Home
Comic

Comic

Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Runde Sache, aber bitterböse

Rudi Klein ist der Meister des schwarzen Humors in der deutschsprachigen Cartoon-Landschaft. Der Wiener ist urkomisch und unverwechselbar. Und nun gibt es endlich einen dicken Band mit seinen Zeichnungen.

Hinter mir im Regal im Büro stehen seit Jahren drei kleine quadratische Bände, die der Zweitausendeins-Verlag 2003 publiziert hat, alle sind mit Cartoons von Rudi Klein gefüllt und tragen den Obertitel „Bibliothek der reich bebilderten Verzweiflung”. Paradoxerweise nehme ich sie vor allem dann gern zur Hand, wenn die eigene Verzweiflung groß ist. Man sollte meinen, dann will man nicht noch mehr Sentiment dieser Art sehen, doch Klein versteht es wie kein anderer, aus tiefster Traurigkeit sardonisches Gelächter erschallen zu lassen. Und wenn ich erst mal wieder lache, ist das Schlimmste schon vorbei.

Aber wenn ich darüber nachdenke, dass seit 2003 kein weiterer Rudi-Klein-Band mehr bei Zweitausendeins erschienen ist, könnte ich gleich wieder verzweifelt werden. Was ist bloß mit den Deutschen los, dass sie den österreichischen Großmeister Klein nicht derart schätzen, dass seine Bücher stapelweise neben den Kassen der Buchhandlungen liegen – dort also, wo das präsentiert wird, was zu Hunderttausenden verkauft wird? Klein hätte es verdient, und alle Leser sowieso.

Nun jedoch hat ein österreichischer Verlag (Czernin, Wien) einen wahren Prachtband mit Arbeiten von Rudi Klein zusammengestellt, und zu allem Überfluss wurde die Drucklegung auch noch durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, durch die Arbeiterkammer Wien und durch die Stadt Wien selbst gefördert. Tu felix Austria! Und wir glücklichen Deutschen (wenn das Buch über die Grenze gelangen sollte)!

„Alles Gute” heißt es. Besser noch wäre „Alles gut” gewesen, denn genauso verhält es sich mit den darin abgedruckten Zeichnungen. „Alles Gute” impliziert doch eher, hier wäre all das versammelt, was Klein an Geniestreichen gezeichnet hätte. Nonsens! Es ist nur ein Hors d’oeuvre, mehr nicht. Der Mann ist schließlich seit mehr als zwanzig Jahren im Geschäft, und was sind da schon ein paar hundert Seiten, auch wenn sie nicht klein und quadratisch, sondern groß und hochformatig sind? Hoffentlich kommt bald noch mehr von all dem Guten, was da so erschienen ist.

Kleins Figuren sind unverwechselbar, weil sie wie kleine Zuckerhüte geformt sind, unterhalb deren Spitze das Gesicht vorn drangepappt ist. Kurze Extremitäten ergänzen die Physiognomie, und ansonsten gibt es ein paar Attribute, die die jeweilige Besonderheit erkennen lassen: Haare für Frauen oder ein Brustkreuz für Kleriker. Und wer nicht schon genug Vergnügen an dieser zeichnerischen Reduktion hat, dem werden die Texte den Rest geben. Etwa Rudi Kleins Verfassungsentwurf, für die Republik Österreich. Das ist ein aufgeschlagenes Buch, das unter Paragraph 1 lapidar feststellt: „Österreich ist in keiner guten Verfassung.” Stimmt aber gar nicht, solange solche Bücher dort erscheinen.

0

Kommentare sind deaktiviert.