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Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Das Tier benimmt sich unmöglich!

Walter Moers hat vor seiner großen Romancierslaufbahn Comics gezeichnet. Der berühmteste ist „Das kleine Arschloch", der schönste „Der Pinguin". Und just das schöne Buch ist jetzt nach anderthalb Jahrzehnten wiederaufgelegt worden - noch schöner als zuvor.

Draußen immer noch kein Schnee? Da habe ich etwas für Sie: „Der Pinguin” von Walter Moers. Moers?; werden Sie fragen. Das ist doch der, von dem Sie gerade mehrere Zamonien-Bücher verschenkt oder gelesen haben. Was soll der in einer Comic-Kolumne? Nun, Moers begann als Comiczeichner. Und wie!

Aber nochmal von vorne: Draußen immer noch kein Schnee? Am Nordpol schon. Nordpol?, werden Sie fragen. Es geht doch um einen Pinguin! Der hat da nichts zu suchen. Stimmt schon. Aber dieser Pinguin hat nirgendwo etwas zu suchen. Er benimmt sich nämlich unmöglich, auch  als er in ein Eskimo-Iglu eindringt. Eskimo?, höre ich Sie brüllen. Das heißt doch Inuit. Schon gut, lieber nochmal von vorne.

Draußen immer noch kein Schnee? Außerhalb des Iglus, in dem ein Pinguin zwei Inuit gerade heimgesucht hat, rieselt er durchaus. Leise indes ist es nicht in der Arktis. Der Pinguin grölt, denn er ist Punkmusik-Fan. Der Pinguin säuft auch. Er kifft, bettelt um Futter, göbelt auf den Fußboden und fordert die unfreiwilligen Gastgeber zu öbszönem Tun auf. Kein Engelchen, der Pinguin.

Ja, ich weiß, dass sich das von selbst versteht ist, weil Engel fliegen können und Pinguine nicht. Es handelt sich um eine Metapher. Aber weiter in der Handlung: Der Pinguin löscht aus Versehen und auf unerquickliche Weise das Feuer, also muss der Inuit hinaus ins Kalte, um neues Holz zu holen, während die Inuit (die Inuitin?) mit dem schrägen Vogel zurückbleibt. Was dann passiert, ist weder festtagsgeeignet noch jugendfrei, aber Quentin Tarantino hätte seinen Spaß daran.

Was Tarantino hier im Text zu suchen hat? Es soll den Grad an Blutigkeit und Gewalt andeuten, den dieser Comic erreicht. Er ist hoch. Am Schluss ist wenig übrig vom Personal, das noch um einen Eisbären und einen Polizisten bereichert wird. Aber das muss man selbst lesen, in dieser „Very Graphic Novel”, wie der Verlag den Band anpreist, in der es keinen Text in den Sprechblasen gibt und nur eine Schlagzeile der Bla-Zeitung (Nein, wirklich Bla! Nicht Bild!) ein wenig Leseaufwand bedeutet. Ansonsten hat man das Geschehen in fünf Minuten durch. Aber keine Sorge, die 15 Euro (14,99, höre ich den Verleger schimpfen. Als ob das einen Unterschied machte!) sind gut angelegt, denn das Buch sieht man sich immer wieder an. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Draußen immer noch kein Schnee? Oder doch? Egal: Wir haben ja den coolen, eiskalten Pinguin von Walter Moers. Wer’s sehen will: http://www.youtube.com/watch?v=VQ_jK7ga6Fk, hier sogar als kleiner Trickfilmtrailer. Im Buch kommt die Szene übrigens nicht vor; sie ist auch nichts für schwache Nerven.

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