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Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Aus Liebe zu den Gespenstern

Seit einigen Jahren hat sich der Autor Peer Meter dem Thema Tod verschrieben. Gemeinsam mit verschiedenen Zeichnern setzt er Mordgeschichten ins Bild. Die ungewöhnlichste hat nun die Illustratorin Gerda Raidt gezeichnet: „Böse Geister“.

Vor drei Jahren wurde auf dem Comicsalon in Erlangen eine Ausstellung gezeigt, in deren Rahmen Peer Meter Konzept und erste Arbeitsschritte für ein Todesarten-Projekt vorstellte, das nichts mit Ingeborg Bachmann zu tun hat. Es sollten sechs Comic entstehen, die alle die Geschichten von Mördern erzählen. Vier davon sind schließlich umgesetzt worden: „Gift“, gezeichnet von Barbara Yelin, über die Bremerin Gesche Gottfried, die im neunzehnten Jahrhundert mehrere Menschen umgebracht hat; „Haarmann“, umgesetzt von Isabel Kreitz, über den berüchtigten Hannoveraner Massenmörder der zwanziger Jahren; „Vasmers Bruder“, gestaltet von David von Bassewitz, über den Serienkiller Karl Denke vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts; und schließlich „Böse Geister“. Letzterer Band ist der einzige, der eine rein fiktive Geschichte erzählt.

Und auch keine Mordgeschichte, zumindest keine, bei der die juristische Kategorie des Mordes zuträfe. Vielmehr geht es hier darum, dass ein Toter erweckt werden soll. Bei einem Unfall ist der Vater des etwa zwölfjährigen Harry ums Leben gekommen. Da der Sohn ein begeisterter Leser von Gespenstercomics ist, will er ein darin geschildertes Ritual zur Wiederbelebung durchführen. Weil dieser Teil der Handlung aber in den späten fünfziger Jahren angesiedelt ist, hat sich Harry der Schikanen seines Schuldirektors zu erwehren, eines schwerverwundeten Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg, in dessen konservatives Weltbild Comics nicht hineinpassen. Geschweige denn ein obskures Ritual.

Dieser Direktor Müller-Naujoks macht dem Heftleser Harry das Leben zur Hölle, und eines Tages landet er unter einem Lastwagen. Warum? Das zu verraten würde die Pointe der Geschichte zerstören. Sagen wir lieber stattdessen, dass mit dem Geschehen der fünfziger Jahre eine Erzählebene verknüpft ist, die ein halbes Jahrhundert später spielt und den Titel „Böse Geister“ auf witzige Weise konterkariert.

Gerda Raidt, die mir bislang nur als Buchillustratorin bekannt war, hat realistische Bleistiftbilder beigetragen (http://www.reprodukt.com/produkt/deutscheautoren/boese-geister/). Das passt zur Stimmung der Handlungszeit, aber gegenüber Yelin und Kreitz ist es doch wenig originell (der Band von Bassewitz steht noch aus). Man merkt der Geschichte die mangelnde Comic-Erfahrung der Zeichnerin an, weil die Möglichkeiten, mit Seitenarchitektur oder Bildrhythmus zu spielen, ungenutzt bleiben.

Dafür aber überzeugt die Geschichte, weil es hier weg von den spektakulären Kriminalfällen und ins Private geht. Und natürlich ist der Stoff auch als große Hommage an jene Comics konzipiert, mit der der 1956 geborene Meter aufgewachsen sein durfte. „Seltsam, aber so steht es geschrieben“, lautete eine Floskel, die damals immer wieder in Horror- und Gespenstercomics auftauchte. Das passt auch auf „Böse Geister“.

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