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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Der Mann, der „Asterix“ schreiben wird

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Im Oktober erscheint ein neuer „Asterix“-Band, der erste ohne Albert Uderzo. Zeichner ist Didier Conrad, Szenarist Jean-Yves Ferri. Wie schreibt dieser Mann? Hat er den richtigen Humor?

Jean-Yves Ferri ist so alt wie „Asterix“, Jahrgang 1959. Das heißt, dass er mit all den wunderbaren Geschichten aufgewachsen sein muss, die René Goscinny geschrieben und Albert Uderzo gezeichnet hat. Mit „Asterix bei den Briten“, mit „Der Avernerschild“, mit „Asterix in Korsika“, um nur ein paar meiner liebsten zu nennen. Und das heißt, dass Ferri achtzehn Jahre alt war, als Goscinny starb und sich Uderzo leider, leider dazu entschloss, „Asterix“ allein fortzuführen, womit er das Image der Serie wenn auch nicht zerstörte, so doch beschädigte.

Denn Uderzo ist kein begnadeter Erzähler, und es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis er das eingesehen hat. Oder wahrscheinlich hat es der heute Sechsundachtzigjährige immer noch nicht eingesehen, aber das Angebot, dass ihm der Verlagsriese Hachette unterbreitet hat, als der 2008 die Rechte an „Asterix“ erwarb, war einfach zu gut. Jedenfalls ließ Hachette keinen Zweifel daran, dass ein neues Team die erfolgreichste Comicserie der Welt (mehr als 300 Millionen verkaufte Alben) fortführen sollte.

Das viel schwerere Erbe Uderzos als Zeichner wird Didier Conrad antreten – dazu in der nächsten Woche an dieser Stelle mehr. Als Szenarist wurde Ferri ausgewählt, und da kann es in der Tat nur besser werden. Wobei man nicht unterschätzen sollte, dass auch 36 Jahre nach Goscinnys Tod seine „Asterix“-Geschichten so fest im Gedächtnis des Publikums verankert sind wie sonst nur Sketche von Loriot oder Gedichte von Robert Gernhardt. Hochkomik eben. Also ist das Erbe, das Ferri antritt, auch nicht ganz leicht.

Was dürfen wir erwarten? Das kann man an einem gerade erschienen Band überprüfen, den Ferri geschrieben hat – für Manu Larcenet, einen französischen Zeichnerstar. „Rückkehr aufs Land“ heißt der Comic, und es ist der zweite Teil dieser Serie, die Ferri und Larcenet im Original bereits vor einem Jahrzehnt begründet haben. Der Reprodukt Verlag als deutsche  Heimstätte für Larcenets Werk, hatte schon vor Jahren einen ersten Band publiziert, doch der verkaufte sich nicht recht. Nun hat der neue Job von Ferri bei „Asterix“ die Entscheidung zur Fortführung gewiss erleichtert.

Es handelt sich nicht um eine durcherzählte Geschichte, sondern um jeweils halbseitige Comic-Strips, die aber einer einigermaßen kontinuierlichen Handlung folgen (http://www.reprodukt.com/produkt/comics/die-ruckkehr-aufs-land-2/). Held des Ganzen ist der Cartoonist Manu Larssenet, ein nicht einmal ansatzweise verborgenes Alter Ego des Zeichners. Gemeinsam mit seiner Frau ist er aufs Land gezogen und macht dort im ersten Band all die Erfahrungen mit der Einsamkeit, den Sonderlingen und der Willkür der Natur, die man als Städter in solcher Umgebung erwarten darf.

Nun in Band 2 kommt ein gemeinsames Kind zur Welt, und natürlich taugt das auch gut für Gags. Dazu wird das Berufsleben von Larssenet porträtiert, und etliche Figuren, so die misanthrope alte Nachbarin oder der weltvergessene Eremit im Wald, kommen zu weiteren Auftritten. Es gibt einen grandios skurrilen Atlantiden, der aus irgendeinem Grund im nahegelegenen Wasser lebt, und die Schwiegereltern von Lassenet – tolle Figuren. Es ist erwartbar, was geschieht, und trotzdem liebenswert. Aber Humor vom Niveau eines Goscinny ist es meistens nicht.

Den beherrscht Ferri allerdings auch, nur kann man das auf Deutsch noch nicht nachlesen. Einfach hinreißend ist seine gemeinsam mit Manu Larcenet gleichsam auf Basis des Gag-Prinzips geschaffene Reihe „Le sens de la vie“ (Der Sinn des Lebens). Davon sind in Frankreich bislang zwei Bände erschienen, es geht um die Beziehung eines alten kleinen Zen-Meisters zu seinem großen dicken Schüler, und so, wie da allein schon die Proportionen der Figuren zur Basis des Humors gemacht werden, hat man das beste Gefühl für das physiognomisch ähnliche Gespann aus Asterix und Obelix.

Warum erscheint dann „Zurück aufs Land“ und nicht „Der Sinn des Lebens“ in Übersetzung? Weil die schlechtere Serie eher an Manu Larcenets großen Erfolg „Der alltägliche Kampf“ erinnert. Vielleicht werden sich solche Überlegungen dann auszahlen, wenn man feststellt, dass die bessere Serie eben an „Asterix“ gemahnt.

Und geradezu unglaublich komisch ist der von Ferri selbst gezeichnete Band „De Gaulle à la plage“, erschienen 2007 und auch das ein Album, das nur aus seitenlangen Episoden besteht. Aber wie er da den französischen Mythos des Generals und Präsidenten Charles de Gaulle durch die Mangel  dreht, das lasst das Schönste erwarten, wenn er im Oktober Asterix auf Reise zu den Pikten (also Schotten) schickt. Mit schlichten Scherzen über Geiz und „Braveheart“-Zitaten dürfte Ferri sich jedenfalls nicht lange aufhalten.

 

 

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1 Lesermeinung

  1. Zu wünschen wäre es der unter Uderzo textlich vor die Hunde gegangenen,
    Zu wünschen wäre es der unter Uderzo textlich vor die Hunde gegangenen, mit Goscinny aber einfach wunderbaren ASTERIX-Serie, dass sie endlich wieder an den Humor und die sprachliche Intelligenz von Goscinny anknüpfen kann.

    Auch wenn der Autor gegenüber Uderzo hflich blieb – ich habe nach dem ersten verkorksten Uderzo Alleinband nie wieder einen ASTERIX gekauft oder gelesen. Jetzt habe ich wieder Hoffnung :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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