Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Das muss wohl Liebe sein, auch wenn Romeo jetzt Roem heißt

Enki Bilal ist in Frankreich ein Gott unter den Comiczeichnern. Jetzt hat er wieder eine neue Schöpfung aus dem Atelier frei gelassen, und er erweist damit einem anderen Gott seine Reverenz: Shakespeare. Denn was Bilal erzählt, ist "Romeo und Julia" in einer postapolyptischen Welt.

Enki Bilal ist der höchstbezahlte lebende Comiczeichner, zumindest wenn man die Preise berücksichtigt, die seine Originalzeichnungen auf dem Kunstmarkt erzielen. Einzelne großformatige Bilder des 1951 in Belgrad geborenen, aber schon seit 1961 in Paris lebenden Bilal haben bereits mehrfach die Hunderttausend-Euro-Grenze überschritten, und als sämtliche Originale zu dem 2009 erschienenen Album „Animal’z“ versteigert wurden, summierte sich der Erlös auf eine Million Euro.

An einer Verfilmung von „Animal’z“ arbeitet Bilal angeblich derzeit, aber er hatte auch noch Muße, ein neues, im Stil sehr ähnliches Album zu vollenden: „Julia & Roem“. In Frankreich ist es gerade erschienen und natürlich schon ein Verkaufsschlager, in Deutschland müssen wir noch eine Woche warten, dann erscheint es übersetzt bei dem Bilal seit Jahrzehnten bewundernswert treuen Ehapa-Verlag.

Bild zu: Kuk: Das muss wohl Liebe sein, auch wenn Romeo jetzt Roem heißt

Die Anspielung auf Shakespeares „Romeo und Julia“ ist schon im Titel des neuen Werks offensichtlich (wobei in Frankreich die Julia aus Shakespeares Stück Juliette heißt, weshalb dort gleich beide Namen verändert sind, und bei den Nebenfiguren wird in Bilalls Comic aus Tybalt Tybb, aus Paris Parrish und so weiter). Tatsächlich finden sich auch mehrere Shakespeare-Zitate im Text, sämtlich brav kursiviert, damit sie auch erkannt werden.

Ansonsten aber hat Bilal die berühmteste aller Liebesgeschichten bis auf ihr Skelett reduziert und in eine postapokalytische Ödnis versetzt. Dort treffen zwei sich gegenseitig misstrauende Gruppen aufeinander: drei Männer und ein Quartett aus zwei Frauen und zwei Männern. Man kann sich denken, dass sich unter den ersten Roem befindet und dem zweiten Julia angehört. Was man sich dagegen kaum denken würde: Das Ganze geht gut aus. Und das, nachdem Bilal seine ohnehin nicht gerade kunterbunte Farbpalette für die höchst subtilen Bleistiftzeichnungen noch einmal abgedunkelt hat. Wie in permanenter Dämmerung agieren die Figuren. Die typischen Bilal-Symbole und existenzialistischen Stimmungen tun ein Übriges, um „Julia & Roem“ zu einem weiteren Baustein in seinem Universum der Melancholie zu machen. Aber wie bereits in „Animal’z“ geht es um ein Überleben kraft der Liebe.

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