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Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Deutsch ist Trumpf, sticht aber nicht immer

Das Jahrbuch „Comic!" für 2013, herausgegeben vom Interessenverband Comic (ICOM) ist eine Fundgrube. Und bisweilen auch eine Sinkgrube. Ein wenig mehr Vielfalt abseits der eigenen Mitgliederliste und ein bisschen weniger Selbstbeweihräucherung täten gut. Aber lesenswerte Aufsätze bleiben zur Genüge.

ICOM, das steht für Interessenverband Comic. Ehrlicher kann ein Name nicht sein. Er sagt, was Sache ist: Hier wird nur ein Interesse vertreten, das des Comics. Nichts dagegen zu sagen. Allerdings ist der ICOM eine Vereinigung deutschsprachiger Comicschaffender (Trickfilm wird auch berücksichtigt), und deren Interesse ist entsprechend die Förderung deutschsprachiger Comics. Auch noch nichts dagegen zu sagen.Mein Interesse gilt Comics allgemein, die Herkunft ist mir egal, solange sie etwas taugen. Dass in den letzten Jahren vermehrt deutsche Comics meine Aufmerksamkeit erregt haben, zeigt, dass hierzulande einiges passiert ist. Doch es ist nicht genug, um die Neugier auf Comics aus dem Ausland zu vermindern. Und weil die Welt zu groß ist für einen einzigen Leser, und der Sprachen zu viele sind für ein kleines Gehirn, bin ich für jede Hilfe dankbar, die ich durch kenntnisreiche Beobachtungen erhalte.

Eine Quelle für solche Beobachtungen ist das Jahrbuch „Comic!” (das Ausrufezeichen ist natürlich auch Programm), das die ICOM seit einiger Zeit herausgibt. In seiner neuesten auf 2013 datierten Ausgabe gibt es wie üblich einen Marktüberblick aus Frankreich; diesmal mit erschreckenden Diskrepanzen zwischen gedruckten Auflagen der Bestsellertitel und tatsächlich verkauften Exemplaren. Dann gibt es einen Essay über die Thematisierung der Wirtschaftskrise in spanischen Comics und einen Bericht über eine niederländische Comic-Berufsausbildung, die das große Themenpaket über Institutionen ergänzt, die sich das Lehren von Comicfertigkeiten in Deutschland auf die Fahne geschrieben haben. Dieser Schwerpunkt ist hochinteressant, weil er auch mal Angebote abseits der bekannten Hochschulklassen in Hamburg (Anke Feuchtenberger), Berlin (Henning Wagenbreth), Kassel (Hendrik Dorgathen) oder Halle (Atak) sichtet. Eines davon betrifft die Workshops des von mir sehr geschätzten Leipziger Zeichners Schwarwel.

Von ihm gibt es im Jahrbuch noch mehr, ja, er dürfte der meistgenannte und am breitesten behandelte Zeichner darin sein. Wahrlich nichts dagegen zu sagen. Aber das liegt daran, dass sein famoser Comic „Seelenfresser” im vergangenen Jahr den ICOM-Preis gewonnen hat (mit der ersten, auch von mir hochgelobten Folge; mittlerweile gibt es schon das zweite Album, und der abschließende dritte Teil ist bereits in Arbeit). ICOM-Preisträger (und das geht hinunter bis zu lobenden Erwähnungen) werden groß präsentiert im Jahrbuch, und hier entsteht eine Diskrepanz, die mir bitter aufstößt, denn auch wenn den Laureaten alle Ehre gebührt, sind doch mehr als fünfzig Seiten Würdigung gegenüber keinen vierzig an Auslandsberichterstattung arg viel.Zumal zur Auslandsberichterstattung noch ein Aufsatz gehört, den ich bislang verschwiegen habe. Er ist angekündigt als „eine notwendige mit dem französischen Autoren-Comic der vergangenen Dekade”, aber wer nun dächte, dass es dabei mit Stars der Zunft wie Blain, Trondheim, Tardi, Sfar et cetera ins Gericht ginge, wird enttäuscht. Der Text widmet sich ausschließlich „Fantasy- und Hyperspace-Schrott”, wie er selbst sagt, und kein einziger Band dürfte der Einschätzung als Autoren-Comic standhalten, wenn man nicht die Macher selbst oder ihre Verlage befragte. Das ist Etikettenschwindel. Oder Fehlwahrnehmung.

Macht das Jahrbuch also etwas internationaler, liebe Icommerzler. Über Amerika würde man gern etwas lesen, über Japan, Italien oder gar über noch exotisch erscheinende Comic-Herkunftsländer. Es wäre auch in eurem Interesse zu sehen, was Autoren-Comics sind und wie sie anderswo aussehen. Noch haben die Deutschen genug zu lernen. 

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