Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

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Meine Güte, das ist bereits sechs Jahre her! Damals erreichte mich die Publikation eines kurz zuvor gegründeten Verlags, dessen Initiator, Christian A. Bachmann, ich im Jahr darauf bei einer Comic-Tagung am Freiburger Institut frias kennenlernen sollte. Dort trug auch der Autor des Buchs vor: der Bonner Romanist Rolf Lohse, und er sprach über aktuelle Literaturadaptionen im französischen Comic. Dafür bot ihm der Gegenstand seiner Studie keine Anschauung, denn sie widmete sich dem Comic-Künstler Marc-Antoine Mathieu, der nur nach eigenen Szenarien zeichnet.

Gleichzeitig ist Mathieu einer der experimentierfreudigsten und literarischsten Vertreter des Fachs, und sein wichtigster Protagonist, der stets bebrillte und behutete Julius Corentin Acquefacque, hat in seinem Nachnamen Kafka versteckt – wenn man Acquefacque französisch ausspricht, wird daraus Akfak, also Kafka rückwärts. Und ähnlich mystisch-klaustrophobisch sind auch die Geschichten.

Lohses Studie „Der Ingenieur der Träume“ widmete sich vorrangig den Bänden der Achquefacque-Reihe, die von 1991 bis 2004 auf fünf Teile gekommen war. In Deutschland sind diese Bände beim Reprodukt Verlag erschienen, und auch wenn die Mathieu-Fangemeinde hierzulande sicher übersichtlich ist, wurde doch schon 2009 eine zweite Auflage des Buchs notwendig. Doch 2013 erschien dann ein sechster, „La décalage“, der damals auf meinem Blog auch gewürdigt wurde (http://blogs.faz.net/comic/2013/12/30/mitten-drin-gehts-los-454/), und Lohse nahm das zum Anlass, sein Buch noch einmal für eine dritte Auflage zu überarbeiten.

Wobei dabei ein neues Buch entstanden ist, denn nicht nur fügte er ein umfangreiches Kapitel zu „La décalage“ (hier eine Möglichkeit zum Einblick in die Geschichte: http://www.editions-delcourt.fr/catalogue/bd/julius_corentin_acquefacques_6_le_decalage) hinzu, die Erkenntnisse, die dieser neue Band vermittelte zwangen Lohse auch dazu, die anderen Teile zu ergänzen und die programmatische Einleitung von neun auf vierzehn Seiten zu bringen, so dass „Ingenieur der Träume“ nunmehr 172 statt ehedem 133 Seiten umfasst. Der Preis stieg von 12 auf 16 Euro, aber es wurde auch festeres Papier verwandt, alles neu gesetzt und besser reproduziert.

Man darf es eine Sensation nennen, dass ein deutscher Wissenschaftler sich einer solchen Mühe unterzieht, um seine Studie aktuell zu halten. Und das ist nicht nur in Deutschland unüblich, sondern auf dem immer noch überschaubaren Feld der Comic-Studien auch international. Zu klein ist das Segment, zu wenig lohnend die Beachtung in Fachkreisen, als dass sich großer Aufwand lohnte. Lohse indes ist ein Überzeugungstäter, einer der wenigen wirklich engagierten Comic-Ästhetiker, der sich über Jahre hinweg mit seinem Thema befasst. Gut, dass er nun den Maßstab dafür setzt, wie man in der akademische Welt mit der Comicforschung umzugehen hat: genauso akribisch und ständig aktualisierend wie in den längst etablierten Disziplinen.

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1 Lesermeinung

  1. Danke …
    für die lieben Worte! Ich bin sicher, Rolf Lohse freut sich darüber auch sehr.

    Getroffen haben wir uns übrigens schon vor der FRIAS-Tagung. Ich kann sogar (dem Internet sei Dank) genau sagen wann: am 2. Februar 2009, anlässlich des von Ursula Renner-Henke und Johannes Lehmann ausgerichteten Gesprächs über Marjane Satrapis „Persepolis“ in der Stadtbibliothek Essen. Ich glaube, wir waren im Anschluss noch im Café Central im Grillo-Theater.

    Rolf Lohse habe ich übrigens in Göttingen getroffen, kurz nachdem Ihre Rezension zu Lars Banholds Batman-Buch gedruckt wurde. Er hatte sie gelesen und war spontan begeistert von der Idee, ein Buch über Mathieu zu schreiben. Möglich, dass dieses Buch ohne die Rezension nie geschrieben worden wäre.

    Viele Grüße!
    Christian Bachmann
    (www.christian-bachmann.de)

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