiner innigen Verbundenheit zu Italien Ausdruck verliehen wird.
    Zum Größenverhältnis zwischen der Splitter Faksimile- und unserer Ausgabe möchte ich anmerken, daß wir bei der Bilddarstellung etwa 85 % der Splitter-Ausgabe erreichen (33,7 x 24,1cm zu 29,0 x 20,7cm).
    Was die Farbe betrifft, dürfte unsere Ausgabe der ursprünglichen Absicht Hal Fosters ziemlich nahe kommen. Erfreulicherweise haben wir mittlerweile Zugriff auf einen gigantischen Fundus von mehr als 5.000 US „Full Page“-Seiten. Durch den kontinuierlichen Vergleich mehrerer Druckversionen einer Prince Valiant-Sonntagsseite konnten wir feststellen, daß die durchschnittliche Farbintensität gar nicht so grell war wie allgemein angenommen.
    Im übrigen gibt es seit November 2008 in den Niederlanden (Silvesterstrips) die erste Lizenzausgabe, die unsere Version verwendet .
    Bereits im sechsten Band wurde das Vorwort nicht von Wolfgang Fuchs, sondern von Sven Lagerstöm aus Schweden geschrieben. Auch künftige Vorworte werden von anderen Personen geschrieben werden.
    Achim Dressler, Bocola Verlag

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