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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Prinz Schneewittchen

Noch ein Sahnehäubchen auf die schönste „Prinz Eisenherz"-Ausgabe der Welt: Der Bocola Verlag fügt seiner gerade abgeschlossenen Gesamtausgabe aller 2241 von Hal Foster gestalteten Episoden einen prachtvollen Materialienband hinzu.

Das Gute höret nimmer auf. In siebzehn jeweils mehr als hundertseitigen Bänden hat der Bonner Bocola Verlag seit 2006 alle von Hal Foster gezeichneten „Prinz Eisenherz”-Folgen veröffentlicht, lückenlos vom Start 1937 bis zu dem Tag im Jahr 1971, als Foster die Feder niederlegte und Cullen Murphy weiterzeichnen ließ. Aber er selbst schrieb noch für fast ein Jahrzehnt weiter sämtliche Episoden, und diese Abenteuer haben noch einmal fünf Bände gefüllt, ehe Murphy am 27. Januar 1980 alle Pflichten übernahm. Ein Jahr später war Foster tot.

Aber sein Werk lebt – und wie! Vom Erfolg dieser Bonner Gesamtausgabe ist oft berichtet worden, auch an dieser Stelle. Bis heute sind 140.000 Bücher verkauft worden, was zwar geteilt durch 22 Einzelbände nicht gewaltig klingt, aber wer weiß, wie die üblichen Auflagenzahlen deutscher Comicbestseller liegen, der kann ermessen, was „Eisenherz” für eine Sensation darstellt. Ein mehr als ein Dreivierteljahrhundert alter Held, dessen Erscheinung wie aus dem Märchen übernommen scheint (Haut so weiß wie Blut, Haar  so schwarz wie Ebenholz, Lippen so rot wie Blut), macht unverändert Furore. Zumal schon an früheren Ausgaben keinen Mangel herrschte. Aber so schön wie die nun abgeschlossene war einfach keine andere. Die Farben, die computerrestaurierten Zeichnungen, das Großformat – alles perfekt.

Und nun also noch ein „Ergänzungsband” dazu, der aber allemal für sich stehen kann. Darin findet man etliches zu Fosters Lebensgeschichte und Bilder, Bilder, Bilder. Natürlich vorrangig besonders spektakuläre Panels aus den insgesamt 2241 Fosterschen Folgen, aber auch Fotos, Reproduktionen von Originalzeichnungen oder anschauliche Beispiele für die aufwendige Restaurierungspraxis, die der Gesamtausgabe zugute kam(http://www.bocola.de/cms/upload/bilder/PE_Leseprobe_Handbuch.pdf). Dazu haben mit Andreas Knigge, Wolfgang Fuchs und Uwe Baumann die drei besten deutschen Foster-Kenner nochmals zur Feder gegriffen.

Doch der Löwenanteil des Buchs verdankt sich einer spanischen Publikation, die 2010 erschienen ist: als Sonderheft der Zeitschrift „CHT”. In ihm hat Horacio Diez eine Materialfülle zu Leben und Werk von Hal Foster zusammengetragen, die auch für eine Biographie gereicht hätte, und das ist der Band nebenbei auch. Vor allem aber ist er pure Augenlust, und das nicht nur für Romantiker und Nostalgiker. Denn seit man „Prinz Eisenherz” in dieser Ausgabe kennt, ist die Meisterschaft des Zeichners Hal Foster keine Frage mehr. Man könnte sich höchstens fragen, warum er noch nicht allgemein als einer der größten Illustratoren des zwanzigsten Jahrhunderts gilt. Und ob mit diesem Buch denn wirklich ein Schlussstrich gezogen sein soll unter eine der schönsten Comicreihen aller Zeiten. 

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