Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Das Warten ist vorbei auf Taniguchi Teil zwei

Es hat nicht so lange gedauert, wie befürchtet: Die nun auch auf Deutsch zu lesende Fortsetzung von Jiro Taniguchis Manga-Adaption des Romans "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" bringt eine zauberhafte Liebesgeschichte zu einem skurrilen Ende.

Als der erste Teil dieses Manga erschien, machte mich die Aussicht, auf den Schluss nun monate-, wenn nicht jahrelang warten zu müssen, schier verrückt. Denn die seltsame Faszination, die die Mittdreißigerin Tsukiko für ihren früheren Japanischlehrer Haratsuna Matsumoto (den sie nur „Sensei“, die japanische Anrede für einen Lehrer, nennt) entwickelt, ließ am Schluss des ersten Teils von „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ manche Frage offen. Sind beide nun auseinander, bevor überhaupt etwas passiert ist, das über ein Gespräch hinausgegangen wäre? Hat Tetsuko sich in ihren ehemaligen Mitschüler Takashi Kojima verliebt, den sie während des Kirschblütenfests getroffen hat? Zeigt der Sensei nicht plötzlich ein verdächtig lebhaftes Interesse für die schöne Frau Ishino? Und hat er überhaupt bemerkt, dass die erwachsene Tetsuko mehr für ihn empfindet als die vertraute Schwärmerei eines Schulmädchens für einen angesehenen Lehrer?

Gut, dass die Antworten auf all diese Fragen nur monatelang warten mussten. Der Carlsen-Verlag hat schnell nachgelegt; nun ist der nach dem Erfolgsroman von Hiromi Kawakami gezeichnete Manga des schon zu Lebzeiten legendären Zeichners Jiro Taniguchi auch auf Deutsch abgeschlossen. Und der zweite Band kommt endlich zur Sache, wenn auch wieder mit sehr viel Anlauf und unter ständigen Rückschlägen. Endlich aber offenbart Tetsuko dem Sensei ihre Liebe, und sie finden tatsächlich für ein kurzes Glück zusammen, ehe das Buch von einer Coda beschlossen wird, wie sie wohl nur in der japanischen Literatur denkbar ist.

Bild zu: Kuk: Das Warten ist vorbei auf Taniguchi Teil zwei

Die Menschen, die Stadt: Niemand bringt beides so souverän zusammen mit Jiro Taniguchi.  

Doch danach gibt es im Manga noch ein längeres Gespräch zwischen der Romanautorin Kawakami und dem Zeichner Taniguchi, in der sich beide Künstler zwar kräftig gegenseitig loben, aber auch viele interessante Aspekte zur Sprache kommen, darunter auch die sorgfältige Übernahme von Dialogpassagen aus der Buchvorlage. Da stellt sich doch die Frage, warum die deutsche Fassung des Manga nicht auf die hier greifbare Übersetzung des Romans „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ zurückgegriffen hat. Es ist immer wieder seltsam, dass solche Möglichkeiten, die vertraute Sprache eines Buchs auch im Comic zu bewahren, stillschweigend unter den Tisch fallen. Aber das Lesevergnügen an dieser psychologischen Liebesstudie mindert die Sache nicht, und das Schauspiel der wunderbaren Taniguchi-Bilder aus einer japanischen Provinzstadt, deren Name niemals fällt, bleibt vom Text ohnehin unberührt. 

 

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