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Französische Legenden unter sich: Sfar goes Gainsbourg

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Joann Sfar ist der produktivste Comiczeichner Frankreichs - und einer der erfolgreichsten. Jetzt begibt er sich af neues Terrain: als Regisseur. Derzeit dreht er einen Film über das Leben des Chansonniers Charles Gainsbourg. Auf der Berlinale war ein Presseheft zu finden, in dem Sfar seine Comicvision des Films vorstellt.

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Den wichtigsten Ertrag der diesjährigen Berlinale verdanke ich nicht dem ohnehin deplorablen Filmprogramm, sondern einem Freund, der mir vom parallel zum Festival veranstalteten Europäischen Filmmarkt ein Heft mitbrachte, in dem die französische Produktionsfirma One World Films für ein Werk trommelt, zu dem gerade die Dreharbeiten laufen. Das tun nun sämtliche Produktionsgesellschaften der Welt, aber dieses Heft bot etwas Besonderes.

Um diese Besonderheit richtig einschätzen zu können, muß ich aus einem Brief zitieren, den mir unlängst ein reizender Frankfurter Schallplattenverleger schrieb: „Es gibt Künstler, von denen man einfach alles besitzen muß.“ Begleitet wurde dieser Satz von einer CD der Amsterdam Klezmer Band, deren Coverzeichnung von Joann Sfar stammt. Sfar, 1971 in Nizza geboren, ist ein Comiczichner, den ich nicht genug bewundern kann. Und tatsächlich bemühe ich mich seit einigen Jahren, alles von ihm Gestaltete zu besitzen, wobei dieses Ansinnen aussichtslos ist, denn der gute Mann publiziert schneller, als ich kaufen kann, und das auch noch teilweise an derart entlegenen Orten, daß man keine Chance hat aufzuholen, nicht einmal in jenen seltene Phasen, wenn Sfar ausnahmsweise einmal eine Pause macht. Oder besser: mit einem Projekt befaßt ist, daß ihm keine Zeit zum Zeichnen läßt. Wie es derzeit der Fall ist.

Die Prominenz von Joann Sfar zeigt sich schon daran, daß sein Name einer der meistgenannten auf dem diesjährigen Comicfestival von Angoulême war, obwohl er dort gar nicht erschien. Aber das war schon Nachricht genug, denn als Grund für sein Fernbleiben nannte der Zeichner die Dreharbeiten zu ebenjenem Film, dessen Werbeheft jetzt vor mir liegt: ein Werk über das Leben von Serge Gainsbourg. Regie: Joann Sfar. Nun ist Sfar ist kein Neuling in der Welt der bewegten Bilder. Die animierten Verfilmungen seiner Serie „Petit Vampire“ sind nicht nur im französischen Kinderfernsehprogramm sehr erfolgreich gelaufen. Vor zwei Jahren beobachtete er dann als Gast des Filmfestivals von Cannes den Rummel an der Croisette und publizierte später einen seiner dicken Carnet-Bände mit den dort entstandenen Skizzen. Damals war noch von einem Trickfilmprojekt die Rede, an dem Sfar arbeiten sollte, doch dann sickerte durch, daß er sich als Regisseur der Verfilmung des Lebens von Serge Gainsbourg annehmen werde. Seitdem hat er die eigene Comicproduktion fast auf den Nullpunkt zurückgefahren – wenn man davon absieht, daß seine Version von Saint-Exupérys „Kleinem Prinzen“ seit einigen Monaten auf den französischen Comicbestsellerlisten steht. Aber was ist schon ein einziger Band im letzten halben Jahr für einen Zeichner, der seit 1994 rund hundertfünfzig Bücher herausgebracht hat.

Ich bin abgeschweift, aber das ist auch ein wichtiges Erzählprinzip von Sfar. Er hat die reiche mündliche Überlieferung seiner sephardisch-jüdischen Vorfahren verknüpft mit der eher aufklärerisch-strukturierten Denkweise des ashkenasischen Teils seiner Familie. Aber ich schweife schon wieder ab. Was ich sagen wollte: Die Klezmer-CD besaß ich tatsächlich schon, wegen des Covers natürlich, aber sie ist auch ganz wunderbar zu hören. Für ein paar Tage jedenfalls war ich stolz darauf, offenbar doch zumindest das meiste in meinem Besitz zu haben, was Sfar publiziert hat. Bis mein Berliner Freund Thomas Vorwerk mir das Presseheft zu „Gainsbourg“ mitbrachte.

Darin sind nun genug von Sfar gezeichnete Bilder enthalten, um ein schmales Album zu füllen: lauter Entwurfszeichnungen für den Film, also Storyboard-Skizzen, Porträt- und Kostümstudien, Dekorvorlagen und freie Impressionen rund um Serge Gainsbourg. Das wäre selbst dann schon interessant, wenn nichts davon aus Sfars Feder, Pinsel oder Stift stammen würde, denn der 1928 in Paris gborene und 1991 ebenda verstorbene Gainsbourg hat ein Leben absolviert, das Stoff für gleich mehrere Filme hergibt. Als Chansonnier wurde er in Frankreich zum Star und als Liebhaber etlicher Schönheiten ein Liebling der Klatschpresse, aber der Sohn einer russisch-jüdischen Immigrantenfamilie, der eigentlich Lucien Ginsburg hieß, versuchte sich auch als Romancier, Maler und Zeichner – kurz, er war auf allen Gebieten aktiv, die auch das Multitalent Sfar für sich beansprucht.

