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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Vom Mangafan zur Comicmeisterschaft

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In Gera ist im Stadtmuseum eine Ausstellung zu sehen, die zwei junge Zeichnerinnen vorstellt, die aus der dortigen Region kommen, aber allemal das Zeug fürs ganze Land haben. Olivia Vieweg und Katja Klengel sind Manga-Leserinnen der ersten Stunde, aber ihre aktuellen Arbeiten zeigen noch viel mehr Einflüsse und Interessen.

Daß die Museen Comics als Möglichkeit entdeckt haben, auch einmal andere als die üblichen Besucher anzulocken, ist erfreulich, und spätestens, seit der Louvre auf den Zug aufgesprungen ist (sogar mit einer eigenen Comic-Edition und solch prominenten französischen Autoren wie Mathieu, de Crécy oder Yslaire), dürfte die Sache auch dem kulturkonservativsten Direktor einleuchten. Allerdings sind nur die wenigsten der zahlreichen Schauen so originell wie die leider gerade zu Ende gehende Ausstellung „Wo ist der Wind, wenn er nicht weht?“  im Hamburger Kunstverein, die sich politischen Bildergeschchten widmet, aber dafür ein Konzept gewählt hat, das nicht die übliche Einzelanalyse von Werken vornimmt, sondern die massenmediale Form des Comics durch eine spektakuläre (und herausfordernde) Präsentation zum Thema macht.

Das Übliche sind dagegen Ausstellungen, die sich längst etablierten Comicmeistern widmen, die dann endlich kunstgeschichtlich entdeckt und gedeutet werden – wichtig und gut, aber eben nicht besonders einfallsreich. Es gibt aber auch jene seltenen Beispiele von Museumsschauen, die selbst auf Entdeckung gehen und Werke vorstellen, die noch nicht allgemein bekannt sind. Eine solcher Art lvon Ausstellung äuft noch bis zum 18. April im Stadtmuseum von Gera. „Sonne, Mond & Kulleraugen“ heißt sie, und ihr Gegenstand sind zwei Zeichnerinnen, die aus Thüringen stammen und noch nicht älter als zweiundzwanzig sind: Olivia Vieweg und Katja Klengel.

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Das Plakat zur Schau in Gera

Man kann guten Gewissens zugeben, daß man diese Namen noch nie gehört hat; man wird aber nach dem Besuch der Schau einräumen, daß das schade ist. Aber es ist auch egal, denn das wird nicht so bleiben. Vieweg uind Klengel werden ihren Weg machen; ja, sie sind schon kräftig dabei, bekannt zu werden. Im Alter von elf Jahren haben sie sich über die einschlägigen Manga-Fanseiten im Internet kennengelernt, obwohl beide aus Jena stammen, und aus der Fanszene haben sie sich herausgezeichnet und mittlerweile auch erste Erfolge erzielt. Schon 2005, also mit jeweils erst siebzehn Jahren, kamen sie als Wettbewerbssiegerinnen zu Publikationen in deutschen Manga-Anthologien wie „Manga-Spot“ oder etwas später  „Es war keinmal“, und dann betreute Olivia Vieweg 2007 als Herausgeberin das „Subway to Sally Storybook“ (Egmont Verlag), eine Kurzgeschichtensammlung, die auf der Grundlage von Liedtexten der Brandenburger Band Subway to Sally entstand und insgesamt neunzehn Arbeiten von deutschen Nachwuchszeichnern versammelte, die fast alle über ihr Interesse an Manga zum Comiczeichnen gekommen sind, jedoch zu großen Teilen mit ihren Geschichten beweisen, daß sie auch über ganz andere Stile verfügen.

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 Aus „Subway to Sally Songbook“: Katja Klengels Umsetzung des Lieds „Traum vom Tod“, inspiriert vom Stil eines Edvard Munch

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Aus dem gleichen Buch: Olivia Viewegs Geschichte nach dem Lied „Prinzessin auf der Erbse“, in der sich Manga- und Gothic-Elemente mischen

Und das ist auch das Faszinierende an „Sonne, Mond & Kulleraugen“. Die Ausstellung stellt das ganze Spektrum der graphischen Projekte von Katja Klengel und Olivia Vieweg vor. Manga sind dabei nur ein, wenn auch sehr wichtiger Aspekt. Beide sind auch geprägt durch die Gothic-Szene, ihr Interesse für Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und durch Liedermacher. Das wird jeweils inhaltlich wie graphisch sichtbar, un dist noch immer nicht alles, was die zwei Zweichnerinnen bieten. Olivia Vieweg hat im vergangegen Jahr mt ihrem Cartoon-Band „Warum Katzen besser sind als Männer“ (Carlsen Verlag) einen veritablen Bestseller gezeichnet, zu dem es in diesem Sommer eine Fortetzung geben wird; und Katja Klengel betreibt einen gezeichneten Comic-Blog (hhttp://leafangenova.myblog.de), der unter dem Titel „Blattonisch kurze Episoden, die von ihrem eigenen Leben angeregt wurden, vorstellt, die im Stil der amerikanischen Independent-Schule etwa eines Craig Thompson gehalten sind. Beide Zeichnerinnen studieren mittlerweile auch: an den Kunsthochschulen in Weimar (Vieweg) beziehungsweise Dresden (Klengel).

 

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Ein Eintrag aus Katja Klengels Internet-Comictagebuch „Blattonisch“

So kann man nun die erste Generation von deutschen Comic-Autoren begrüßen, die über ihre begeisterte Mangalektüre als Kinder nicht nur zum Mangazeichnen (das gab es schon oft), sondern auch zu weitergehenden Experimenten im bildliche Erzählen kommt. In der Ausstellung des Geraer Stadtmuseums gibt es von beiden Künstlerinne auch Malerei zu sehen, die ganz andere Formen entwickelt, als man es von auf die Leinwand gebrachten Mangamotiven erwartet hätte. Es gibt zudem Plakate, Produktdesign und Postkarten, Skizzenbücher, einen Trickfilm und natürlich zahlreiche Comicseiten, die das immens breite Spektrum dokumentieren, das sich die beiden jungen Frauen schon erarbeitet haben. Wer ein Argument gegen den Widerstand besorgter Eltern angesichts der Mangalektüre ihrer Kinder braucht, sollte sich in Gera einmal umsehen.

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1 Lesermeinung

  1. die skizzen bzw. die...
    die skizzen bzw. die Zeichnungen und die Ideen finde ich mehr als gut gelungen.
    Ich möchte anmerken, daß Du – Andreas – ein Buchstaben in der Blog Adresse vergessen hast. :-) Kann ja mal passieren. http://leafvangenova.myblog.de/
    Die Ausstellunge ist jetzt zwar vorbei, aber alle die es verpasst haben, haben vor Ort wirklich gute charaktere verpasst.
    Ich finde ja, dass das Talent zum zeichnen in den Genen steckt.
    Aber wird man auch ein guter Zeichner bzw. eine gute Zeichnerin, wenn man Jahrelang uebt?

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