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Großer Klassiker, aber auch große Klasse? „Cubitus“ wird auf Deutsch fortgesetzt

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Womit macht man heute noch Geld auf dem deutschen Comic-Markt? Manga sind immer noch der Renner, aber nur ausgesuchte Serien bringen wirklich etwas ein. Kleinverlage können sich die Rechte daran aber ohnehin nicht leisten. Ihnen bleiben klassische Serien, die ein treues Publikum haben, so daß man einigermaßen sicher kalkulieren kann. Wie im Fall von "Cubitus", der im Verlag von Mirko Piredda endlich wieder erscheint.

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Es gab eine Zeit, da gab es in Deutschland genug Leser von anspruchsvollen Comics, um ein wöchentliches Heft am Leben zu erhalten, das etliche französische, teils auch italienische und sogar einige wenige einheimische Serien, vorzugsweise mit Abenteuergeschichten, in Fortsetzungen publizierte. „Zack“ hieß das Heft, mehr als dreißig Jahre liegt seine Hochzeit zurück, und wir verdanken ihm in dieser Zeit etliche Erstveröffentlichungen aus Comic-Klassikern wie „Corto Maltese“, „Blueberry“ und „Lucky Luke“ oder etwas minderen, aber dennoch nostalgisch genehmen Reihen wie „Andy Morgan“, „Bruno Brazil“ oder „Die Gentlemen GmbH“ – und damit sind erst wenige genannt.

Es gab bei dieser am französischen Vorbild von „Pilote“ geschulten Zeitschrift neben all den spannenden Geschichten aber auch witzige Serien, komische Comics also, wie es ein naives Publikum ja immer erwartet. Eine davon war „Cubitus“, gezeichnet von dem Belgier Luc Dupanloup alias Dupa. Der 1945 geborene Künstler hatte seine Serie 1968 in dem belgischen Comicmagazin „Tintin“ begonnen, als jeweils einseitige Gagfolgen, die sich sämtlich um die skurrile Gemeinschaft eines pensionierten Seemanns und seines dicken weißen Hundes Cubitus drehten. Als „Zack“ 1972 erstmals erschien, war gerade das erste Album mit gesammelten Cubitus-Folgen in Belgien herausgekommen, und der deutsche Verlag sicherte sich sofort die Rechte. So kam der sprechende Hund, der eine giftige Feindschaft mit dem Nachbarkater pflegt, zuerst regelmäßig ins „Zack“-Heft und dann auch in der Reihe „Zack-Parade“ zu einer ersten eigenständigen deutschen Albenveröffentlichung.

Damit begann hierzulande die erstaunliche Geschichte der Cubitus-Reihe. Ein zweites Album brachte „Zack“ bis zu seinem ersten Ende 1980 – seit 1999 erscheint das Heft wieder, nunmehr aber nur noch monatlich – nicht mehr heraus, aber der Carlsen-Verlag startete Ende der achtziger Jahre seine eigene Albenreihe, deren Übersetzung die durch „Zack“ etablierten Namen veränderte (bis auf Cubitus natürlich, der aber auch im französischen Original so heißt) und konsequent die längst auf mehr als zwanzig Alben angewachsenen Originalausgaben nachdruckte.

Aber leider nur bis zur Nummer 14. Da war das Jahr 1994 erreicht, mit Andreas Knigge war der extrem frankophile Verlagsleiter von Carlsen abgelöst, und „Cubitus“ wurde eingestellt. Ein Megaseller war die Serie gewiß nie gewesen, anders als „Lucky Luke“, „Isnogud“ oder gar „Asterix“, die großen Geldbringer bei der Konkurrenz von Ehapa. Aber ein treues Publikum hatte „Cubitus“ doch, und in Belgien und Frankreich erschien kontinuierlich Jahr für Jahr ein neuer Band; heute sind es mehr als vierzig, obwohl Dupa schon 2000 im Alter von nur fünfundfünfzig Jahren gestorben ist. Aber mit Michel Rodrigue hat man 2005 einen neuen Zeichner gefunden, der geradezu sklavisch Dupas Spätstil kopiert.

