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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Wer ermordet die Atomphysiker?

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Der klassische Abenteuercomic schien lange tot, begraben unter autobiographischen Modeprodukten oder künstlerischen Experimenten. Nun wird er in mehreren Ländern neu belebt, nicht zuletzt in Frankreich, wo das Genre eine große Tradition besitzt. Die neueste Errungenschaft ist die Serie „Kaplan & Masson", deren erster Band nun auf Deutsch erschienen ist.

Auf den ersten Blick würde ich sagen: Das ist der neueste Band von „Blake & Mortimer”. Denn darin findet man genau jenen vorsichtig modernisierten Zeichenstil, den Ted Benoît und mehr noch André Juillard im letzten Jahrzehnt dem großen belgischen Klassiker von Edgar Pierre Jacobs verliehen haben. Doch auf dem Umschlag des Albums steht über der spektakulären Szene eines auf der Rollbahn explodierenden Flugzeugs und dem verheißungsvollen  Titel „Die Chaostheorie” als Serienname „Kaplan & Masson”. Das ist natürlich ganz bewusst ans Vorbild angelehnt – genau wie die Handlungszeit (fünfziger Jahre), die Seitenarchitektur oder die thematische Faszination für Naturwissenschaft und Technik.

Wer aber sind Kaplan und Masson? Das lassen uns der routinierte Szenarist Didier Convard und sein Zeichner Jean-Christophe Thibert im Laufe der Handlung ihres ersten gemeinsamen Abenteuers nur recht langsam wissen. Étienne Kaplan ist Colonel des französischen Geheimdienstes. Im zweiten Weltkrieg war er im Widerstand und rettete dem jüdischen Physiker Nathan Masson das Leben, den die Nazis ins Konzentrationslager verschleppt hatten. Das Geschehen in „Die Chaostheorie” führt die beiden Freunde nun auf unschöne Weise wieder zusammen, denn es gilt eine Mordserie an einer Gruppe prominenter Kollegen von Masson aufzuklären. Das gemeinsame Merkmal der Opfer: Sie alle hatten an der Entwicklung der ersten Atombombe mitgearbeitet und setzten sich danach unter dem Eindruck des Angriffs auf Hiroshima für die Ächtung von Kernwaffen ein.

Man wird schnell die Ähnlichkeiten von Figuren im Comic wie Alfred Bernstein, Jason Purcell oder J. Ridley Openhover mit realen Protagonisten der Anti-Atomkraftbewegung aus der Nachkriegszeit wie Alfred Einstein, Bertrand Russell und Robert Oppenheimer erkennen. Die Physikerin Anne Jobert-Lary wiederum nimmt Züge von Marie Curie auf, und so gibt es viel zu enträtseln. Dazu kommt die akribische Rekonstruktion von Dekors der fünfziger Jahre und die entsprechend zeittypisch intensiv-flächigen Farben. Kurz: Das Auge des Nostalgikers wird erfreut, und der Liebhaber spannender Geschichten nicht beleidigt.

Dass beim Ablauf der Ereignisse einiges noch holpert, kann man nachsehen. Viel schöner ist zu beobachten, wie bereits im ersten Band vielversprechende Nebenfiguren aufgebaut werden, von denen man wohl noch manches erwarten darf: der steinreiche kanadische Industrielle Scott Lemon etwa, der aus Angst vor Krankheitskeimen in völliger Abgeschiedenheit lebt, oder noch wichtiger im Auftaktabenteuer der japanische Physiker Watabe Sensei. Der 1950 geborene Didier Convard hat genug Erfahrung im Umgang mit Comics, um dieses Potenzial noch auszunutzen.

Ja, es ist plötzlich wieder eine gute Zeit für Abenteuercomics. Letzte Woche habe ich auf „Packeis” von Simon Schwartz hingewiesen. Das war die avancierte Form des alten Schemas. Hier kommt die traditionelle, aber nicht minder lesenswerte. Allerdings wartet man in Frankreich nun schon seit drei Jahren auf Band 2. Umso schöner, dass der Carlsen Verlag sich nun trotzdem des ersten angenommen hat. Harald Sachse hat ihn gut übersetzt, und ich bin geneigt, das Erscheinen dieser deutschen Ausgabe als günstiges Omen für die baldige Fortsetzung im Original zu nehmen. Warum sollte man eine Serie einkaufen, die gar nicht weitergeführt wird? Meine Aufmerksamkeit wird jedenfalls auch der nächste Band haben.

 

 

 

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1 Lesermeinung

  1. Moin, Moin, auf der...
    Moin, Moin, auf der Programmvorschau des Carlsenverlages ist der zweite Band für den 28.08. diesen Jahres angekündigt.

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