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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

So sehen komische Comics aus

Bastien Vivès, geboren 1984, ist ein Jungstar des französischen Comics und einer seiner produktivsten Vertreter. Nun ist ein kleiner Band in Frankreich erschienen, der ihn auch als Großmeister der Komik und Selbstironie zeigt.

Sprechen Sie Französisch? Wenn nein, dann entgeht Ihnen was. Denn es steht zu fürchten, dass „La Bande dessinée“, der jüngste Band des (immer noch) jungen Comiczeichners Bastien Vivès nicht ins Deutsche übersetzt wird. Zwar hat Vivès mit dem sehr guten Album „Der Geschmack von Chlor“ und dem deutlich weniger guten „Polina“ auch hierzulande ein Publikum gefunden, aber „La Bande dessinée“ ist in der schwarzweißen Taschenbuchreihe „Shampooing“ erschienen, die der Comic-Tausendsassa Lewis Trondheim beim Verlag Delcourt herausgibt. Und von den bislang dort erschienenen Bänden hat es noch keiner über die Sprachgrenze geschafft.

Trondheim publiziert darin Arbeiten von Zeichner, die er schätzt, und meist handelt es sich um Comics, die diese Autoren zuvor schon als Blog-Einträge veröffentlicht haben. So ist es auch im Falle der Geschichten von Bastien Vivès, die zuvor schon alle unter http://bastienvives.blogspot.de/ zu lesen waren. So wird das flüchtige Medium des Internets (flüchtig nicht bezüglich der Dauer, sondern bezüglich der Reizüberflutung) doch noch ins klassische Speichersystem eines Buchs überführt. Alle freut’s: Die Leser haben die Dinge gesammelt im Regal, die Zeichner haben ein neues Buch, ohne etwas Neues zeichnen zu müssen.

Vivès ist nun ein spezieller Fall. Sein „Geschmack von Chlor“ zählt für mich zu den beeindruckendsten Comics der letzten Jahre, und witzigerweise hat Vivès in seinem neuen Band eine Geschichte, in der er bei einer Signierstunde auf einen Fan trifft, der (oder die; man sieht die Person nie) ihm von seiner Begeisterung für diesen Band vorschwärmt, während der Zeichner selbst es längst satt hat, immer noch auf das alte Ding angesprochen zu werden. Das ist wunderbar ironisch geschildert, aber ein Körnchen Wahrheit wird wohl dran sein.

Was Vivès danach publiziert hat, fand viel weniger mein Gefallen, ja enttäuschte mich regelrecht, vor allem seine pornographischen Kurzgeschichten und „Polina“. Aber nun zeigt er sich mit „Bande dessinée“ als Meister des Komischen – und er ist gleich so komisch, dass mich der Band bisweilen lauthals zum Lachen gebracht hat.

Das liegt natürlich auch am Thema. Alle Geschichten drehen sich irgendwie um Comics oder das Zeichnen von Comics. Allein die zwei Lektionen des fiktiven amerikanischen Comicexperten Brad übers richtige Erzählen im Comic sind grandios, komisch sowieso, aber in ihrem Aberwitz auch wirklich lehrreich. Oder die zwei Abenteuer des Superhelden „Flashman“, die ein Kunststück der Wiederholung sind und eben auch ein Exerzitium des Superheldentums. Überhaupt: Wie es Vivès gelingt, teilweise ganze Geschichten in Bildern zu erzählen, die fast ausschließlich immer dasselbe zeigen und nur durch die Sprechblasen die Handlung voranbringen, das ist schlichtweg atemraubend. Da sieht man, wie man in Bilder etwas hineinliest, was nur durch den Text suggeriert wird.

Kurz gesagt: Bastien Vivès hat bei mir jetzt wieder einen Stein im Brett, der noch dicker ist als der nach „Der Geschmack von Chlor“. Und mir scheint fast, das könnte auch so bleiben. Wer so intelligent zu witzeln versteht (und einmal auch herrlich zu romantisieren, als er sich selbst eine Begegnung mit Penelope Cruz vom Herzen zeichnet, die dem Comiczeichner mit Haut und Haaren verfällt), der ist ein ganz Großer.

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