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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Samstag ist von nun an Strizz-Tag

| 3 Lesermeinungen

Am Freitag erscheint die letzte reguläre Werktagsfolge von Volker Reiches Comic-Serie "Strizz" - und dann geht es am Samstag, den 3. Januar 2009, in der Wochenendbeilage "Bilder und Zeiten" gleich los mit der neuen halbseitigen Samstagsfolge, die das Geschehen um Herrn Paul und all die anderen Figuren fortführen wird.

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Weißt du, wie das wird? So raunen die Nornen in Wagners “Ring”. Nicht alle “Strizz”-Fans scheinen es schon zu wissen, obwohl die Neuigkeit ja vor einem Monat in diesem Blog erstmals verkündet wurde. Nun gut, dann müssen eben diejenigen, die es erst heute erfahren, jetzt noch einmal jene Disziplin wahren, die Herr Paul auf dem Bild oben in seiner Jugendzeit vom Dackel Müller einfordert: Mit dem werktäglichen Comic von Volker Reiche in der F.A.Z. hat es an diesem Freitag ein Ende. Am 2. Januar 2009 erscheint die letzte reguläre Folge, ehe am kommenden Dienstag, passend also zum Dreikönigstag, Ralf König seine auf etwa vier Monate angelegte Serie “Archetyp” beginnt. Wie es danach weitergeht? Lassen Sie sich überraschen.

Aber – und jetzt können die “Strizz”-Fans den entweder seit vier Wochen oder seit wenigen Sekunden angehaltenen Atem wieder rauslassen – auch mit Volker Reiches Serie geht es in der F.A.Z. weiter. Nur nicht mehr ganz so häufig, nämlich vom 3. Januar 2009 an jeweils am Samstag. Dafür aber auf einer ganzen halben Zeitungsseite in der Wochenendbeilage “Bilder und Zeiten”, immer auf Seite 2. Und zum Auftakt gibt es dann auch gleich zwei Bonbons: einen Artikel von mir zur Bedeutung der Wochenendseiten für die Geschichte des Comics und eine bisher unveröffentliche Entwurfszeichnung mit dem ursprünglich geplanten “Strizz”-Personal. Sie fand sich auf einem Karton, den Volker Reiche vor fast genau sieben Jahren, am 17. Januar 2002, angefertigt hat, um mir seine Serien-Idee zu erläutern. Bis vor einigen Tagen lag sie wohlbehütet und fast aus dem Gedächtnis verschwunden in einem großen Schrank in meinem Büro. Nun kommen die frühesten “Strizz”-Porträts noch zu Ehren. Und auch das Anfangsbild dieses Blogeintrags stammt von diesem Karton. Es ist natürlich nur hier zu bewundern.

Wenn man sich dieses Gespräch zwischen Herrn Paul (der damals noch keine rabenschwarze Persönlichkeit zu sein schien, dafür aber auch reichlich Fleisch auf den Rippen hatte) und Müller ansieht, dann kann man verstehen, warum wir “Strizz” unbedingt weiterlaufen lassen wollen. Diese Serie hat nicht nur die deutsche Comic-Landschaft verändert, sondern auch sich selbst. Man denke nur an die jüngsten Wachstumsschübe von Rafael und Clara. Reiche hatte sich, nachdem die 2006 geborenen Zwillinge Paula und Vincent immer größer wurden, nicht länger dem Lauf der Zeit verweigern können, sofern dies das Aussehen seiner Protagonisten betraf. Wollen wir ihn nun aus dieser künstlerischen wie erzählerischen Verantwortung einfach wieder entlassen? Keineswegs! Es soll weitergehen mit den Entwicklungen innerhalb der Familie Strizz und ihrer Umgebung. Heiratet Herr Leo seine Sekretärin Frau Gerhardt (in der morgigen Silvesterfolg wird schon kräftig miteinander getanzt)? Bekommt Strizz eine Gehaltserhöhung, wird Herr Berres jemals in Rente gehen oder die Hartlaub AG ihren Auftrag irgendwann abgewickelt sehen? Fragen über Fragen, auf die uns nur der Schöpfer des Comics eine Antwort geben kann. Deshalb bekommt er seinen festen Platz.

Und der wird ihm ermöglichen, eine ganz neue Erzählweise für “Strizz” zu finden, denn Volker Reiche will die halbe Seite nutzen, um mit den Bildarrangements zu experimentieren und zwei Geschichten parallel zu erzählen, die sich bisweilen auch gegenseitig kommentieren, aber vom graphischen Stil her unterscheiden sollen. Er wird dazu das alte, längst vergessene Prinzip des Zweit-Strips, wie es in den amerikanischen Zeitungscomics der dreißiger und vierziger Jahre üblich war, wieder aufnehmen, also eine kleine Episode als Zugabe zeichnen, die unten in der jeweiligen Folge den Abschluß und eine selbständige Handlung bietet. Arbeitstitel ist “In Tassilos Hütte”, und man muß kein Prophet sein, um vorauszusagen, daß sich dort vor allem die Tiere tummeln werden, während darüber das Familienleben tobt.

Wer wissen will, wie das wird, dem sei die Lektüre von “Bilder und Zeiten” anempfohlen. Selbstverständlich wird es “Strizz” auch weiterhin auf faz.net geben. Wie auch Ralf Könis “Archetyp”. Aber am schönsten sind Comics natürlich in der Zeitung.   

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3 Lesermeinungen

  1. <p>Vielleicht hilft das neue...
    Vielleicht hilft das neue Format ja Volker Reiche, mit “Strizz” zu alten Höhen zurückzufinden. In den letzten Monaten war der Strip manchmal zu angestrengt intellektuell und aktuell, um noch komisch zu sein. Trotzdem, ich will schon wissen, wie es mit der (Groß-)Familie Strizz weitergeht!

  2. <p>Das promoviert den Samstag...
    Das promoviert den Samstag ja beträchtlich, nein, es veredelt ihn! König wird das Beste draus machen, sein Strich ist sinnlich-gröber, der Text auch nicht unintellektuell. Wer aber besorgt den täglichen Äsop? Den homo novus?

  3. <p>Damit wird die FAZ am...
    Damit wird die FAZ am Samstag für unregelmäßige Leser (wie mich) sehr interessant – nicht nur Strizz am Samstag, sondern auch die Technik & Motor-Beilage.

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