Sfar zog 1991 eigens nach Paris, um Gainsbourg zu treffen, doch der verstarb, bevor es dazu kam. In seinen Erläuterungen im Presseheft verweist der Comiczeichner auf eigene Serien wie die Malerbiographie „Pascin“, die Musikergeschichten „Klezmer“ und selbstverständlich seine berühmteste Rehe, „Die Katze des Rabbiners“, um die eigene Affinität zu Gainsbourg zu belegen. Und wirklich: Betrachtet man Sfars scheinbar so disparates Werk vor der Folie des Lebens von Serge Gainsbourg, klärt sich manches auf, werden wiederkehrende Motive deutlch, entstehen Nachbarschaften. Dem Film, der zurzeit noch selbstbewußt als „Joann Sfar’s Gainsbourg“ betitelt ist, dürfte somit die Rolle eines Schlüsselwerks zukommen.

Was erfahren wir, mehr als ein Jahr vor dem voraussichtlichen Filmstart, über dieses Gainsbourg-Projekt? Die Hauptrolle spielt Eric Elmosnino, von dem ich noch nie etwas gehört habe, aber unter den Darstellerinnen ist immehin die bildschöne Laetitia Casta (als Brigitte Bardot). Ansonsten wird Sfar aber auch seine egene Figurenwelt in den Film einbauen, wobei ihm mit David Marti ein Creature-Designer zur Seite stehen wird, der in „Hellboy“ bewiesen hat, daß er gezeichnete Fantasy grandios umsetzen kann. Der Gainsbourg des Films wird nämlich von seiner Jugend an von einem grotesken Alter Ego begleitet, das sich im Laufe der Jahre verwandelt: von einem seltsamen Kugelwesen in einen hageren langnasigen Mann, und in beiden Figuren erkennt man sofort Sfars Stil. Auf einer Zeichnung des Presseheftes steht denn auch Gainsbourg in einer Gruppe, die aus Sfars Yaacov (aus „Klezmer“), Pascin und Fernand, der Hauptfigur aus „Grand Vampire“ gebildet wird, während sich darunter die Katze des Rabbiners räkelt. Das ist in der Tat Sfars Gainsbourg.

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„Gestalte Serge wie einen Vogel, denke an eine Figur von Byron“ hat Sfar neben eine rasch hingeworfene Porträtskizze notiert. Aus den zahlreichen Abbildungen des Heftes kann man manches weitere vorwegnehmen. Den ständigen Kampf Gainsbourgs mit seinem zweiten Ich etwa, das dem Künstler geradezu vampirisch auflauert, aber ihn auch immer wieder antreibt. Die Frauengeschichten, die für Sfar im Mittelpunkt des Lebens seines Idols stehen – frei nach Gainsbourgs Satz: „Franzose wird man durch die Frauen und die Literatur.“ Und Schlüsselszenen wie Gainsbourgs Straßburger Auftritt mit einer Reggae-Gruppe, die für ihn die Marseillaise intonieren sollte. Schon die entsprechende Platte hatte Skandal gemacht, doch als das Konzert anstand, gab es Proteste des Militärs, und das Theater wurde umstellt – im Jahr 1981.

Die Marseillaise dürfte ein Leitmotiv des Films werden, denn dessen erste Szenen werden ins besetzte Paris von 1941 führen, wo der dreizehnjährige Gainsbourg, die französische Nationalhymne pfeifend, mit den antisemitischen Plakaten der deutschen Behörden konfrontiert wird – auch das natürlich eine typische Sfar-Szene. Der Zeichner will sich denn auch viel mehr an seiner eigenen Phantasie und seinen Vorstellungen von einem heroischen Gainsbourg orientieren als an der wenn auch noch so skandalösen wie glamourösen Wirklichkeit. „Ich glaube“, steht wieder auf einem Skizzenblatt, „daß die Geschichte von Serge Gainsbourg vielleicht genauso episch ist wie die Taten des Herkules oder der Don Juan von Molière.“ Da dürfte einiges auf uns zukommen, gewiß auch viel Prätention. Erklärtes Vorbild allerdings sind die Filme „Ray“ und „Walk the Line“ – also überrschenderweise Musikerbiographien, die sich weitgehend eng an die Fakten hielten. Doch selbst wenn Sfar seine Ankündigung wahr machen sollte, uns und Gainsbourg in seine Welt zu entführen, dürfte das kaum noch so anregend werden wie jetzt das Betrachten des illustrierten Werbeheftes. Man träumt von einem Film, der ganz Sfar ist. Davon träumt Sfar selbst sicher auch. Die Realität des Filmgeschäfts aber sieht anders aus.

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2 Lesermeinungen

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