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Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Schauen Sie auch mal bitte auf die Schrift!

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Wenn es eines gibt, was im Gespräch über Comics gern vernachlässigt wird, dann die Typografie in den Sprechblasen und Textkästen. Dabei ist das Schriftbild zentral fürs Gesamtbild. Die deutsche Zeitschrift „Slanted", ein Fachmagazin für Typografie und Grafikdesign, widmet ihre siebzehnte Ausgabe ganz dieser Frage.

Man darf mich gern der Idiosynkrasie bezichtigen, aber mir ist Schrift im Comic wichtig. Und zwar nicht nur als Inhaltsträger, sondern als formaler Aspekt. Gute Typografie kann Wunder bewirken, nicht nur im Comic, aber da besonders, denn diese Kunstform besteht ja gerade in der Verschmelzung von Wort und Bild zu einem großen Ganzen. Wie soll das nach etwas aussehen, wenn die bei den Worten verwendete Schrift hässlich ist?

Nun ist vieles an Schrift im Comic im wörtlichen Sinne Handarbeit, also von den Zeichnern selbst gelettert. Eine Arbeitsteilung wie in Amerika oder Japan, wo es eine eigene Berufsgruppe von Letterern gibt, die diese mühsame Pflicht übernehmen, existiert in Deutschland nicht; hierzulande werden Letterer nur tätig, wenn es um Übersetzungen geht, wo natürlich der ausländische Zeichner nicht auch noch den deutschen Text ausführt (wobei einige Künstler ihre eigenen Schriften digitalisiert haben und diese bei fremdsprachigen Ausgaben vorschreiben). Bezahlt wird diese wichtige Aufgabe nicht besonders gut, dementsprechend fällt bisweilen die Schrift im Comic aus. Schön, wenn es dann Zeichner wie Atak gibt, der in der DDR noch zum Schriftenmaler ausgebildet worden ist.

Jeder Versuch, mehr Aufmerksamkeit auf diesen Aspekt eines Comics zu lenken, ist gut. Und wenn nun die in Karlsruhe beheimatete, vierteljährlich erscheinende Typografie- und Gafikdesign-Zeitschrift „Slanted” ihre neuste Ausgabe (die siebzehnte) ganz dem Thema Cartoon und Comic widmet (wobei die Redaktion offenkundig nicht weiß, worin der Unterschied besteht, denn es geht im ganzen Heft nur um Comics), dann steht logischerweise die Schrift im Fokus. „Slanted” kann man übrigens als „schräg gesetzt” oder „kursiviert” übersetzen.

Und diese Ausgabe ist wirklich schräg – im besten Sinne. Die erste Hälfte des großformatigen, mehr als 160 Seiten starken Hefts wird von Gestaltern und Zeichnern bestritten, die auf einer oder auch mehreren Seiten ihre Idealvorstellung eines Comicdesigns vorstellen. Darunter gibt es alte Bekannte wie Henning Wagenbreth, der eine seiner Illustrationsinstallationen dokumentiert, oder Schwarwel, der einen großen doppelseitigen Comicstrip in sechs Panels zeichnet. Man sieht Fotocomics, Plakatentwürfe in Comicästhetik, Sprechblasenkaskaden, Lautmalereiexzesse – und bei allen Arbeiten ist, dem, Forum entsprechend, akribisch die verwendete Schrift vermerkt. Wobei es sich meist um Vincent Connares 1994 entwickelten Typ „Comic Sans” handelt.

Das ist nur konsequent, weil auch einer der Aufsätze, die den zweiten Teil des Heftes bilden, sich mit Comic Sans beschäftigt. Die Schrift, die allen Klischeevorstellungen von Comictypografie entspricht, ist unter Designern hochumstritten, weil sie derart schnell modisch wurde, dass man sie schon bald nicht mehr sehen mochte.

Es werden aber auch Aufsätze zur Manga-Ästhetik, zum Handlettering (verfasst von Reprodukt-Chef Dirk Rehm), zum deutschen Geburtshaus des „Katzenjammer Kids”-Zeichners Rudolph Dirks oder zu ersten Erlebnissen als westlicher Gestalter in Japan geboten. Einige dieser Artikel sind auf Englisch verfasst, andere auf Deutsch, und alle sind eher zurückhaltend gesetzt: arte povera der Typografie. Aber das ist nach dem Bild- und Schriftenwirbel der ersten Hälfte durchaus angenehm.

Als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Phänomen Typografie in Comics ist diese Ausgabe von „Slanted” eine Pioniertat. Sie erfordert ein spezialisiertes Interesse bei den Aufsätzen. An den Comicstudien wird sich jeder erfreuen, der ein offenes Auge für Grafikdesign hat.

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1 Lesermeinung

  1. "Schauen Sie auch mal bitte...
    “Schauen Sie auch mal bitte auf die Schrift!”
    Was anderes bleibt uns bei diesem Blog auch nicht übrig. Keine Bilder, keine Links, kein Nichts. Aber vielleicht kommt der Autor gelegentlich noch in der Gegenwart an.

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