Doch bei uns herrschte jahrelang Fehlanzeige. Erst im Jahr 2000 wagte sich jemand wieder an die Lizenz für Deutschland: Der mittlerweile wieder verschwundene Phoenix Verlag setzte die Carlsen-Zählung fort und brachte zwei Bände heraus, die zum Ärger der Sammler etwas kleiner im Format waren, aber äußerlich sonst die Form wahrten. Dann aber war schon wieder Ende. Bis im vergangenen Jahr ein weiterer Kleinverlag die Fackel übernahm: Piredda. Und siehe da: Mittlerweile sind schon vier Bände erschienen, die Zählung der Reihe ist also bis Band 20 fortgeschritten, und mittlerweile sind damit Publikationen verfügbar, die in Belgien vor siebzehn Jahren erschienen sind. Wir holen auf.

Bekannte Serien wie „Cubitus“ versprechen halbwegs sichere Absatzzahlen, und so etwas braucht ein Verlag wie der von Mirko Piredda, der auch sonst auf frankobelgische Serien setzt, aber da neues Material wie die 1902 in Amerika angesiedelte Abenteuerreihe „W.E.S.T.“  oder die im Stil der Marcinelle-Schule gestalteten Bände von „Allein“ mit den Erlebnissen einer Kindergruppe in einer postapokalyptischen Welt Experimente sind, von denen kein Mensch weiß, wie viele Leser sie finden werden, wird das Risiko durch „Cubitus“ abgepolstert. Wobei man sagen muß, daß Phoenix sich vor neun Jahren auch schon an nicht mehr als zweitausend Exemplare herangetraut hatte.

Ähnlich dürfte nun die Auflage bei Piredda kalkuliert sein. Das Problem ist, daß die stärkste Leistung der Reihe „Cubitus“ in den Einseiten-Gags liegt, die aber nach Folge 500 allmählich auch etwas nachließen. In den Acht- und Neunhunderterfolgen, die jetzt bei Piredda übersetzt wurden, werden häufig nur noch Versatzstücke des alten Glanzes wiederbelebt, und der Wortwitz ist schon im Original nicht so hoch wie etwa bei „Albert Enzian“, Gregs Gag-Klassiker, der vom Konzept her ähnlich funktioniert wie „Cubitus“.

Vor allem aber sind in den aktuellen Bänden 19 und 20 fast ausnahmslos längere Geschichten zu finden, das heißt Episoden, die vier bis acht Seiten füllen, und da geht Dupa leider recht schnell die Luft aus. Immerhin ist im allerneuesten Band auch eine ältere Geschichte enthalten, die man an der teddybärenartigen Gestaltung des Titelhelden erkennt, und sie weist prompt ein deutlich höheres Tempo und reichlich Bildwitz auf. Aus ihr stammt auch das erste Bild oben, in dem sich die für Dupa typische Selbstironie spiegelt, die außerdem im selben Band ein weiteres Beispiel hat: Als die Figuren der Serie die Nachricht bekommen, daß ihr Zeichner verreise, schlagen sie sofort über die Stränge, doch überraschend trifft Dupa selbst auf dem letzten Bild am Garten von Cubitus und dessen Herrchen ein, und alle bemühen sich sofort um rollenkonformes Verhalten. Liebhaber selbstreferentieller Comics werden Dupa dafür schätzen.

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Doch wie schön wäre es, wenn die in Deutschland noch zahlreichen Lücken der frühen Einseiter gefüllt würden! Aber klar: Da es auch auf Französisch keine vollständige, am Ende gar chronologisch geordnete Publikationsreihe gibt, übersteigt das die Möglichkeiten eines kleinen Lizenznehmers. Schade nur, daß Piredda, dem aller Erfolg zu wünschen ist, dadurch nicht das Beste bieten kann, was „Cubitus“ leisten kann. Aber für die Freunde des Klassikers ist selbst die Erinnerung an frühere Klasse schon ein gutes Argument zum Kauf.

 

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1 Lesermeinung

  1. <p>Hi,</p>
    <p>da ist aber...

    Hi,
    da ist aber mehrmals der Name Dupas‘ durch’s Raster gerutscht. ;-)
    „Eine davon war „Cubitus“, gezeichnet von dem Belgier Luc Dupanloup alias .“
    „heute sind es mehr als vierzig, obwohl schon 2000 im Alter von nur fünfundfünfzig Jahren gestorben ist.“
    „doch überraschend trifft selbst auf dem letzten Bild am Garten von Cubitus und dessen Herrchen ein,“
    „Liebhaber selbstreferentieller Comics werden dafür schätzen.“
    LG

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