Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Hier geht’s wirklich um die Wurst

Katharina Greve ist die große Cartoonistin der Stunde – rücksichtslos, humorvoll, originell, dreist. Mit einem Wort: lustig.

Jetzt, zum Beginn des neuen Jahres, muss endlich jemand gelobt werden, der auch als Comiczeichnerin schon Großes geleistet hat, aber vor allem derzeit auf einem Feld aktiv ist, das an dieser Stelle seltener erwähnt wird: dem Cartoon. Doch da ist die singuläre Rolle von Katharina Greve noch deutlicher.

Die 1972 geborene Hamburgerin, die heute in Berlin lebt, ist schon lange im Geschäft, aber erst kürzlich bekam sie mit dem Sondermann-Förderpreis für Komische Kunst auch eine sicht- und vor allem zählbare Anerkennung. Die Auszeichnung würdigte neben den Comics ausdrücklich auch die Witzzeichnungen von Greve, und pünktlich dazu ist ein Buch bei Eichborn erschienen, das beide Genres vereint, wiewohl die Comics darin auch ganz im Sinne einer raschen Pointe stehen.

Der Titel verrät schon einen der besten Witze im Inneren: „Eigentlich ist Wurst ein umgestülptes Tier“. Wer sich all die Feiertage mit ihren reichen Nahrungsmittelzufuhren nicht nachträglich noch verderben lassen möchte, sollte recht vorsichtig einen Blick ins Buch (oder wenigstens auf die darin enthaltenen Arbeiten, die sich bei Katharina Greves Seite http://www.freizeitdenker.de/buch_wurst.htm finden) tun. Denn hier wird in jeder Hinsicht rücksichtslos gezeichnet und erzählt: Die Grenzen des guten Geschmacks sind zugunsten eines vereinigten Kontingents an humoristischen Zeichnungen beseitigt. Hier wird gealbert, gekalauert, gewitzelt, aber auch genau hingesehen und glänzend pointiert. Unter anderem über Fleischkonsum.

Dazu passt die karge Graphik, die Greve zu ihrem Stilelement gemacht hat. Dass sie indes als Zeichnerin viel mehr Ebenen beherrscht, zeigt etwa ihr Cartoon vom Kleinen Prinzen, der die Monarchie abschafft. Auf einem Kleinplaneten stehend, hält sich der in schönster Saint-Exupéry-Gefälligkeit gemalte Prinz einen Revolver an die Schläfe, und dem Himmelskörper unter ihm geht durch seine Krater schon die Luft aus.

Höhere Instanzen genießen also keinen Artenschutz bei Katharina Greve, das musste auch Papst Benedikt XVI. erfahren, dem die Zeichnerin seine Abdankungsbeschluss vorwegnahm und einen Tag vor der Bekanntgabe veröffentlichte. Sie zeigt uns auch die wahren Hintergründe dieser pontifikalen Entscheidung: sechs Richtige mit Superzahl. Wer würde dafür den Vatikan nicht links liegen lassen?

Und einen schönen Gag für  bevorstehende christliche Tage hat das Buch auch zu bieten: einen Blick aufs Weiße Brett im Himmel, wo ein Plakat, mit dem Jesus die Engel zu einem Himmelfahrtsausflug einlädt, von Gottvater selbst korrigiert wird: zu „Vatertagsausflug“. Nicht nur, dass das Wort „Ausflug“ bei Engeln einen ganz neuen Klang bekommt, es ist auch einfach ein subtiler Witz, der noch dadurch gesteigert wird, dass Jesus deprimiert vorm Weißen Brett steht und sich denkt: „Immer geht es nur um ihn!“ Das ist kluger Spott über religiöse Themen. Schönes neues Jahr!